Comte de Vogüé

7 Rue Sainte-Barbe
F-21220 Chambolle-Musigny

Tel. +33 (380) 62 86 25



Die Domaine Comte de Vogüé ist ein ganz besonderer Ort, für viele Pinot Noir und Burgunder-Fans sogar ein Ort, der eine gewisse Magie ausübt. Die Domaine verfügt nicht nur über eine unglaubliche Tradition, sondern auch über große Anteile des Musigny Grand Cru, neben Romanée-Conti und La Tâche vielleicht die berühmteste und beste Lage des Burgunds. Alle drei Lagen befinden sich übrigens in Blickweite. Dabei ist der Auftritt des Musigny nicht das Laute, das Vordergründige, sondern die feine Eleganz, die Duftigkeit und Samtigkeit gepaart mit Frucht und Komplexität. Der Musigny will verführen, nicht prahlen, er ist kein Blockbuster, sondern der Inbegriff eines großen Burgunders aus einem der schönsten und wertvollsten Terroirs der ganzen Côte de Nuits.

Diesen einmaligen Charakter des Terroirs möglichst unverfälscht in den Wein zu transportieren ist das erklärte Ziel des Führungsteams von Comte de Vogüé. Verwalter und kaufmännischer Leiter ist Jean-Luc Pépin, für die Weinberge ist Eric Bourgogne und im Keller François Millet verantwortlich. Dieses Trio, das bereits seit vielen Jahren hier tätig ist, hat den großen Ruhm des Hauses noch weiter vermehren können. Die Domaine selbst ist seit 1766 in Familienbesitz und gelangte unter Comte Georges de Vogüé zu Weltruhm, gleichauf mit der Domaine de la Romanée Conti. Der Graf hinterlies 1987 den Besitz den beiden Schwestern Claire de Causans und Marie de Ladoucette, seinen Enkeltöchtern, die im nicht so weit entfernten Paris leben. Stammsitz aber ist das Zentrum von Chambolle-Musigny, direkt hinter der Kirche. Das wie ein Vierseithof angelegte Anwesen ist von der Strasse nur durch ein großes Tor zu betreten - über dem das Familienwappen eingelassen ist - und bietet im Innenhof einen sauberen und aufgeräumten, aber wenig spektakulären Anblick.


Blick über einige Premier Cru Lagen auf Chambolle-Musigny. Man erkennt das Tal, das die beiden Bergketten trennt, sehr gut. Einige hundert Meter links beginnt im Süden der Musigny Grand Cru, rechts im Norden der Bonnes Mares Grand Cru.

Doch bevor der Blick hinter die Kulissen führt, gilt die Aufmerksamkeit der Grundlage für die Exzellenz des Hauses: dem wertvollen Weinbergsbesitz von etwa 12,5 ha, von denen fast 10 ha in zwei der berühmtesten Grand Cru Lagen liegen, dem Bonnes Mares (2,5 ha) und dem Musigny (7 ha). Nicht weniger bedeutend sind die 0,55 ha der 1er Cru Lage Les Amoureuses unterhalb des Musigny. Obwohl die Lagen innerhalb der Kommune von Chambolle-Musigny liegen, könnten sie sich kaum mehr unterscheiden. Das liegt an der besonderen Geografie des Ortes, der praktisch am Talausgang des Flüßchens Grône liegt, das die Hügelkette der Côte d´Or in zwei Hälften trennt. Weiter unten, direkt unterhalb der Weinbergslage Les Amoureuses, tritt der Fluss an die Oberfläche und fließt nach Vougeot ab. Nach starkem Regen kann dieses kleine Gewässer eine ungeahnte Größe und Kraft entwickeln. Hieraus leitete sich die Ortsbezeichnung als "champ bouillant" ab, aus dem der Name Chambolle wurde.

Der Bonnes Mares mit seinem dunkelbraunen Lehmboden im Norden des Ortes unterscheidet sich sehr deutlich vom Musigny / Amoureuses im Süden. Diese beide Lagen liegen über einer eisenhaltigen, dicken Kalkschicht, die eine perfekte Drainage erlaubt und die sich bis in den darunter liegenden Clos de Vougeot fortsetzt. Diese Bodenverhältnisse bilden die Grundlage für die berühmte Duftigkeit und Samtigkeit der Weine, die im Burgund unübertroffen ist, formen aber gleichzeitig die Brücke zu den wuchtigen und festen Grand Cru Weinen, die auf dem Bonnes Mares und den weiter nördlich anschließenden Grands Crus Lagen entstehen. Man könnte sagen, die Weinberge von Comte de Vogüé spiegeln auch die stilistische Trennung der Côte de Nuits wider. Samt, Seide und Finesse im Süden bis zum La Tâche, Wucht und Frucht im nördlichen Teil bis zum Chambertin.


Abendstimmung über dem Musigny Grand Cru im oberen Drittel des Bildes zwischen der Waldgrenze und dem Kloster Clos de Vougeot.

Doch nun ist es Zeit für einen Blick in die Kellerarbeit bei Comte de Vogüé, die seit 1986 der charismatische Oenologe François Millet leitet. Bei ihm verschmelzen Terroir, Weinbereitung und Person zu einer Gesamtkomposition, wobei die Bedeutung für das Endergebnis in dieser Reihenfolge abnimmt. Millet´s Ideal ist ohne Frage, die Einmaligkeit des kostenbaren Weinbergsbesitzes und den natürlichen Wetterverlauf eines Jahrgangs so schonend und transparent wie möglich in die Flasche zu bekommen. Und diesem Ideal kommt er sehr oft auch sehr nahe. Auf die immer wieder gestellten Fragen nach Jahrgangsähnlichkeiten (z.B. 2009 wie 2005?) antwortet er stereotyp, jeder Jahrgang sei nur mit sich selbst zu vergleichen.

Zentraler Punkt jedes Weingutbesuchs ist stets die Verkostung der Produktpalette, so auch bei Comte de Vogüé. Und auch hier kommt man sehr schnell zur Sache, das Erlebnis ist jedoch von einer völlig neuen Dimension. Mit größter Konzentration und Präsenz präsentiert François Millet die gesamte Produktpalette, erklärt die Lagen, die einzelnen Charakteristiken des Weins und überprüft ständig selbst das Gesagte. Mühelos wechselt er zwischen Französisch, Englisch und Deutsch, läßt sich Wörter übersetzen, die ihm noch fehlen. Seine unglaubliche Perfektion gründet in dem Verlangen, nicht dem Wein seinen eigenen Stempel aufzudrücken, sondern den Weinberg, den Boden, das Licht und das Wetter dort noch besser zu verstehen. Probieren Sie den Wein und probieren Sie dann ein Stück Erde des Bonnes Mares, fordert er auf und meint es ernst.


François Millet ist bei jeder Probe konzentriert bei der Arbeit, verkostet mit, prüft, verwirft, bestätigt sich selbst. Er steht im ständigen Diskurs mit dem Wein und lässt die Besucher intensiv daran teilhaben.

Der Musigny Village duftet herrlich nach Marmeladen-Konfitüre, zeigt aber noch während der malolaktischen Gärung seine markante Säure. Hingegen ist der Amoureuses weniger von der Säure geprägt und lässt deutlicher seine Geschmeidigkeit und Finesse spüren. Auch dieser Wein ist dominiert von seinem floralen Duft und dem Spiel roter und schwarzer Früchte. Über den Musigny, der das mineralische Potenzial dieses großen Weinbergs verrät, geht es zum berühmten Musigny Vieille Vigne. François Millet zeigt in das Glas und erklärt, dass man die mineralische Struktur förmlich sehen kann, da der Blick bis auf den Glasboden freigegeben ist. Bei diesem grandiosen Wein stimmt einfach alles. Schiere Kraft und Frucht umhüllt von einem verführerischen Duft und einer Leichtigkeit, die nur noch fasziniert. Ganz anders dann der Bonnes Mares, der anstelle der Mineralität und Duftigkeit von intensiver Saftigkeit geprägt ist. Dieser Wein ist von undurchdringlichem, tiefem Rot und riecht deutlich nach Heidelbeere. Im Mund ist er weniger präzise und strukturiert, nur ungemein fruchtig und lang. Was für eine unglaubliche Produktpalette wird hier angeboten! Wie werden diese Weine einmal in 15-20 Jahren schmecken?


Der kostbare Wein direkt nach der Abfüllung. Jede Flasche ist aber leider schon zugeteilt.

Viel kann man über Comte de Vogüé noch schreiben. Z.B. dass man im Musigny GC eine ganz kleine Menge Weißwein angebaut hat. Dass sogar immer wieder ein berühmter Bodelaiser Winzer direkt bei Herrn Pépin anruft, um ein paar Flaschen dieses Weins zu bekommen. Dass man hier z.B. das Lesegut von Jungpflanzen im Musigny Vieille Vigne ganze 25 Jahre lang abklassifiziert, obwohl nach Statuten nur drei Jahre nötig wären. Die Sorgfalt, die hier auf jedes Detail verwandt wird, ist ungeheuer. Das betrifft auch den Holzeinsatz, nicht zu viel und nicht zu wenig ist die große Kunst.

In der Weinwelt ist diese Qualität seit Langem bekannt. Der Musigny VV erzielt Preise wie ein La Tâche und wird nur von einem einzigen Wein, dem Romanée Conti übertroffen, der in einer eigenen Liga spielt. Abgefüllt werden die Weine als halbe, ganze und Magnumflaschen, verpackt in 6er Kisten und immer mehr auch nur noch in 3er, teilweise sogar in 1er Kisten. Die Mengen sind extrem begrenzt, obwohl man bislang praktisch immer die gesamte Ernte verkauft hat. Der deutsche Markt, traditionell wichtig, bekommt eine Allokation von 12%. Es folgen USA, England und die Schweiz, erst dann kommt Japan. Selbst bei 12% bedeutet das, dass für ganz Deutschland noch nicht einmal 300 Flaschen Amoureuses ausgeliefert werden. Von den neuen Märkten in Fernost, die fast jeden Preis für diese großen Weine zu bezahlen bereit sind, gar nicht zu reden. Hinzu kommt, dass mit der Fertigstellung des neuen großen, "Schatzkammer" genannten Weinkellers, die Domaine Teile der Ernte zurückhalten wird.


Direkt unterhalb des Hofes wurde in 2011 ein grosser Keller für Barriques und Flaschen angelegt, die sog. Schatzkammer, der bislang aber noch so gut wie leer ist.

Verständlich, dass man auf Comte de Vogüé nicht jeden Weinfreund empfängt, die Weinmengen für Proben sind begrenzt und die Zeit der Verwalter ebenso. Wer es dennoch zu einem Termin schafft ist restlos begeistert von der Offenheit und Freundlichkeit, dem Engagement und der spürbaren Hingabe zu jedem erdenklichen Detail. Egal wie alt die Tradition hier ist, die beste Zeit scheint für Comte de Vogüé erst noch zu kommen, denn auch für die Zukunft hat man sich vorgenommen, sich auf Weinbergslagen in Chambolle-Musigny zu konzentrieren.