Saint Émilion


In St-Émilion ist praktisch alles anders als in den Spitzen-Appellationen des Médoc mit seinen Premiers und den anderen klassifizierten Châteaus. Die Rebfläche ist mit etwas über 5.000 ha kleiner und verteilt sich auf über 1.000 Produzenten. Hieraus auf eine mangelnde Dynamik zu schliessen wäre jedoch völlig falsch, das Gegenteil ist der Fall. Gerade durch das Fehlen großer dominierender Betriebe, Château Figeac ist mit etwa 40 ha der größte Betrieb der Appellation, konnten sich zahlreiche aufstrebende kleine und kleinste Erzeuger etablieren, die sich mit winzigen Produktionsmengen aber exzellenter Qualität schnell den Ruf von "Kult-Weingütern" erarbeitet haben. Für diese Güter hat sich mittlerweile der Begriff "Garagenwinzer" etabliert, der darauf verweist, dass oftmals die gesamte Ernte eines Jahres in eine Garage passt. Diese "Garagenweine" sind allerdings nicht nur sehr rar und teuer, sondern auch Gegenstand erbitterter Auseinandersetzungen von wichtigen Weinkritikern, wie z.B. Robert Parker und Jancis Robinson.


Blick über das Hochplateau auf die kleine, aber weltberühmte Stadt

Anders ist auch die Hauptrebsorte in St-Émilion, hier (und auch in der Zwillings-Appellation Pomerol) ist das Terroir des Merlot und auch des Cabernet Franc. Cabernet Sauvignon wird hier nur sehr wenig angebaut, findet der doch auf den "kalten Böden" des rechten Ufers nicht optimale Bedingungen. Auch die Klassifikation der Güter, 1855 wurden weder aus St-Émilion noch aus Pomerol irgendwelche Güter in die Klassifikation mit einbezogen, funktioniert hier völlig anders: sie wird in Abständen von rund 10 Jahren jeweils überprüft. Und noch ein augenscheinlicher Unterschied: im Gegensatz zum Médoc ist St-Émilion eine absolute Touristen-Hochburg mit rund 1 Million Besucher pro Jahr. Der kleine Ort hat auch einige Superlative zu bieten und wird oftmals als die schönste Ortschaft Frankreichs bezeichnet. Dass dies etwas heißt hat auch die UNESCO erkannt und den gesamten Ort samt Weinbau 1999 unter ihren Schutz gestellt (Weltkulturerbe). Berühmt sind auch die in die Kalkfelsen getriebenen Tunnelsysteme und Schächte, die die gesamte Region über viele Kilometer unterirdisch verbinden. Höhepunkt dieser einmaligen Sehenswürdigkeit ist die Felsenkirche mit einem komplett in den Felsen geschlagenen Kirchenschiff, einem Kirchendach, das als Dorfterrasse dient und aus dem der Kirchturm hoch aufragt. Für Touristen natürlich besonders wichtig: der ganze Ort scheint förmlich nur aus Weinbaubetrieben, Vinotheken und Restaurants bzw. Bars zu bestehen. Alle diese kulinarischen Angebote sind allerdings auf höchsten Niveau und damit ist nicht nur die Qualität sondern auch der Preis gemeint.


Enge, steile Gassen und ein mittelalterliches Ambiente: St-Émilion

Die Appellation läßt sich grundsätzlich in die beiden Regionen des kalkhaltigen Hochplateaus rund um die Stadt St-Émilion mit den Côtes genannten Steilhängen und das langsam abfallende breite Kiesplateau in Richtung Pomerol unterscheiden. Die Spitzengüter verteilen sich auf beide Regionen. So finden sich auf dem Kiesplateau nahe Pomerol die Châteaus Cheval Blanc und Figeac, während in unmittelbarer Stadnähe Ausone, die Pavie-Güter und weitere hoch klassifizierte Güter (Clos Foutet, Beausejour, Canon) liegen. Auch Angelus befindet sich im Bereich der Côtes. Das besondere Merkmal hier ist der Kalkfelsen, in den sich nicht nur die Rebwurzeln hineinbohren können, sondern die auch der Mensch zur Gewinnung von Baumeterialien über Jahrhunderte systematisch ausgehöhlt hat.