König der Weißweine: Grand Cru Le Montrachet, Burgund


Die Côtes de Beaune zwischen Meursault und Chassagne-Montrachet ist berühmt für ihre majestätischen Chardonnay-Weißweine. Und doch stechen nochmals vier Grands Crus Lagen zwischen den Dörfern Puligny-Montrachet und Chassagne-Montrachet heraus (Le Montrachet, Bâtard-Montrachet, Chevalier-Montrachet und Bienvenues-Bâtard-Montrachet). Diese vier zusammenhängenden Lagen werden von der Gemarkungsgrenze in der Mitte durchschnitten, weswegen auch die Lage "Le Montrachet" je etwa zur Hälfte in beide Gemeinden fällt. Der berühmteste Weinberg ist und bleibt aber die Lage "Le Montrachet" (auf Deutsch: Berg Rachet - das "t" wird im Französischen nicht gesprochen!). Hier wachsen die wohl größten Chardonnays der Welt und damit vermutlich der größte Weißwein überhaupt. Und diese Einschätzung ist schon sehr alt: schon in der ersten Klassifikation an der Côte d`Or aus dem Jahr 1861 erhielt die Lage den höchsten Status. Am 27.11.1879 schon wurden die Namen der Ortschaften Chassagne und Puligny um den berühmten und prestigeträchtigen Appellationsnamen erweitert.



Nicht nur die optimale süd-östlich leicht abfallende Lage mit Sonnenlicht im Sommer bis in die Abendstunden sowie der Schutz des Berges sind außergewöhnlich, auch eine an dieser Stelle aus dem Berg ragende sehr kalkreiche Schicht begründen den Ruhm dieses Mikroterriors. Charakteristisch ist auch der stark braun gefärbte Kalkstein, der die verschiedenen Kalksteinböden bedeckt. Insgesamt sind die Böden sehr mineralhaltig (Eisen, Chrom, Magnesium, Silber, Zink), was den Charakter der Weine stark beeinflußt. Die Grand Cru Lagen befinden sich zwischen 200 und 260 Höhenmeter, die bereits kühleren Lagen bis 300 Höhenmeter sind als Premier Cru Lagen klassifiziert.



Die Geschichte des Weinbaus in Puligny geht bis in die Römerzeit zurück. Le Montrachet wird allerdings urkundlich erstmals in 1482 erwähnt und genoss spätestens seit Ende des 18. Jahrhunderts großen Ruhm. Wie viele andere Weinberge auch wurde der Montrachet nach der Revolution 1789 größtenteils erst verstaatlicht und dann für teures Geld weiterverkauft. Das französische Erbrecht nach dem Code Napoléon hat dafür gesorgt, dass sich heute 20 Winzer die Parzellen teilen, darunter ist die größte mit 2,06 ha im Besitz der Familie de Laguiche. Andere Parzellen sind hingegen nur wenige Quadratmeter groß.



Die Gesamtfläche von Le Montrachet beträgt exakt 7,998 ha, die einen Durchschnittsertrag von gut 300 hl Wein oder rund 40.000 Flaschen ergeben (Maximalertrag 40 hl/ha). Die bedeutenden Weingüter Brochard, Laguiche und Ramont liegen in der wohl etwas besseren Hälfte von Puligny. Die Flächen in Chassagne teilen sich die anderen Winzer, u.a. auch Romanée Conti, Comptes Lafon, Jacques Prieur. Ein großer Teil der Trauben wird jedoch von Handelshäusern wie Drouhin oder Jadot aufgekauft.



Die Montrachet-Weine sind nicht nur schwer zu bekommen, sondern auch enorm teuer. Falls Sie mal einen kosten, machen Sie es wie Alexandre Dumas vorschreibt: "mit entblößtem Haupt und auf den Knien trinken". Die sehr lange lagerfähigen Weine sollten vor dem Genuß mindestens acht bis zehn Jahre Lagerreife haben. Dann entwickeln die Weine ihr volles Potential mit einer kräftigen Säure, sehr viel Länge und Frucht.

Literaturhinweis: Wein Gourmet, Heft 3/2002, Seite 30, "Burgunder in Höchstform"