Monteverro

Monteverro S.r.l. Soc. Agr.
Strada Aurelia Capalbio 11
I-58011 Capalbio (GR)
Italien

www.monteverro.com

Wegbeschreibung:
Monteverro liegt ca. 4 km unterhalb von Capalbio (Grosseto).

Über Monteverro


Eine Infektion mit dem Weinvirus ist eine ebenso gefährliche wie zumeist unheilbare "Krankheit". Ihr Verlauf ist relativ gut vorhersehbar, nur die Schwere variiert. Das hängt auch von der Konstitution und damit der Widerstandskraft des Befallenen gegen den Virus ab. Die Konstitution von Georg Weber macht keinen schlechten Eindruck und dennoch hat der Virus bei ihm ein selten erreichtes, fast finales Stadium erreicht: Georg Weber hat ein eigenes Weingut gegründet. Und zwar ein großes und eines mit extrem hohem Anspruch. Es gibt aber keinerlei Grund zur Besorgnis, denn der Patient macht einen hoch zufriedenen und ausgeglichenen Eindruck, denn er weiß, dass alles gut gegangen ist.

Bilderbuch-Toskana mit Rebzeilen, die perfekt zum Meer hin ausgerichtet sind. In der Mitte die Rebfläche für den Tinata, eine Cuvée aus Syrah und Grenache.

Es kam, wie es kommen musste: ein, zwei großartige Flaschen Wein und schon sucht man die Wiederholung des Trinkerlebnisses, von dessen Existenz man vorher nicht einmal etwas geahnt hatte. Georg Weber probiert sich nicht nur durch die Weinwelt, er begibt sich auch auf intensive Besuchstouren zu den besten Weingütern auf der Welt. Er liest viel und diskutiert mit den besten Experten noch mehr. Das Ziel, ein eigenes Spitzenweingut zu besitzen war nicht schwer zu definieren, es umzusetzen schon. Georg Weber reiste und diskutierte noch mehr, war vor allem sehr oft im Napa Valley. Er sagt, er kenne dort von den 50 besten Betrieben alle Keller. Gelegenheiten zum Kauf gab des hier und da sicherlich, nicht nur in den USA, aber irgendetwas passte immer nicht, waren gewachsene Strukturen hinderlich für sein Vorhaben, absolut kompromisslos von allem das Beste haben zu wollen. So sollte es dann eben eine Neugründung sein, möglichst nicht zu weit von seinem Wohnort an der Donau entfernt. Georg Weber hat nämlich noch einen weiteren Beruf, der ihn unter der Woche mehr als ausfüllt.

Die steinige, rote Erde unterhalb des Bergdorfes Capalbio (im Bild oben) ist sehr mineralreich und perfekt für die französischen Rebsorten geeignet. Das optimale Mikroklima begünstig den Weinanbau zusätzlich.

2003 war es dann soweit. Georg Weber, der sich viel in der Boomregion Wein-Italiens, Bolgheri, umgesehen hatte, wurde auf ein Areal zwei Autostunden weiter südlich, in der Maremma, ganz an der Grenze der Toskana zu Latium, fündig. Am Fuße des Bergdorfes Capalbio standen 50 ha Ackerland gerade am untersten Ausläufer der Hügel und dem Übergang in die Ebene zum nahen Meer zu verkaufen. Mit der für ihn typischen systematischen Gründlichkeit prüfte er alle Aspekte dieses Landes, das zwar von Reben umgeben, aber anderweitig landwirtschaftlich genutzt wurde. Und je länger er prüfte, umso erfreulicher zeigten sich die Resultate: das für Weinbau praktisch optimale Mikroklima der Küstenregion der Maremma mit trockenen, warmen Tagen, frischen Winden von Meer kommend und deutlich abgekühlten Nächten. Dazu ein dunkelrot gefärbter, sehr mineralreicher Boden mit harten Gesteinsbrocken durchsetzt, Intensive Bodenuntersuchungen durch Claude und Lydia Bourguignon, sie gelten als die besten Spezialisten der Welt, führten zu einer präzisen Clusterung der unterschiedlich kalkreichen, steinigen, sandigen und lehmigen Böden.

Georg Weber prüft die Reife des Chardonnay. In wenigen Tagen wird das Team mit der Lese beginnen.

Bis zum Erwerb und Erhalt aller notwendigen Genehmigungen auch für die entsprechenden Gebäude war es noch ein schwieriger Weg, den Georg Weber aber mit viel Geduld bewältigen konnte. Ein "wenn ich am Anfang gewusst hätte..." kommt ihm aber schon über die Lippen. Der Blick über die wunderbare Reblandschaft, ein Drehen des Kopfes, um die Nase in die frischen Winde vom Meer zu halten und sein zufriedenes Lächeln kehrt zurück. Die Reben ziehen sich über drei kleine Hügel in Richtung Südwesten zur Meerseite. Die Stöcke wurden perfekt und mit Hilfe eines Lasers ausgerichtet. Eine kleine Parzelle war wegen einer Unachtsamkeit nicht optimal ausgerichtet und wurde tatsächlich noch einmal neu gepflanzt. Neben den klassischen Bordelaiser Rebsorten finden sich aber auch kleinere Parzellen, in denen Neues ausprobiert wird.

Für die Region sehr untypisch experimentiert Georg Weber am unteren Rand des Grundstücks mit Chardonnay, nachdem die Analysen ein exzellentes Terroir hierfür ergeben haben. "Warum sollte man in dieser Region nicht einen Weltklasse Chardonnay machen? Im Napa Valley geht das doch auch!" Stimmt. Und wenn man die ersten Proben verkostet, ist man regelrecht perplex, wie gut dieser Wein heute schon ist. Etwas weiter oben schließen sich 2 ha Syrah und als große Besonderheit Grenache, die in Italien praktisch unbekannt ist, an. Aus diesen beiden Sorten entsteht ein erstklassiger Rhà´neblend mit dem Namen Tinata (eine Anlehnung an den Vornamen seiner Mutter). Interessant ist auch, dass es auf Monteverro zudem einen Vermentino gibt, letztlich doch eine Geste des Respekts vor den italienischen Rebsorten. Von der Grundstücksfläche sind nun 29 ha unter Reben, das ist das Maximum, das hier möglich ist. Aber noch nicht alle Parzellen sind "produktiv", da sie teilweise noch sehr jung sind. Dafür gibt es weitere Optionen in der näheren Umgebung zur Erweiterung, die ständig geprüft werden.

Jedem, der die Schnauze des Ebers am Eingang des Weinguts reibt, dem bringt er Glück.

Von einem gusseisernen Eber (eine Replik aus Florenz und Geschenk des Vaters von Georg Weber) Glück bringend bewacht liegt das Wirtschaftsgebäude des Weinguts. Es gleicht einem 12 Zylindermotor eines schwäbischen Automobilherstellers: versteckt unter der Haube, schön, aber nicht übertrieben im Design, dafür technisch eine Meisterleistung. Alles an und in diesem Gebäude ist Stand der Technik, vereint die Ideen und Technologien vieler führender Weinproduzenten auf dieser Welt. Die Trauben werden hier behandelt wie kostbare Fabergé Eier, passieren einen Kühltunnel und nach einem ausgeklügelten System diverse Sortierbänder. Über einen High Tech Crusher kommen die Trauben in einen mobilen Edelstahlbehälter und werden so schonend wie möglich zu den Fermentationstanks gebracht. Spontanvergärung ohne Hefezusatz ist selbstverständlich, die Fermentationstemperatur wird immer unter 29 Grad gehalten. Die gesamte Fermentationshalle gleicht einem pharmazeutischen Betrieb. Es ist insbesondere die Wirkungsstätte von Michael Vögele, der vor Ort die Geschäfte von Monteverro leitet. Der Quereinsteiger ins Weinbusiness hat einen Background als Maschinenbauer und ist ein echter schwäbischer Tüftler mit, wie Georg Weber, Hang zum Perfektionismus. Das gesamte Gebäude wurde, um einen entsprechend hohen Qualitätsstandard zu garantieren, von Südtiroler Handwerkern gebaut. Das Ziel des Teams ist es, von der Traube bis in die Flasche nichts an Qualitätseinbußen hinzunehmen.

Der Barrique-Keller ist schlicht aber richtig spektakulär. Vom Verkostungsraum hat man durch eine große Panoramascheibe einen guten Blick auf die Fässer.

Mit der ausgeprägten technischen Nüchternheit kontrastiert der Barriquekeller, der schlicht spektakulär ist. Gebaut in den Berg hinein ist er dank seiner enormen Größe für kommende Wachstumsphasen gerüstet. An der hinteren Wand prangt eine großes "M", das Logo von Monteverro. Die schwarzen Säulen strukturieren den in hellem Braun gehaltenen kubischen Raumkörper. Das ist deutsche Ingenieurskunst: schlicht, rechteckig, symmetrisch, funktionell und auf jeden Fall groß genug. Eine Melange aus Bauhaus und Toskana, man braucht einen Moment, um das aufzunehmen. Von oben, aus dem Verkostungsraum, hat man durch eine Panoramascheibe einen faszinierenden Blick auf die Fässer. Man fragt sich, ob hier der gesamte Wein der Toskana hinein passen würde?

Monteverro (auf Deutsch "Berg der Wildschweine") produziert eine ganze Reihe von Weinen. Da ist neben dem frischen, fruchtigen und unkomplizierten Vermentino vor allem der Chardonnay, heute schon eine Klasse für sich. Groß, konzentriert und mit ausgeprägt mineralischer Stilistik und mit fast unendlich langem Abgang. Der Chardonnay wird zur Hälfte im Barrique und zur Hälfte im Beton ausgebaut und anschließend wieder zusammen geführt. Dadurch wirkt der Holzeinsatz ganz dezent und bleibt im Hintergrund. In der Konsistenz ist das fast Olivenöl mit Weintrauben, ein verblüffender Wein. Wie wird sich dieser Wein erst entwickeln, wenn die Rebstöcke älter werden? Ein Fischgericht dazu ist perfekt, aber man sollte unbedingt auch Gerichte mit weißem Fleisch probieren.

Die Spitzenweine werden grundsätzlich in 3er oder 6er OHK ausgeliefert. Zudem gibt es Großflaschen bis hinauf zur 9 l Flasche. Alle Großformate sind einzeln nummeriert.

Bei den Rotweinen hat der Tinata eine Sonderstellung. Georg Webers Mutter liebt große Rhà´neweine und so hat man versucht, ebenfalls einen großen Rhà´neblend zu kreieren. Der ebenfalls noch sehr junge Tinata begeistert durch ein schlicht im Glas explodierendes Bukett nach allem, was die Toskana an Düften zu bieten hat. Die Nase ist so intensiv, dass man das Glas unwillkürlich etwas weghält. Am Gaumen fehlen trotz schöner Frucht noch etwas der Aromendruck und die Komplexität. Dass dieser Mangel dem jungen Wein geschuldet ist, belegt die Verkostung einer bereits am Vortag geöffneten, halb leeren Flasche. Jetzt hat der Tinata am Gaumen deutlich zugelegt. Das ist mal ein spannender Wein mit großem Potential, der nicht in das gängige Schema der Super Tuscans passt.

Der Terra di Monteverro ist ein klassischer Zweitwein des Monteverro, der die Trauben der jüngsten Parzellen aufnimmt. Und dieser Topwein des Hauses ist letztendlich das Ziel aller Bemühungen. Der erste Jahrgang, der in der neuen Kellerei produziert wurde war der 2008er. Mittlerweile ist der 2011er in der Auslieferung. Der Monteverro ist ein Wein mit großer Struktur, ihn zeichnet die Tiefe und Komplexität aus, die dem Terra di Monteverro naturgemäß fehlt. Bereits der Jahrgang 2010 und 2011 ist auf einem sehr hohen Niveau, erzielt Bewertungen bis in die Mitte der 90er Punkte. Der bislang beste Jahrgang aber reift noch in den Barriquefässern: 2013, ein spektakulärer Jahrgang.

Wo viel Licht ist, findet man bekanntlich auch viel Schatten. Und der zeigt sich aus der immer wieder aufkeimenden Kritik wie "zu clean", "ohne Seele", "technisch", "warum diese Perfektion?", „zu neu und zu jung und zu unerfahren“. Auch der Önologe Matthieu Tauney ist noch sehr jung. Tja, möchte man antworten, wie alt war Paul Pontallier, als er die Verantwortung für Margaux übernahm oder Giacomo Tachis bei Antinori und San Guido? Wie alt sind die Rebstöcke bei Harlan Estate oder Biserno? Mit Michel Rolland berät der wohl derzeit profilierteste Önologe Monteverro. Und wieder ist der Schatten dieser Entscheidung der Begleiter des Lichts.

Das Tor von Monteverro steht allen Weinfreunden offen. Angeboten werden Führungen, Verkostungen und auch ein Verkauf ab Weingut ist möglich.

Die Maremma ist definitiv nach Bolgheri (hier werden die guten Rebflächen langsam knapp) der dynamischste Ort in der italienischen Weinlandschaft. Bolgheri wird oft auch als Goldküste bezeichnet, heute schließt man wohl die südliche Maremma mit in diese Bewertung ein. Mit Monteverro gibt es einen neuen Fixstern weit im Süden. Die Ambitionen des Teams um Georg Weber sind so außerordentlich wie ihre Leidenschaft für große Weine. Nur sehr wenige Produzenten haben so viele andere Ansichten eingeholt und sind derart beratungsaffin. Zuhören, abwägen und umsetzen lautet hier die Devise – und zwar ohne Kompromisse. Da könnten sich viele ein Vorbild nehmen. Vor rund 30 Jahren begann im Piemont eine „Revolution“, weil sich eine junge Generation im Burgund informiere, wie man die Weinqualität sprunghaft verbessern kann. Mitgebracht haben sie den Barriqueausbau, der zum Symbol für die vielen wichtigen Maßnahmen der „Revoluzzer“ wurde. „No barrique – no Berlusconi“ lautet die Überschrift über das wohl berühmteste Etikett von Bartolo Mascarello, der die Revoluzzer komplett ablehnte. Der Diskurs über die Revolution der auf den internationalen Markt ausgerichteten Großinvestoren wird in 30 Jahren ebenso beigelegt sein wie der der Barolo-Winzer. Bis dahin sollte man auf Monteverro einfach nur tollen Wein machen – wie bisher.