Luciano Sandrone

Azienda Agricola Sandrone Luciano
Via Pugnane, 4
I-12060 Barolo (CN)

Tel. +39 (0173) 560023


www.sandroneluciano.com


Der Generationswechsel bereitet im Hause Luciano Sandrone sichtbar keine großen Sorgen: Tochter Barbara ist bereits heute voll in das Weingeschäft integriert. Zudem wacht sein wesentlich jüngerer Bruder Luca über die Weinberge. Und sogar in der übernächsten Generation ist das Interesse am Wein groß: die 14-jährige Enkelin besucht bereits die Weinbauschule. Und schließlich ist Luciano ja selbst noch fit und widmet sich mit großer Leidenschaft der Kellerarbeit, der schon immer sein Hauptinteresse galt. Obwohl die Familie aus dem Ort Barolo stammt, war Luciano der Weinbau nicht in die Wiege gelegt, der Vater war Schreiner. Dennoch besuchte der junge Luciano die landwirtschaftliche Schule in Alba, arbeitete zunächst als Kellermeister und kaufte 1977 seine erste Parzelle im Cannubi mit einer Größe von 0,5 ha, damals, als noch kaum jemand vom Weinbau leben konnte. Der erste Jahrgang 1978 lieferte genau 1.580 Flaschen. Wie so oft überstieg die Menge die eigenen Konsummöglichkeiten und so wurde der Wein 1982 auf der Vinitaly angeboten. Da kam ein Importeur aus den USA auf ihn zu und wollte die gesamte Ernte kaufen. Da es einen zweiten Interessenten aus der Schweiz gab, verkaufte er je die Hälfte an beide.

Der große Zwillingsjahrgang 1989 und 1990 brachte dann den internationalen Durchbruch für das Piemont, eine erste große Weintourismuswelle war die Folge. Mit den sehr hohen Bewertungen durch Parker & Co verlief auch der Absatz der Weine zunehmend problemlos, das Piemont nahm einen enormen Aufschwung. Da zahlte es sich nun aus, dass einige der jungen Winzer frühzeitig auf hohe Weinqualität gesetzt hatten. Neben Sandrone waren dies vor allem Clerico, Scavino, Altare und Gaja. Luciano Sandrone orientiert sich noch heute intensiv an den Techniken aus dem Burgund, das er so oft besucht hat, dass es ihm quasi zur zweiten Heimat wurde. Dabei kam ihm - anders als bei anderen - zugute, dass er keine Weinberge geerbt, also ohne Historie war und ohne Beschränkungen experimentieren konnte. Heute umfasst die Rebfläche 26 ha, Kernstück ist und bleibt die Parzelle im oberen Teil des Cannubi (ca. 2,5 ha von insgesamt 48 ha der Gesamtlage gehören Sandrone). Der Anbau erfolgt biologisch, jedoch mit einer großen Portion Pragmatik, auf ein Biozertifikat verzichtet man lieber. Rigoros hingegen ist die grüne Lese, die bis zu 40% der Ernte beträgt.


Das neue Weingut konnte 1999 bezogen werden und ist so modern wie funktionell.

1997 dann entschloss sich Luciano Sandrone den beengten Platzverhältnissen im Ort Barolo zu entfliehen und ein neues Weingut zu bauen. Nur rund 1 km entfernt, direkt unterhalb seiner Cannubi-Rebflächen fand er ein Grundstück, das bislang als Blumenwiese diente. Das schöne und extrem funktionelle Gebäude-Ensemble ist auf drei Ebenen angeordnet. In der ersten Etage erfolgt die Traubenanlieferung und sorgfältige Aussortierung, im EG die Vinifizierung und im Keller der Ausbau. Durch Leitungsdurchbrüche in den Decken führen Rohrleitungen, so entfallen Pumpvorgänge, der Transport des Weins erfolgt schonend über Gravitation. Nach der sorgfältigen Selektion auf dem Förderband und einer kurzen Kaltmazerationsphase wird die Temperatur des Mostes in einem Wärmetauscherunikat kurz erhöht, um die Fermentation in den Edelstahltanks mit Hilfe natürlicher Hefen sofort und schonend zu starten. Während der Fermentation wird jeder Tank umgepumpt - zumindest hier also doch die Hilfe die Technik. Schon nach maximal drei Wochen zieht Sandrone den Wein von den Schalen ab. Jede Parzelle und jeder unterschiedliche Erntezeitpunkt wird getrennt vinifiziert, der Presswein grundsätzlich als Fassware verkauft. Die gesamte Philosophie des Hauses ist auf eine möglichst schonende Vinifizierung bei größter Sorgfalt und Sauberkeit ausgelegt. Ziel sind elegante, burgunderhafte Weine und nicht überextrahierte Monster.


Der Ausbau erfolgt nur in 500 l Tonneau ohne Toastung, der Anteil der neuen Fässer ist mit 25% relativ gering. Das Holz soll dem Wein keinesfalls seinen Charakter aufdrücken.

Diesem Ziel folgend ist auch der Holzeinsatz wohl dosiert. Der Ausbau der Baroli erfolgt ausschließlich in 500 l Tonneau und diese sind nur zu 25% neu, der Rest wird 3-4 Mal verwendet. Lediglich beim Barbera liegt der Neuholzanteil etwas höher. Auf eine Toastung verzichtet Luciano Sandrone gänzlich, keinesfalls sollen die Weine vom Holz dominiert werden. Nach dem Faßausbau werden nach ausgiebigen Verkostungen die Fässer zur endgültigen Cuvée zusammengeführt und abgefüllt. So stellt man sicher, dass alle Flaschen eines Weins eine absolut konstante und hohe Qualität aufweisen. Der Neubau eröffnete Luciano Sandrone zudem die ersehnte Option, seine Spitzenprodukte mit einer ansehnlichen Menge einzulagern. Ziel dieser Weinbibliothek im Keller ist es, die drei Nebbiolos bis zu 10 Jahre unter optimalen Bedingungen reifen zu lassen. Danach werden die Flaschen mit einem speziellen Siegeletikett versehen und in den Markt gebracht. Doch die Sorgfalt geht noch weiter: selbst die Verpackung der Weine erfolgt nach dem last-minute Prinzip, um zu verhindern, dass die Weine zu lange im Auslieferungsraum liegen. Das ist schon deshalb fast unglaublich, da das gesamte Gebäude mit einer leistungsstarken und ausgeklügelten Klima- und Belüftungsanlage kontrolliert wird. Luciano Sandrone kann die Luft in den Kellern sieben Mal pro Stunde umwälzen, wenn dies notwendig ist.


Das Kellerlager für die Flaschen, die 10 Jahre und länger eingelagert werden und die wenigen Großflaschen.

Neben den beiden Baroli Le Vigne und Cannubi Boschis umfasst die Produktpalette noch einen Nebbiolo "Valmaggiore" aus dem Roero, also der gegenüberliegenden Flussseite. Der Weinberg dort wartet mit einer spektakulären Steillage und einem Höhenunterschied zwischen Tal und Bergkuppe von rund 140 m auf. Die 3,5 ha sind hier relativ neu, aber sehr dicht bestockt. Um den fruchtigen, eleganten und frischen Charakter zu erhalten, wird dieser Wein kürzer mazeriert, ohne neues Holz und nur 12 Monate im 500 l Tonneau ausgebaut. Die Stars im Portfolio sind aber die Baroli. Während der Cannubi Boschis einer der ersten Lagenbaroli in der ganzen Region war, ist der Le Vigne ein Blend aus vier Lagen aus den Ortschaften Barolo, Novello und Monforte d`Alba mit unterschiedlichen Höhenlagen und Mikroklimata. Auch hier erfolgt die Assemblage erst kurz vor der Abfüllung. Beide Baroli gehören regelmäßig zu den besten Produkten der gesamten Region, die insgesamt 30.000 Flaschen sind immer schnell ausverkauft.


Sauberkeit, Ordnung und Qualität bis in Kleinigkeiten sind oberstes Prinzip für alle der 12 Mitarbeiter von Luciano Sandrone.

Die Kunden findet Luciano Sandrone in fast 90 Ländern der Erde, größter Markt sind die USA mit einem Anteil von ca. 20%. Für den deutschen Markt sind immerhin noch 10% reserviert. Rund 130 Vertriebspartner müssen sich die Ernte teilen und im Hause Sandrone scheut man sich auch nicht, einmal einem Importeur zu kündigen, wenn Grauimporte auftauchen.

Mit unendlicher Neugier und Experimentierfreude sowie einem steten und offenen Blick auf das große Vorbild Burgund hat es Luciano Sandrone in wenigen Jahren und ohne belastende Tradition geschafft, sich in der Qualitätsspitze zu etablieren. Er gilt als einer der großen Erneuerer des Barolo, der einen neuen Weinstil wollte und schuf. Die Qualitäten seiner Produkte - vom Dolcetto bis zum Cannubi Boschis - sind international anerkannt, 2013 wird er die Region beim Weltweinfestival vertreten. Das Weingut ist neu, state-of-the-art und funktionell. Das Team um die Familie verströmt eine heitere Gelassenheit, die man genießt, wenn man sich des Erfolges und dem reibungslosen Übergang auf die kommende Generation sicher ist. Ob er denn noch weitere Rebflächen erwerben möchte, um sich zu vergrößern? Luciano Sandrone antwortert mit einem klaren "Nein", zu groß wäre die Gefahr, sich nicht mehr voll auf die Qualität der Weine konzentrieren zu können.


Das Projekt "Valmaggiore" ist Luciano Sandrone eine Herzensangelegenheit. Der Nebbiolo aus der Nähe von Vezza d`Alba soll das ganze verführerische Frucht- und Duftpotenzil dieser Traube vervorbringen.

Luciano Sandrone hat es geschafft, Baroli mit dem Format burgundischer Grand Cru zu schaffen. Und genau das war wohl immer sein Ziel.