Domaine Jacques-Frédéric Mugnier

CHÂTEAU DE CHAMBOLLE-MUSIGNY
F-21220 Chambolle-Musigny

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Wie so oft war es eine Krise, die für die Familie Mugnier Ende des 19. Jahrhunderts die Chance eröffnete, im Herzen des Burgunds Spitzenlagen zu erwerben. Diese Gelegenheit konnte sich Francois Mugnier, der in Dijon ein erfolgreiches Geschäft mit Absinth und Likören betrieb, nicht entgehen lassen. Auf dem Höhepunkt der Reblaus-Krise in den 1880er Jahren kaufte er der Familie Marey-Monge bedeutende Parzellen in Chambolle, wie es damals noch hieß, ab. 1899 kam dann noch das stattliche Gebäude des Château de Chambolle-Musigny in der Ortsmitte hinzu. 1902 erweiterte er durch den Zukauf der Monopollage Clos de la Maréchale in Nuit-Saint-Georges die Rebfläche auf 14 ha. Seit dieser Zeit ist das Weingut durchgehend in Familienhand und wird heute von Frédéric Mugnier (geb. 1955) geleitet. Der Name des Weinguts bezieht sich auf seinen Vater, Jacques-Frédéric Mugnier, der als erfolgreicher Banker kein Interesse an Spirituosen und Wein hatte. Er verkaufte die Aktivitäten in Dijon und verpachtete das Land von 1950 bis 1977 an Faiveley. Die Rücknahme der Pacht stellte sich als sehr kompliziert und langwierig heraus und erforderte Kompromisse, u.a. den Verlust einer wertvollen Parzelle im Clos de Vougeot. Letztlich konnte der gesamte Besitz erst 2004 mit der Rücknahme des Clos de la Maréchale abgeschlossen werden. Frédéric Mugnier beeilt sich aber zu betonen, dass die Weinberge nach der Pacht in besserem Zustand waren als davor, der Pächter also sehr gut gearbeitet hatte.

Frédéric Mugnier selbst ist Quereinsteiger in die Weinbranche. Als gelernter Ingenieur (Erdölexploration) und Pilot war er international viel unterwegs, auch für längere Einsätze. 1985 schließlich kehrte er nach Chambolle-Musigny zurück und übernahm eine aktive Rolle im Weingut. Mit seinem ersten Jahrgang, den 1985er, ist er heute noch sehr zufrieden - kein Wunder. Er belegte Önologie an der Universität in Dijon und sicherte sich als Pilot einen ausreichenden Nebenverdienst. Mit einer Reihe von guten Jahrgängen und verbessertem Verständnis für Weinbau kam auch der wirtschaftliche Erfolg in die Region. Neue, kaufkräftige Käuferschichten konnten erschlossen werden. Lag der Besitz zu Anfang nur bei rund 4,5 ha, erweiterte sich die Rebfläche mit der Rücknahme des Clos de la Maréchale im Jahr 2004 schlagartig auf 14 ha. Frédéric Mugnier baute unter dem Vorplatz des Château einen modernen Keller und erhöhte die Mitarbeiterzahl auf sieben Personen. Das Weingut Mugnier ist kein Hightech Betrieb, sondern ein klassischer Familienbetrieb, der sich der möglichst schonenden Behandlung der Weine verschrieben hat.


Direkt unter dem Château de Chambolle-Musigny liegt dieser großartige Barriquekeller, der die Weinschätze des Hauses aufbewahrt.

Frédéric Mugnier sieht sich als Verwalter des Terroirs, versucht den Einfluss des Winzers so weit wie möglich zu reduzieren. Die Strukturen im Burgund seien noch bäuerlich geprägt, hier gäbe es noch echte vignerons, keine hierarchischen Strukturen angestellter Kellermeister und Verantwortlicher für die Weinberge. 1978 seit der Wendepunkt im Burgund gewesen, hin zu mehr wirtschaftlichem Erfolg, erzählt er. Mit der steigenden Qualität und gleichzeitigen Nachfrage auch aus dem Ausland haben sich Spielräume für Investitionen in die Weinberge und Keller ergeben. Dennoch spricht er sich vehement dagegen aus, dass seine Weine als Luxusprodukte betrachtet werden und investiert bewusst nicht in die Optik seines Betriebes. Er mache Weine zum Trinken, nicht zum Lagern und Spekulieren. Dennoch würden sie von einer Lagerung von etwa 10 Jahren profitieren. Wenn die Weine dann nicht gut wären, hätte er etwas falsch gemacht, ergänzt er. Welche seiner Weine denn momentan auf dem Höhepunkt seien? 1937 antwortet er, auch der 1945er wäre jetzt sehr gut und dann nennt er wieder den 1985er, seinen ersten Jahrgang.

Auf dem Weg in den Keller drückt uns Frédéric Mugnier ein Probeglas in die Hand. Nach der Rücknahme des Clos de la Maréchale im Jahr 2004 wurde die Erntemenge quasi über Nacht verdreifacht. Ein neuer Keller musste errichtet werden und fand unter der Rasenfläche vor dem Château Platz. Dieser neue Keller ist ein Zweckbau aus Beton, genau so wie die Halle mit den Fermentationsbottichen aus Holz - alles ist einfach und funktional. Dann geht es quer hinüber in den alten Keller direkt unter dem Château, eine merkliche Kühle empfängt den Besucher dieses fast schwarzen Steinkellers. In zwei Lagen sind die Barriquefässer gestapelt, hier lagert die gesamte Ernte der Chambolle-Musigny Lagen. Manche Fässer tragen berühmte Namen wie Bonnes Mares, Amoureuses und natürlich Musigny. Hier ist alles echt, kein Stararchitekt hat hier Glas oder Stahl verbaut.


Die gesamte Ernte des Amoureuses 2013 - unfassbar!

Mit der Pipette zieht Frédéric Mugnier Wein um Wein aus den Barriques und schenkt zum Verkosten ein. Die wenigen Tropfen sind so kostbar, dass er seine eigenen Reste wieder zurück in die Barriques schüttet. Der Clos de la Maréchale und der Bonnes Mares sind tiefrot gefärbte, intensive und dichte Weine. Ganz anders die anderen Weine aus dem südlichen Teil von Chambolle-Musigny. Schon der Village ist hellrot und verströmt ein feines Bukett nach roten Früchten. Delikat, samtweich und in unglaublicher Balance verteilt er seine Aromen im Mund. Dann der Amoureuses, ein Traum von einem Wein. Fast schwerelos tanzt er zuerst in der Nase und dann am Gaumen, fordert die volle Konzentration auf die vielschichtigen Aromen. Die helle Farbe hat getäuscht, das ist kein Leichtgewicht! Im langen Finale ohne jegliche Ecken und Kanten wiederholen sich alle Eindrücke und verstärken sich noch einmal. Dieser Wein erinnert an einen Le Pin aus Pomerol. Kann es noch eine Steigerung geben? Ja und Nein. Der Musigny, die berühmteste Lage in Chambolle, wirkt dichter, noch intensiver und kompakter, wie aus einem Block, als der Amoureuses. Um seine volle Blüte zu erreichen sind wohl einige Jahre Lagerung nötig, jung aus dem Fass wirkt der Amoureuses noch betörender.

Ein Blick auf die Barriquefässer zeigt, wie exklusiv diese grandiosen Weine sind: für den Jahgang 2013 gibt es genau 5 Fässer Amoureuses und wenig mehr Musigny. Natürlich war in diesem Jahr die Menge extrem gering, normalerweise füllt Frédéric Mugnier etwa 2.000 Flaschen Amoureuses und 5.000 Flaschen Musigny ab. Im Geist zählt man die Fässer ab: eines für Asien, eines für die USA und je eines für Europa und Frankreich? Ob sich Frédéric Mugnier eines zurückbehält? Kein Wunder, dass man die Flaschen praktisch nie irgendwo sieht und sich die Sammler in aller Welt um einzelne Flaschen schlagen. Mehr als drei Flaschen pro Kiste gibt es sowieso nicht, Magnums oder andere Großformate von den drei Spitzenlagen auch nicht.


Bei einer Fassprobe im Keller von Frédéric Mugnier lösen sich Raum und Zeit auf.

Frédéric Mugnier führt das Weingut, das auf dem Höhepunkt seines Ruhm ist, nunmehr in fünfter Generation. Wird es in der Familie bleiben? Er zuckt mit den Achseln und betont, er plane nicht, in naher Zukunft aufzuhören. Für alle Burgunderfreaks eine beruhigende Nachricht.