Elsass


In der wechselvollen Geschichte des Elsass war der Weinbau seit vielen Generationen eher immer eine Konstante, wenn auch die Qualitätsorientierung schwankte. Da die Konkurrenz im französischen Weinbau fast grenzenlos war, mußte das Elsass besonders hart um seine Reputation kämfen. 1962 erst wurde der Region der AOC-Status zugebilligt. An der direkten Grenze zu Deutschland prallen zudem die Welten der Sortenreinheit und der Terriorprägung aufeinander. So wurden die Lagen erst ab Anfang der 1980er Jahre nach dem klassischen Grand Cru System klassifiziert, dieser Prozeß dauerte bis in die 1990er Jahre.

Eines ist jedoch unbestritten: die Weinregion des Elsass ist eines der landschaftlich schönsten Weinbaugebiete der Welt und schmiegt sich an die Ostausläufer der Vogesen, die ins Rheintal hinabfallen. Kultur und Genuß aus Keller und Küche werden hier auf höchstem Niveau gepflegt. Die typischen kleinen Fachwerkhäuser bilden den malerischen Rahmen für noch intakte Bilderbuchdörfer, die zu den schönsten Ortschaften in ganz Frankreich gehören.



Geologisch ist der schmale Landstreifen entlang des Rheinflusses ein sehr komplexes Gebilde. Als besonders hinderlich für den Aufbau einer weithin bekannten Reputation erwies sich die starke Zersplitterung des Weinbergsbesitzes und der hohe Anteil an Genossenschaften. Dennoch schafften einige Domainen den Aufstieg in den Olymp des Weinhimmerls, z.B. die Domänen Trimbach, Marcel Deiss, Zind-Humbrecht oder Weinbach. Eine besonders hohe Terriorprägung und große Leidenschaft für biodynamische Verfahren zeichnen die Spitzenbetriebe aus. An der Grand Cru Klassifizierung orientieren sie sich weniger, mit guten Gründen, sind diese Zuordnungen doch im Einzelfall sehr zweifelhaft erfolgt, die Qualitätskontrollen nicht ausreichend. Die Top-Betriebe setzen daher viel mehr auf ihre eigenen Marken und spezielle Cuvées, die das Terrior herausarbeiten.

Dennoch sind immer noch rund 80 % der Produktion sortenreine Weine aus der Pinot Familie, Riesling, Gewürztraminer, Muscat, Sylvaner, Chasselas und Auxerrois. Obwohl nur eine AOC benötigt die vielfältige Weinregion aus verschiedensten Böden und Terroirs eben auch eine große Rebenvielfalt. Dieser Reinsortigkeit stehen Produzenten wie Marcel Deiss entgegen, die eine Verarmung an Sortenvielfalt beklagen, die das Herausarbeiten des wahren Terroircharakters unmöglich machen. Auf seiner Grand Cru Lage Altenberg de Bergheim pflegt er neben Riesling, Gewürztraminer und Grauburgunder noch andere Rebsorten.


Die berühmte Grand Cru Lage Altenberg de Bergheim

Der aber wohl berühmteste Wein des Elsass wächst in Hunawihr zwischen Ribeauvillé und Riquewihr auf der nur 1,25 ha großen Parzelle Clos Sainte Hune der sehr alten, bereits 1483 erstmals erwähnten Grand Cru Lage Rosacker. Die Lage ist im Alleinbesitz (Monopollage) der Domaine Trimbach und vollständig mit Riesling bestockt. Sagenhaft sind die ausgeprägte Mineralität und verblüffende Lagerfähigkeit dieser gesuchten Weine.