Weinbauregion Pfalz


Entlang des linken Rheinufers zwischen in etwa Worms im Norden und Karlsruhe im Süden spannt sich über eine Länge von rund 80 km die Pfalz als zweitgrößtes deutsches Weinanbaugebiet auf. Die "Deutsche Weinstrasse" führt mitten durch diese "Ferienregion" von Nord nach Süd, der Reisende passiert dabei ein Meer von Rebflächen, die von den Osthängen des Haardt, dem östlichen Rand des Pfälzer Waldes, bis weit in die Rheinebene reichen. Die Stadt Neustadt an der Weinstrasse trennt den nördlichen Bereich des Mittelhaardt von der südlichen Weinstrasse. Die besten Weinbergslagen befinden sich dabei in dem nördlicheren Teil rund um die Weinorte Deidesheim, Forst und Wachenheim. Besonders Deidesheim ist ein Magnet des Weintourismus in Deutschland. Der schmucke Ort beherbergt nicht nur einige der besten und berühmtesten Weinproduzenten Deutschlands sondern verfügt auch über eine breite und teils hochklassige Gastronomie und Hotellerie.

Die nackten Zahlen weisen laut dem Weinatlas Deutschland 25 Groß- und 322 Einzellagen aus, die Gesamtfläche unter Reben beträgt beachtliche 23.500 ha. Hier wächst etwa ein Viertel des in Deutschland produzierten Weins. Bis in die Mitte der 1980er Jahre stand die Pfalz aber leider eben auch für die sehr bescheidene Qualität seiner Weine. Alleine einige wenige Produzenten mit Toplagen in Deidesheim, Forst und Wachenheim konnten hier etwas gegenhalten. Seit dieser Zeit setzen vor allem die qualitätsorientierten Winzer wieder auf den lange vernachlässigten Riesling und bauen diesen trocken, fruchtig und elegant aus. Namen wie Müller-Catoir und Hansjörg Rebholz (Südl. Weinstrasse!) sind hier ebenso zu nennen wie die großen und traditionsreichen Namen Dr. Bassermann-Jorden, Reichsrat von Buhl oder Bürklin-Wolf ("die drei großen B") sowie einige andere.


Blick über die Deidesheimer Paradelagen bis in die Rheinebene in Richtung Mannheim.

Die Einzellagen im südlichen Mittelhaardt mit dem größten Renommee sind in Forst das Kirchenstück, der Jesuitengarten und Ungeheuer, in Deidesheim der Hohenmorgen, in Königsbach der Ölberg, Idig und der Mandelgarten in Gimmeldingen sowie der Haardter Bürgergarten. Die Rieslinge der Topproduzenten aus dem Kirchenstück, Jesuitengarten oder Ungeheur erzielen die höchsten Preise in der Pfalz. In der Unterhaardt, nördlich von Bad Dürkheim stechen lediglich der Kallstädter Saumagen und der Herrenberg bei Ungstein hervor. Im noch weiter nördlich gelegenen Laumersheim brillieren die Rotweine des Hauses Knipser, ein weiterer Leuchtturm der Pfalz.

Die jüngere Geschichte des Weinbaus in der Pfalz wurde aber auch maßgeblich durch die Initiative eines einzigen Mannes beeinflusst: dem Neustädter Unternehmer und Weinliebhaber Achim Niederberger. Der bekannte Weinsammler begann Anfang der 2000er Jahre, die großen und berühmten Deidesheimer Weingüter zu kaufen. Mittlerweile ist sein Portfolio auf die drei Weingüter Dr. von Bassermann-Jordan, Reichsrat von Buhl und Dr. Deinhard/von Winning angewachsen. Zudem investierte er erhebliche Summen in die gehobene lokale Hotellerie und Spitzengastronomie. Durch seine Investitionen in Weinberge und Keller konnten die Qualität und das Renommee der Weine erheblich gesteigert werden. Gemeinsam produzieren diese drei Weingüter jährlich etwa 1,2 Mio. Flaschen Wein. Zu seiner Unternehmensgruppe gehört übrigens auch der Kochbuchverlag Umschau. 2013 verstarb Achim Niederberger im Alter von nur 56 Jahren.


Die Namen der großen Pfälzer Lagen zieren die Verkostungstheke im Weingut von Winning