Bordeaux Jahrgang 2019


Jahrgangsbewertung 5 Sterne von 5

2019 - the unknown vintage

Der Wetterverlauf in 2019


Die sehr hohe Qualität der 9er Jahrgänge hat in Bordeaux Tradition. Highlights sind sicher 1949, 1959, 1989, 2009 und jetzt 2019. Und wie viele große Jahrgänge war auch 2019 klimatisch für die Winzer herausfordernd. Am Ende aber war der lange Sommer sehr heiß und trocken, gefolgt von einem kühleren September mit etwas Feuchtigkeit, der eine ungestörte Ausreifung der Trauben und eine Ernte bei sehr guten Bedingungen erlaubte.

So positiv sah es zunächst aber nicht aus. Der milde Winter war über Monate von viel Regen geprägt, erst im Februar wurde es trockener. Von der Knospung im April bis zur Blüte im Juni kamen Regen und Abkühlungen aber wieder zurück. Die Blüte im Juni war daher nicht optimal und unregelmäßig mit Auswirkungen auf die Entwicklung der Beeren, von denen viele relativ klein blieben. Dafür trugen aber gerade diese Beeren zur Aromenkonzentration und durch die hohe Säure auch zur Frische der Weine wesentlich bei. Weitere größere Desaster wie später Frost oder hoher Feuchtedruck blieben in 2019 glücklicherweise aus.

Ab Ende Juni schaltete das Wetter dann für ganze drei Monate auf heißes und trockenes Sommerwetter um. Ein heftiger Regenschauer Ende Juli war für die Rebstöcke eher ein Segen als ein Problem. Die vielen Sonnenstunden mit nächtlichen Abkühlungen im wolkenlosen Himmel waren geradezu ideal für die Trauben. Ab September kehrte Abkühlung ein und gelegentliche kleinere Niederschläge milderten den Trockenstress. Kein Ansatz von Mehltau und beste Wetterbedingungen für eine ungestörte Ernte bis weit in den September komplettierten einen quasi perfekten Sommer.

Kleine Beeren mit hoher Konzentration der Inhaltsstoffe, die in endlosen Sonnenstunden ausreifen und sich nachts erholen konnten mit etwas Regen im richtigen Moment bilden die Grundlage für einen weiteren ganz großen Jahrgang. Dazu kam noch ein sehr auskömmlicher Ernteertrag, der die Verluste des Frostjahres 2017 wieder kompensierte. Praktisch alle Appellationen in Bordeaux hatten vergleichbare Bedingungen. Sowohl Merlot als auch Cabernet Sauvignon zeigten herausragende Qualitäten.

Primeur-Verkostungen pandemiebedingt abgesagt


Auch die Primeur-Verkostungen des Jahrgangs 2019 wurden ein Opfer des Corona-Virus. Sehr lange hat die Union des Grands Crus de Bordeaux mit der Absage gewartet, auch als die französische Regierung schon Veranstaltungen mit über 1.000 Menschen verboten hatte. Doch dann wurde der Druck zu groß und am 12. März 2020 erfolgte die Absage des Großereignisses. Schon im Vorfeld kamen Absagen von prominenten Weinkritikern und wichtigen Importeuren. Frühe Hinweise auf die Qualitäten der Weine blieben daher aus.

Neben dem Stillstand des öffentlichen Lebens in Europa und vielen anderen vom Virus betroffenen Regionen in der Welt trifft die französische Weinbranche auch der Zoll von 25% in den wichtigen amerikanischen Markt. China abgeriegelt, keine Verbraucher, keine Bewertungen und keine Händler, der Zoll in die USA und der Brexit und nun auch noch der verlorene Aufwand der Primeurs, 2020 bietet den Set Up für ein Horrorjahr auch für die Weinbranche.

Wie, wann und zu welchen Kondition wird der Jahrgang 2019 wohl den Kunden angeboten werden? Wird das Primeur-System mit der Subskription diese Absage überstehen?

Überblick über die Primeur-Kampagne 2019


Hier ein kleiner Überblick über die Primeur-Kampagne, die fast vollständig im Juni 2020 erfolgte. Zuvor hatte man den für den Markt wichtigsten Verkostern Musterflaschen in die Home Offices zugesandt, was insbesondere in die USA und nach Asien eine logistische Herausforderung darstellte. Es folgten zudem einige Web-Interviews über Social Media Kanäle, ein Tasting konnte das aber nicht ersetzen. Vor allen die klassifizierten Châteaus sträubten sich lange gegen einen Versand von Musterflaschen, konnten aber dem Druck im Markt nicht standhalten. Dennoch fehlten einige sehr wichtige, marktbestimmende Verkoster, die kein irreguläres Urteil fällen wollten.

Verfolgen Sie die wichtigsten Releases, sortiert nach dem aktuellsten Datum.
Alle Preise verstehen sich ab Bordeaux ex Negoçiant und ohne Mehrwertsteuer.

14. Juni 2020


Die erste Juni-Hälfte war in Bezug auf die Primeur-Kampagne sehr spannend. Viele bedeutende Châteaus preschten mit deutlichen Preisreduktionen vor. Klar wurde, dass die Produzenten die 25% Zoll in die USA selbst übernehmen, Preisnachlässe in dieser Größenordnung waren praktisch Standard. Gleichzeitig heizte ein attraktiver Preis für einen offensichtlich sehr guten Jahrgang die Nachfrage an. Viele große Weine gab es zu Preisen, die man zuletzt in 2008 gesehen hatte. Es war die einzige Chance, in diesen Rahmenbedingungen mit Zöllen, Brexit und schwerer Rezession mit offenem Ausgang überhaupt signifikante Mengen zu verkaufen.

- La Mission Haut Brion (Pessac) 180.- € (-29%)
- Haut Brion (Pessac) 282.- € (-31%)
- Mouton Rothschild (Pauillac) 282.- € (-31%)
- Cheval Blanc (St. Émilion) 370.- € (-30%)
- Lafite Rothschild (Pauillac) 396.- € (-16%)
- Cos d'Estournel (St. Estèphe) 110.- € (-24%)
- Calon Ségur (St. Estèphe) 62,40 € (-13%)
- Palmer (Margaux) 161.- € (-33%)
- Lynch Bages (Pauillac) 66.- € (-27%)
- Lafleur (Pomerol) 505.- € (0%)
- Angélus (St. Émilion) 230.- € (-9%)
- Pavie (St. Émilion) 240.- € (-15%)
- Valandraud (St. Émilion) 90.- € (-30%)
- L'Évangile (Pomerol) 135.- € (-25%)


30. Mai 2020


Ende Mai prescht Château Pontet Canet vor und bringt seinen Wein für 58.- € ex Negoçiant auf den Markt ohne Referenz durch die wichtigsten Verkoster. Bemerkenswert ist die Preisreduktion von 30% bezogen auf 2018 und zurück auf das Niveau von 2008. Damit nimmt man für den amerikanischen Markt den Druck durch den Sonderzoll von 25% und macht den Wein trotz Coronakrise im Preis sehr attraktiv. Eine echte Ansage an die übrigen Châteaus.

- Pontet Canet (Pauillac) 58.- € (-30%)


2 Weinreviews
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Domaine Amiot-Servelle
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Der Charmes-Chambertin ist ein mächtiger Burgunder mit fast ölig-dichter Konsistenz, der im Glas mindestens zwei Stunden benötigt, um sich wenigstens etwas zu öffnen. Dann aber zeigt er feine Kirscharomen und einen Hauch von Schokolade. Sehr gute Balance mit exzellenter Säure. Ein Wein für sehr lange Lagerung, dafür aber riesigem Potenzial für die Zukunft. Mit dieser Kraft und Frucht fast ein untypischer Burgunder.

199,00 €

0,750 l (265,33 €/l)


Champagne Veuve Clicquot
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Ein großer Rosé-Champagner, der durch seine Balance aus Säure und Frucht beeindruckt. Wunderbar eingebundene Tannine und ein langes, durch die frische Säure dominiertes Finale zeugen von einem außergewöhnlich sonnenverwöhnten Sommer. Etwa zwei Drittel Pinot Noir verleihen dem 90er Rosé, der im März 2011 degorgiert wurde, Volumen und eine außergewöhnliche Delikatesse.

269,00 €

0,750 l (358,67 €/l)


Domaine Amiot-Servelle
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Der warme Jahrgang 2015 zeigt sich im Les Charmes sehr deutlich. Intensive schwarze Kirschen mit viel Gewicht und Dichte dominieren diesen Wein. Die intensive Frucht wird von der Säure gut eingebunden. Ein großer Jahrgang, aber völlig anders als der Finesse-Jahrgang 2014.

89,00 €

0,750 l (118,67 €/l)