Bordeaux 2017 Primeur

20. April 2018



2017 - a cool vintage in a warm year




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Verkostungsnotizen Linkes Ufer / Médoc / Pessac


- Château Ducru Beaucaillou (96-98+) - release 120.- € (-14%)
- Château Léoville Poyferré (95-97) - release 54.- € (-18%)
- Château Montrose (95-97) - release 96.- € (-6%)
- Château Léoville Las Cases (95-97) - release 144.- € (-20%)
- Château Cos d'Estournel (94-96+) - release 108.- € (-10%)
- Château Mouton Rothschild (94-96) - release 348.- € (-17%)
- Château Latour (94-96)
- Château Palmer (94-96) - release 192.- € (-20%)
- Château Pichon Baron (93-95) - release 96.- € (-14%)
- Château Margaux (93-95) - release 348.- € (-17%)
- Château Calon Ségur (92-94) - release 60.- € (-4%)
- Château Pontet Canet (92-94) - release 80.- € (-26%)
- Château Pichon Lalande (91-93) - release 90.- € (-25%)
- Château Lafite Rothschild (90-92) - release 420.- € (-8%)
- Château Lynch Bages (88-90) - release 75.- € (-22%)

Verkostungsnotizen Rechtes Ufer / Pomerol / St.-Emilion


- Château Lafleur (96-98) - release 460.- € (+2%)
- Château Troplong Mondot (95-97) - release 72.- € (-29%)
- Château Ausone (95-97) - release 480.- € (-18%)
- Château Haut Brion (95-97) - release 348.- € (-17%)
- Château Figeac (94-96) - release 120.- € (-20%)
- Château La Mission Haut Brion (93-95) - release 240.- € (-29%)
- Château Smith Haut Lafitte (93-95) - release 67,20 € (-13%)
- Vieux Château Certan (93-95) - release 168.- € (-13%)
- Le Pin (93-95) - release 1200.- € (-33%)
- Château Canon (93-95) - release 66.- € (-8%)
- Clos Fourtet (93-95) - release 72.- € (-13%)
- Château Haut-Bailly (92-94) - release 72.- € (-14%)
- Château L'Evangile (92-94) - release 180.- € (0%)
- Château Cheval Blanc (88-90) - release 432.- € (-20%)

Verkostungsnotizen Weißweine


- Château Margaux Pavillon Blanc (98-100)
- Château Smith Haut Lafitte Blanc (96-98+) - release 80,40 € (+16%)



15. April 2018


Alle reden vom Wetter und das gilt natürlich auch für die Primeurs in Bordeaux. In diesem Jahr aber redete man fast ausschließlich über das Wetter. 2017 war derart extrem und für die Weinbergs-Teams so anstrengend, dass man die Erschöpfung noch förmlich greifen konnte. Und so wird ein erheblicher Teil unseres Berichtes mit Analysen zum Wetterverlauf gefüllt werden. Wichtig sind dabei die einzelnen Weinbeschreibungen, dann die Lage war stark unterschiedlich und die Reaktionen der Produzenten darauf auch. Diese große Spanne kann man in den Weinen verkosten. Manche Weine wirkten verwässert, manche parfümiert oder erschöpft. Bei anderen fehlten wichtige Rebsorten-Komponenten, die Weine zeigten sich weit von ihrer üblichen Château-Charakteristik entfernt. Und dann waren da die glücklichen, die nicht so hart getroffen wurden, im richtigen Moment geerntet hatten und sich über richtig gute Weine mit Charakter und Eleganz freuen konnten. Der Jahrgang 2017 ist extrem heterogen, Muster lassen sich kaum ableiten. Weder in Bezug auf die Appellation noch auf die Art der Herausforderungen. Versuchen wir ein wenig Orientierung zu schaffen.

Linkes Ufer - Médoc


Im Médoc war 2017 eindeutig ein Jahr des Cabernet Sauvignon. Auf den besten Böden in der Nähe der Gironde waren so gut wie keine Frostschäden zu beobachten und der Cabernet Sauvignon profitierte in dem trockenen und warmen Sommer von guten bis sehr guten Bedingungen. Kritisch waren im Médoc die Trockenheitsspitzen des Sommers und der starke Regen zur Erntezeit, und damit zur Unzeit. Der Regen setzte praktisch mit dem berühmten Marathonlauf im Médoc, am zweiten Septemberwochenende ein. Der bereits weitgehend reife Merlot nahm nach der langen Trockenheit die dringend benötigte Feuchtigkeit begierig auf, was die Trauben rasch anschwellen ließ. Den Ernteteams blieb keine andere Option, als den nassen Merlot so schnell wie möglich einzuholen und sofort zu verarbeiten. Zu bemerken war dieser Verwässerungseffekt besonders in Pauillac bei den Merlot lastigen Cuvées. Gleichzeitig merkte man manchen Weinen an, dass sie aus "verbrannten, erschöpften" Trauben gekeltert wurden. Oft war das bereits an der matten Farbe der Weine zu erkennen. Die Terroirs mit erhöhtem Lehmanteil und gleichzeitig bestem Wasserabzug erzielten auch die besten Ergebnisse. Die Reben dort überstanden sowohl die Trockenheit im Sommer als auch den Regen im September deutlich besser.


Sehr fein, aber in 2017 nicht unter den besten Weinen: Château Lafite Rothschild.

Premier Crus - Médoc


Auch die Premier-Crus konnten sich diesem Wetterverlauf natürlich nicht entziehen. Château Lafite Rothschild hatte mit zwei Erntedurchläufen versucht, die jeweils besten Trauben zu ernten. Die Cuvée wurde in Richtung Cabernet Sauvignon verschoben. Der Wein zeigt intensive Kräuteraromen und wirkt schwer, aber durchaus elegant. Was fehlt, ist die spielerische Eleganz des Lafite, die unwiderstehliche, feine Frucht großer Jahrgänge. Auch Château Latour präsentierte einen Wein mit Kräuteraromatik, ungewöhnlich schlank und elegant für einen Latour und mit einem schönen Fruchtabgang. Man hätte blind verkostet hier eher auf Lafite getippt. Bei Château Mouton Rothschild hätten wir eine deutliche Kräuternote erwartet, eigentlich das Markenzeichen des Mouton. Aber wieder wurden wir überrascht mit einem richtig guten, fruchtbetonten, eleganten und dichten Wein. Schon die hellviolette Farbe zeigte, dass hier gesunde Trauben verwendet wurden, die Nase ist sehr intensiv, der Abgang mit langem Nachhall und etwas Minze und Lakritz. Ein richtig guter Mouton, aber keine klassische Mouton-Aromatik. Uns fiel auch auf, dass kaum ein bedeutendes Château einen derart großen Abstand zu den Zweitweinen aufweist. Oder anders gesagt: Der Grand Vin ist um Klassen besser als als die anderen Weine des Châteaus. Einen sehr feinen Wein hat auch Château Margaux präsentiert. Der Frosteinfluss führte hier zu Ertragsbeschränkungen. Den Regen hatte man ausgesessen - und das war offensichtlich eine sehr gute Entscheidung. Der Wein zeigt eine sehr schöne Dichte und guten Druck am Gaumen. Die feine, süße Frucht kommt durch die cremige Konsistenz sehr delikat heraus, der Abgang ist für den Jahrgang ungewöhnlich saftig und würzig. Ein sehr guter Margaux ohne den Anspruch, den ganz großen Jahrgängen den Rang ablaufen zu wollen. Herausragend in 2017 war der Pavillon Blanc, ein Weißwein mit Legendenpotenzial. Enorm komplex mit langem Abgang und einer perfekten Kombination aus Frische und Power.

Pauillac


Die beiden Pichon-Güter lagen diesmal weiter auseinander als die Geografie vermuten lässt. Der Pichon Baron als klassischer Cabernet Sauvignon überraschte sehr positiv. Er ist im Moment noch Tannin betont, aber mit dichter Frucht, richtig Power und einer herrlichen Himbeernase. Dieser Wein hat noch viel Potenzial und wäre noch besser, wenn der Abgang noch dramatischer ausgefallen wäre. Die Pichon Comtesse hat uns als bekennende Lalande-Fans nicht so beeindruckt. Man merkt, dass die Merlot lastige Cuvée vom Wetter beeinflusst wurde. Die Nase ist pfeffrig-scharf und diese Schärfe zieht sich über den Gaumen und verdeckt die Frucht. Der Wein wirkt insgesamt etwas sperrig, es fehlt die herrliche Lalande-Aromatik und samtweiche Frucht. Nach dem sehr guten Mouton waren wir auf den Nachbarn Château Pontet Canet sehr gespannt. Und tatsächlich präsentierte sich der "PC" mit leuchtendem Ziegelrot und intensiver schwarzbeeriger Aromatik. Am Gaumen feine Sauerkirschen mit seidenweicher Textur. Die kantigen Tannine dieses Weins zeigen sich dann im schönen Abgang. Der Pontet Canet sollte ein gutes Potenzial haben. Deutlich sperriger wirkte der Château Lynch Bages 2017. Die Nase ist richtig spicy, die Tannine noch markant. Hier ist längere Lagerzeit gefragt, man wird sehen.


Montrose ist auch 2017 wieder ein großer Wein gelungen.

Saint-Estèphe


Der Sprung nach Norden in die Appellation Saint-Estèphe lohnte diesmal besonders. Die Weine zeigten sich insgesamt besser und homogener als die aus Pauillac. Die von Château Cos d'Estournel präsentierten Weine konnten alle überzeugen. Der Grand Vin ist in der Nase noch sehr verhalten, am Gaumen aber wunderbar cremig mit Druck, feiner Frucht und noch jungen, feinkörnigen Tanninen. Ein komplexer, sehr schöner Wein. Auch der Weißwein von Cos ist sehr fein, buttrig, cremig und rund mit einem tollen, frischen Touch. Richtig gut mit dem Jahrgang kam Château Montrose zurecht. Mit viel Aufwand wird hier das Verständnis für die Böden verbessert, ständig die Präzision im Weinberg und im Keller verfeinert. Gezeigt wurden diese Bemühungen in einer eindrucksvollen Videoanimation, die auf einer elektronischen Bodenanalyse beruht. Montrose hatte überhaupt keine Frostprobleme, da man weit in Richtung Girondemündung liegt. Man erntete sehr früh und entging der Regenproblematik weitgehend. Die Cuvée ist sehr Cabernet Sauvignon lastig. Dass man hier sehr viele gute Entscheidungen getroffen hatte, zeigten alle Weine des Hauses. Den Montrose 2017 kennzeichnet eine gesunde, vibrierende und tiefe Färbung. Am Gaumen viel reife, süße Frucht mit Zug und seidenweichen Tanninen. Kommt dem Pichon Baron sehr nahe. Nach 15 Minuten entwickelt der Montrose super delikate Aromen von Bitterschokolade. Ein toller Wein mit viel Zukunft. Auch Château Calon Ségur kam um die Frostproblematik herum, liegt noch etwas weiter im Norden. Erstmals in diesem Jahr erlebten wir Andrang der Besucher. Calon Ségur ist derzeit "in" und wird als Star bejubelt. Die Weine haben seit 2014 enorm zugelegt und gehören derzeit mit zum besten Preis-/Leistungsverhältnis in Bordeaux. 76% Cabernet Sauvignon zeigen die Richtung. Auf die Merlot- und Cabernet Franc Komponente hat man weitgehend verzichtet, auch zu Lasten der Ausbeute. Erstmals wurde sogar junger Cabernet Sauvignon für den Grand Vin verwendet, so gut waren die Trauben. Der Calon Ségur ist ein Wein mit Charme und toller, süßer Frucht. Kein Ansatz von Trockenheit im langen Abgang. Ja, da ist nicht die Komplexität eines Cos oder Montrose, aber die Zeiten, in denen man einen Saint-Estèphe 20 Jahre reifen lassen musste, sind vorbei.


Ein außergewöhnlich guter Ducru Beaucaillou 2017 und unser Wein des Jahrgangs.

Saint-Julien


Richtig spannend war der Sprung in den Süden, in die Appellation Saint-Julien. Léoville Las Cases präsentierte einen sehr guten 2017er mit viel Frucht, Saftigkeit und Druck am Gaumen. Das ist ein Wein, wie man ihn von Latour erwartet hätte mit klassischer Cassis-Aromatik und tollem, mehrschichtigem Abgang. Nachbar Léoville Poyferré legte noch eins drauf. Ein herrlicher Bordeaux mit der Eleganz von 2015 und dem Charme von 2012. Der Merlot wurde handverlesen, nur 50% der Ernte für den Grand Vin verwendet. Tiefes, funkelndes Violett, klassische Cassis-Nase und cremige, seidenweiche Textur. Ein Wein fürs Jahrgangs-Treppchen. Etwas weiter von der Gironde entfernt zeigte Château Talbot, wie man einen richtig schönen Saint-Julien macht. Helles Violett mit feiner, saftiger Frucht und delikater Brombeeraromatik. Ein Klasse-Wein mit ganz leichter Tendenz zur Trockenheit im Abgang. Angesichts der Fruchtfülle aber unproblematisch. Wir durften dann noch mit dem 2016er von Talbot vergleichen und dann merkt man doch, dass dieser Ausnahmejahrgang in einer eigenen Liga spielt. Tolle Weine von hier und für den Preis sicher super interessant. Der beste Wein der Appellation und für uns der gesamten Primeurs 2017 war Château Ducru Beaucaillou. Obwohl das Château vom Frost stark betroffen war, konnte man dann im Herbst alles richtigmachen und zeigte einen exzellenten 2017er. Ein Wein mit Dichte, süßer Frucht, Kraft und perfekter Balance. Alles verpackt in einer spielerischen Frische und mit herrlichen Cassis-Aromen. Das Geheimnis lag in 2017 darin, dass man durch den Regen gezwungen war, ganz kurz vor der perfekten Reife schnell zu ernten. Damit erzielte man fast ungewollt die faszinierende Balance von Frucht und Frische, die dem Wein eine Leichtigkeit verleiht, die man in diesem Jahrgang einfach vermisst. Ohne Frage, unser Wein des Jahres.


Château Palmer macht Jahr für Jahr grandiose Weine und auch 2017 ist das nicht anders.

Margaux


Nach dem sehr guten Château Margaux waren wir gespannt auf den Château Palmer. Auch hier merkliche Besucherdichte und Stress im Château, die Primeurs-Gäste wissen sehr genau, welche Produzenten man besuchen muss. Und auch diesmal wurden alle Erwartungen erfüllt. Bereits der Alter Ego, immer eine Bank für gute Weine, war wieder ausgezeichnet, frisch, mit feiner Fruchtsüße und sehr gut eingebundenen Tanninen. Seine wunderbare Textur und Harmonie sind seine Markenzeichen. Der 2017er überzeugt zudem mit großartiger Saftigkeit, ein Kunststück in 2017. Der Grand Vin de Palmer liegt mit funkelndem, tiefem Violett im Glas und zeigt sich straffer, tiefer und vielschichtiger als der Alter Ego. Zudem ist er für lange Lagerzeiten stärker extrahiert. Ein ganz toller Wein mit eindrucksvollem Finish, der die Ansätze des Alter Ego besitzt und noch wesentlich verstärkt.

Linkes Ufer - Pessac-Léognan


Die Appellation Pessac-Léognan liegt teilweise im Standgebiet von Bordeaux und erstreckt sich ca. 10 km nach Süden. Durch die entfernte Lage von Meer und Girondemündung traf der Frost diese Region wesentlich härter als das Médoc. Dennoch muss man hier von Château zu Château unterscheiden. Zugute kommt den Weinen, dass der Boden dem der besten Appellationen des nördlichen Médoc ähnelt und der Schwerpunkt der Rebsorten bei Cabernet Sauvignon liegt. So kann man in Pessac-Léognan von einem guten Jahrgang sprechen, denn die Reben, so sie den Frost überlebt hatten, kamen sowohl mit der Hitze als auch mit dem Regen einigermaßen zurecht.


Noch besser als der SHL Rouge ist in 2017 der SHL Blanc, ein Wein, dem man hier größte Aufmerksamkeit schenkt und der stets zu den besten Weißweinen des Bordelais zählt

Beginnen wir im Süden mit Smith Haut Lafitte, ein Musterbetrieb, der von Madame Cathiard zur Perfektion bis in das letzte Detail getrieben wird. Die Weine gehören zu den besten Aufsteigern der letzten Jahre, bei noch vernünftiger Preisstellung. Eine Besonderheit ist der Fokus auf den weißen SHL, oft höher bewertet als der sowieso sehr gute Rotwein und stets einer der besten Weißweine des Bordelais. SHL war vom Frost nur sehr wenig betroffen und konnte mit seiner gesamten Weinpalette überzeugen. Der Rotwein ist sehr druckvoll und zeigt kräftige Tannine, die aber mit der großen Fruchtdichte eine sehr delikate Einheit bilden. Ein Bordeaux von mächtiger Statur und trotzdem ausreichend Finesse für einen sehr guten Gesamteindruck. Der Weißwein liegt da sogar noch eine Stufe höher und zeigt sich mit großer Komplexität, exotischen Früchten und einem unglaublich beeindruckenden, langen Abgang von seiner allerfeinsten Seite. Ein großer, weißer Bordeaux. Fast in direkter Nachbarschaft befindet sich Château Haut-Bailly, ebenfalls unter der profunden Leitung einer Dame, die genau weiß, wie man ein Château in der Qualitätsspitze etabliert: Véronique Sanders. Anders als SHL wurde HB von Frost richtig hart getroffen, trotz eines massiven Einsatzes aller verfügbaren Mitarbeiter und technischer Hilfsmittel. Der Blend wurde hierdurch aber nicht wesentlich verändert. Auch der Haut-Bailly ist ein sehr guter Bordeaux mit dichter, schwarzbeeriger Aromatik, Pflaume. Trotz aller Konzentration und Kraft wirkt er nicht überladen oder müde, sondern zeigt Transparenz und Eleganz mit einem langen Abgang. Auf HB nennt man den 17er den "kleinen Bruder des 16er". Wir konnten beide Jahrgänge nebeneinander verkosten und können nicht widersprechen.

Wenn man das Potential eines Jahrgangs ergründen möchte, ist ein Besuch bei Haut-Brion samt Schwesterweingut La Mission Haut Brion (LMHB) sehr aufschlussreich. Sehr oft markieren diese Weine ob ihrer Perfektion die Jahrgangsspitze. Doch dieses Jahr hat es nicht ganz für die Medallienränge gereicht. Dennoch präsentiert sich der Haut-Brion als ein seidenweicher Finessewein mit einer herrlichen Nase nach Himbeeren und Brombeeren. Die feinkörnigen Tannine passen perfekt zu der saftigen Frucht. Am Gaumen kommen verstärkt Sauerkirschen in den Vordergrund, die den Eindruck dominieren. Der lange Abgang verstetig die Sauerkirsch-Aromen. Ein Wein von meisterlicher Hand, aber dieses Mal fehlt der WOW-Effekt, das Potenzial zu einem ganz großen Wein. Der LMHB wirkt fester, kräftiger und starrer als der Haut-Brion. Im Abgang zeigt er sich aber dafür etwas süßer mit dezenter Schokolade. Säure und Frucht sind aber auch hier nicht perfekt ausbalanciert. Der Haut-Brion Blanc birst vor vollreifen, süßen Früchten. Er ist butterweich, von cremiger und viskoser Textur und duftet nach Holunder, Apfel und Limone. Er könnte einen Tick mehr Säure und Frische vertragen, wirkt zu barock. Merklich fokussierter und leichter ist der LMBH Blanc. Hier eine schöne Limone / Orange Kombination im sehr feinen Abgang. Damit steht es wohl 1:1 zwischen diesen beiden legendären Châteaus.

Rechtes Ufer


Richtig verheerend wirkten sich die Frostnächte im April 2017 am rechten Ufer, u.a. insbesondere in den Spitzen-Appellationen Pomerol und Saint-Emilion aus. Aber auch die zahlreichen Satelliten-Appellationen im weiten Umkreis waren massiv betroffen. Das Frostproblem dominierte hier die Trockenheit des Sommers und den Regen während der Erntezeit eindeutig. Der Verkostungsbericht ist also irgendwie immer auch ein Frostbericht...


Château Ausone gelang in 2017 ein sehr feiner, eleganter und harmonischer Wein mit schöner Frucht.

Saint-Emilion


So unterschiedlich können die Ergebnisse trotz einiger Ähnlichkeiten sein: Ausone und Cheval Blanc sind beide Grand Cru Classé A klassifiziert und ihre großen Weine basieren zu einem hohen Anteil auf Cabernet Franc, für den beide über die besten Terroirs der Welt verfügen. Cheval Blanc wurde vom Frost massiv getroffen. Da der Cabernet Franc vorzugsweise in den kühleren Senken der Kieshügel angepflanzt wurde, waren genau diese Parzellen die Schwerpunkte der Frostschäden. Über 50% der Ernte wurde in diesen April-Nächten verloren. Durch Kultivierung der noch verborgenen und damit geschützten Knospen konnte eine zweite Generation an Trauben erhalten werden, sodass der Verlust auf ca. 50% begrenzt werden konnte. Die Auswirkungen auf den Cheval Blanc waren erheblich, denn die Cuvée dieses legendären Weins ist durch den hohen Cabernet Franc Anteil maßgeblich geprägt. Zudem wird eine Verwendung von Trauben der 2. Generation sehr kontrovers diskutiert und wir trafen kein anderes Château, das sich hierfür entschieden hatte. Der Wein wirkt verwässert und bleibt ohne Druck von Fruchtaromen. Dazu fehlt in diesem Jahr die Spannung in der Gaumenmitte und ein Abgang, der einem guten Cheval Blanc ebenbürtig ist. Niemand auf Cheval Blanc würde auf eine hohe Weinqualität verweisen, da ist man ehrlich und offen. Es ist kaum zu ermessen, was die Teams im Weinberg und Keller in diesem Jahr geleistet haben. Selbst eine stets mit Perfektion arbeitende Mannschaft konnte unter diesen Voraussetzungen nicht mehr erreichen. Besser erging es Ausone, das auch viel Cabernet Franc im Blend einsetzt. Hier verschonte der Frost die sehr hoch über dem Tal gelegenen Rebflächen und ermöglichte einen seidenweichen, hoch eleganten, feinen und ausgesprochen harmonischen Wein. Ein großartiger Ausone mit feinster Sauerkirsche für Liebhaber dieses leichten und verführerischen Weinstils. Irgendwie fühlten wir uns an einen klassischen Lafite erinnert.

Das nicht weit entfernte Château Canon präsentierte ebenfalls einen sehr guten Wein aus 2017. Die sehr frühe Ernte des Merlot ab dem 04. September war eine perfekte Entscheidung und so gibt es keinen Ansatz von Verwässerung. Ein seidiger, von feinen Sauerkirschen dominierter Wein mit ausreichend Grip und toller Länge. Noch einen Tick besser gefiel uns der Clos Fourtet, dessen Ertrag vom Frost um 30% reduziert wurde. Durch die Trockenheit blieben die unbeschädigten Trauben klein und konzentriert. Für den Grand Vin wurden nur die besten Trauben aus den Kalkstein-Parzellen direkt um das Château herum verwendet. Eine drastische Selektion reduzierte die Ernte um weitere 10%. Den Wein prägt eine herrliche Frucht mit Saft und sehr eleganten Tanninen mit einem wunderbaren Abgang, lang, fruchtig und sehr fein. Ebenfalls direkt am Rand des Städtchens Saint-Emilion liegt Château Soutard, das zu besuchen nur jedem Weintouristen empfohlen werden kann. 40% der Ernte vernichtete der Frost, darunter die gesamte Ernte an Cabernet Sauvignon. Dennoch ist der Wein von feiner, cremig dichter Textur, saftig und fruchtsüß. Ein sehr guter Soutard mit vielen reifen, schwarzen Waldbeeren und einer verführerischen Länge.


Château Troplong-Mondot wird von den neuen Besitzern komplett renoviert. Dennoch blieb Zeit und Fokus, einen sehr guten Wein in 2017 zu machen.

Hoch oben auf dem Mondot-Hügel liegt Troplong-Mondot, das den ersten Jahrgang unter der neuen Führung nach dem Verkauf des Châteaus vorstellte. Wieder zeigte man einen eindrucksvollen, von Pflaumenaromen geprägten Wein mit präsenten, aber sehr schön integrierten Tanninen. Der Abgang ist betont fruchtig. Schwerpunkt der künftigen Bemühungen soll es sein, den Troplong-Mondot eleganter und zugänglicher zu machen. Damit begegnet man dem Hauptkritikpunkt, der auf eine Überextraktion in manchen Vorjahren hinweist. Nicht weit entfernt liegt Tertre-Rôteboeuf, das wie immer eine spektakuläre Primeurs-Verkostung bot. Schon die gute Laune von François Mitjaville war ein untrüglicher Hinweis auf den sehr guten 2017er Tertre Rôteboeuf. Der Wein ist tiefviolett gefärbt und von kräftigem Körper. Pflaumen dominieren die Fruchtaromen, dazu Tabak. Am Gaumen eine sehr dichte Konsistenz deren Schwere die ausgeprägte Reife der mächtigen Tannine mühelos auflöst. Der Abgang beeindruckt mit einer einzigartigen Kombination von Blumen und frischer Saftigkeit. Sind viele Weine in 2017 eher zu leicht geraten, wird man bei diesem Wein von der schieren Kraft fast überfordert. Eine Querverkostung mit dem 2016er Tertre Rôteboeuf aus dem Fass rückt dann die Verhältnisse wieder zurecht. Dieser Jahrgang deklassiert alle anderen immer weiter.

Schon auf dem Weg in Richtung Pomerol liegt als Nachbar von Cheval Blanc das derzeit zurecht gehypte Château Figeac. Die praktisch perfekten Weine der Jahre 2015 und 2016 eröffneten die Spielräume für größere Investitionen. Direkt nach der Primeurs wird ein neuer Keller nach dem Stand der Technik gebaut. Figeac war von dem Frost in 2017 hart getroffen worden. Der Verlust beträgt etwa 50%, mehrheitlich wieder Cabernet Franc, der im Blend nur noch zu 10% vertreten ist. Ausführlich wird uns die Dramatik der Frostereignisse geschildet, die das Team von Figeac an die Leistungsgrenze brachte. Umso größer ist der Stolz, einen sehr schönen Grand Vin zu präsentieren. Leichte Parfüm- und Blumenaromen mischen sich sehr elegant mit der reifen Frucht. Am Gaumen entwickelt sich ein seidenweicher Figeac von großer Finesse und einem sehr delikaten Abgang. Ein sehr guter Erfolg nach diesem schweren Jahr. Hätte der Wein noch mehr Druck und Dichte, wäre sogar noch mehr drin gewesen.


Château Lafleur konnte Frostschäden gerade noch so verhindern und machte einen sehr feinen, eleganten Lafleur 2017.

Pomerol


Eine Messlatte in Pomerol bilden die Top-Weingüter der weit verzweigten Familie Thienpont. Alexandre Thienpont und sein Sohn Guillaume, der mittlerweile die Führung übernommen hat, schenkten den Gästen einen Vieux Château Certan mit hellvioletter Farbe und einer Nase von schwarzen Beeren, Wiesenblumen und leichten Parfümaromen ins Glas. Ein spürbarer Touch von Camille am Gaumen ergänzt das Aromenspektrum. Ein Finessewein mit samtweicher Textur und guter Reife. Was fehlt ist etwas der Druck und der schwerelose Zug am Gaumen, den die großen VCC-Jahrgänge charakterisieren. Nicht völlig anders schmeckt der Le Pin von Cousin Jacques Thienpont. In der Nase ganz feine, reine Erdbeeren und florale Noten, dem 2014er Le Pin nicht unähnlich. Am Gaumen mittlerer Körper und die typischen Parfüm-Aromen des Le Pin, die sich im zweistufigen und sehr komplexen Abgang verstärken. Ein sehr gut gelungener aber nicht sensationeller Le Pin. Dichter, dunkler und violetter liegt der Château Lafleur 2017 im Glas. Am Gaumen deutlich mehr Druck, dennoch ein Wein von Burgundischem Charakter. Die sehr schöne Säure gibt den Wein Zug, die reifen Tannine einen samtweichen Anstrich. Wieder zeigen sich die in 2017 in Pomerol deutlichen Parfümnoten, Aromen von Blumen und sehr reiner Kirsche. Im Abgang dann noch eine etwas schärfere Säure, die gerade noch von der Fruchtsüße aufgefangen wird. Angesichts der Frost-Problematik, der Lafleur mit 1500 Fackeln im Weinberg und großem Personaleinsatz begegnet ist, ein schöner Lafleur. Ein großer Jahrgang ist das mit Sicherheit nicht. Nicht weit von Lafleur entfernt liegt Château L’Evangile, das zu den Domaines Lafite Baron de Rothschild gehört. Auch hier vernichtete der Frost die halbe Ernte, was zum Totalausfall bei Cabernet Franc führte. Die nur vier Barrique-Fässer Cabernet Franc waren unbrauchbar. Erstmals in der Geschichte dieses Châteaus besteht der Wein aus 100% Merlot. Ja, man könnte sagen, man machte gezwungenermaßen einen Wein wie der Nachbar Pétrus. Mit rund 14,6% Alkohol liegen beide Weine übrigens auch fast gleichauf. Auch der L’Evangile ist burgundisch leicht und wirkt parfümiert. Dennoch ist er ein kraftvoller Wein mit cremig-dichter Textur, seidig und feiner Finesse. Ein super interessanter Wein, fast ein Experiment. Für L’Evangile Fans aber ein sehr ungewöhnlicher und untypischer Wein. Der Frost hat in Pomerol wirklich starke Spuren hinterlassen.

08. April 2018


Das Médoc ist und bleibt das Paradies für Weinliebhaber und der Alptraum des Weintouristen. Die Infrastruktur für Reisende ist eine Katastrophe und daran ändern auch gute Ansätze nichts. Es beginnt bei der chaotischen Verkehrsführung und endet damit, dass es nicht einmal bei McDonalds einen Espresso gibt. Die Gegend außerhalb der Kernappellationen ist verwahrlost und verrottet, man kann nur möglichst schnell durchfahren. Die Gastronomie in der besten Weinregion der Welt ist eine Wüste, in der es ja bekanntlich immerhin selten eine Oase gibt. Eine Hotellerie, die den Namen auch nur entfernt verdient existiert nicht. Und nach Bordeaux ist es über eine Autostunde. Wer es dennoch bis Margaux oder Pauillac schafft ist von blindem Starrsinn geprägt. Wir haben es geschafft, sonst gäbe es diesen Primeurs-Bericht nicht. Aber Spaß macht das keinen und diese Tatsache gehört eben auch zu den großen Weinen, die hier wachsen.

Drinnen, in den palastartigen, mit 6-Sterne Luxus ausgestatteten Châteaus scheint die Welt auf dem Kopf zu stehen. Hier spielt Geld keine Rolle mehr, nichts geht unterhalb dem Level „Perfektion“. Die Châteaus wirken fast wie Fremdkörper, die nicht zu dieser Region gehören.

22. Januar 2018


Der Auftakt für die Primeurs-Kampagne 2017 ist gemacht, als erstes Château lädt Château Figeac zur Verkostung ein. Die Primeur-Woche findet wegen des frühen Osterfests erst nach den Osterferien statt: vom 09. - 13. April. Noch während viele Châteaus und die UGCB die Flaschenabfüllungen des Super-Jahrgangs 2015 rund um den Globus präsentieren, haben die Vorbereitungen für diese wichtigste Veranstaltung in der Weinwelt begonnen. Die 2015er Präsentation markierte auch die letzte Reise von Neal Martin als Bordeaux-Verkoster für Robert Parker. Künftig wird er für Antonio Galloni's Online-Magazin vinous arbeiten. Der Wine Advocate von Parker verliert damit vermutlich weiter an Reputation, da Neal Martin ohne Zweifel als ebenso sicherer Verkoster wie Parker selbst einen großartigen Ruf geniesst.



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Die 164. Edition der Grande Cuvée des Hauses Krug basiert auf dem großen Jahrgang 2008. Insgesamt wurden 127 Grundweine aus 11 Jahrgängen von 1990 bis 2008 verwendet. Frische, Komplexität und Harmonie sind das Ziel der Grande Cuvée. Mit dem großen 2008er Jahrgang als Grundlage gelingt dem Haus Krug ein weiterer legendärer Champagner und für die kommenden Jahrzehnte ein großer Klassiker.

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Nein, ein Geheimtipp sind die tollen Weine von Ca Marcanda in Bolgheri nicht mehr, aber Mainstream sind sie auch noch nicht. Was für ein spektakuläres Potenzial diese Weine besitzen zeigen die älteren Jahrgänge. Aber auch dieser junge 13er ist der Hammer: fantastische Frucht, gepaart mit der Gaja-typischen leichten Würze und einer für diese Dichte unglaublichen Finesse und Leichtigkeit. Dieser Camarcanda ist in jeder Verkostung unter den 10 besten Weinen, egal, wie viele Konkurrenten es gibt.

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Ein sehr fruchtiger, reicher Champagner aus einem warmen Jahrgang, der dennoch frisch und präsent ist. Nach ganzen sieben Jahren Lagerzeit auf der Hefe plus Flaschenreife wurde der Champagner 2015 auf den Markt gebracht. Der 2006er ist schon ein ganz anderes Kaliber als 2005, von der Nase bis zum Abgang ein sehr feiner Dom Pérignon. Im Glas legt er über Stunden beständig zu - ein sehr gutes Zeichen für ein langes Leben.
Besonders auffällig wirkt schon das Design der Verpackung und der Flasche in der exklusiven Björk & Cunningham Edition.

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