Weinland USA - Alles wurde möglich


Der Weinbau in den USA hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich. Obwohl die Siedler schon früh Weinstöcke anpflanzten war Alkoholkonsum in den USA nie gesellschaftlich akzeptiert. Trotzdem (oder gerade deswegen) kam es im frühen 20. Jahrhundert zu Exzessen, die 1919 zur Prohibition, dem Verbot von Alkohol, führte. Dieses Verbot versetzte dem amerikanischen Weinbau einen entscheidenden Schlag, die meisten Weingärten wurden gerodet.

Auch nach dem Aufheben der Prohibition 1933 begann der Anbau von Wein wegen der Wirtschaftskrise und dem 2. Weltkrieg nur sehr langsam. Erst in den 70er Jahren setzte ein neuerlicher Boom ein. Obwohl sich der Weinanbau auf Kalifornien konzentriert (70 % des Weins stammen aus Kalifornien), gibt es heute einige Staaten mit nennenswertem Weinanbau (Oregon, Washington, Michigan, New York, Ohio, Pennsylvania, Virginia, West Virginia, Texas und andere). Mit über 17 Mio. hl sind die USA heute ein sehr bedeutendes Weinanbauland.



1976 war dann wieder ein Wendepunkt gekommen: in einer legendären Blindverkostung in Paris gewann ein kalifornischer Cabernet Sauvignon von Stags Leap gegen einen französischen Château Lafite Rothschild. Dies war der Startpunkt eines beispiellosen Aufstiegs der kalifornischen Weine bis an die Weltspitze. Die Bodenpreise im Nappa Valley explodierten, Wein wurde zum "big business", der Cabernet zum Kultobjekt. Angelockt von diesem Erfolg begannen auch europäische Güter, in Kalifornien zu investieren. Berühmtestes Beispiel ist Opus One, ein Gemeinschaftsunternehmen von Mondavi und Rothschild (Mouton).

Heute sind die USA fest im Weingeschäft etabliert, als Produzent von Massen- und Qualitätsware, als globaler Investor (z.B. Mondavi), als mit Abstand bedeutendster Auktionsmarkt und auch als Meinungsführer des globalen Geschmacks (Parker, Wine Spectator). Und dennoch darf man in den USA auch heute noch nicht überall Wein kaufen, in einigen Staaten darf man sich auch keinen Wein lieferen lassen (d.h. kein Kauf über Internet). Auch Direktlieferungen aus Weingütern sind teilweise streng limitiert. Zudem ist Weinkonsum außerhalb der Metropolen allenfalls am Abend politisch korrekt und dann vor allem auch sehr teuer. Es ist eben alles ein wenig anders ...