Winston Churchill 1999-2002 Tasting

02. September 2014




Die Geschichte des Hauses Pol Roger und seine Verbindung zu Sir Winston Churchill sind Legende und untrennbar mit einander verbunden. Was für Moët Napoleon und für Roederer der Zar bedeutete, bewirkte der britische Staatsmann für Pol Roger. Er machte den Champagner und die Marke berühmt, insbesondere in England. Bis heute ist Pol Roger das britischste Champagnerhaus, die Marke ist auch offizieller Lieferant am Englischen Königshaus. Dabei liebte Churchill zunächst nur den Champagner, später auch die schöne Odette Pol-Roger. Churchill war für seinen exzessiven Champagnergenuss berühmt, schon am Morgen trank er ihn. Pol Roger war der erste Exporteur von brut-Champagner nach England und genau diesen Geschmack liebte Churchill. Besonders angetan war er vom 1928er, den er fast alleine austrank. 1984, zehn Jahre nach dem Tod Churchills stellte Pol Roger dann seine Prestige-Cuvée unter dem Namen Sir Winston Churchill vor, der erste präsentierte Jahrgang war der 1975er, abgefüllt ausschließlich in Magnums. Das Flaggschiff der Marke mit einem Namen der Zeitgeschichte zu verbinden war so riskant wie erfolgreich.

Der Jahrgang 2002 ist erst der 14. Sir Winston Churchill ("SWC") Jahrgang (nach 1975, 1979, 1982, 1985, 1986, 1988, 1990, 1993, 1995, 1996, 1998, 1999, 2000). Die Mengen sind sehr klein und werden ausschließlich in 0,75 l und 1,5 l Flaschen abgefüllt. Nach langen elf Jahren der Hefelagerung erschien nun im Sommer 2014 der SWC 2002, was der Exklusivimporteur für Deutschland, CWD aus Hamburg, zum Anlass nahm, den neuen Spitzenchampagner in einer Querverkostung zu präsentieren.


Die weißen Jahrgangschampagner aus 2004, ein Jahr, das schlanke, klassische und mineralische Champagner hervorgebracht hat.

Nach dem "White Foil" genannten Basischampagner von Pol Roger zum Aperitif folgte der aktuelle Jahrgangschampagner von 2004. Er enthält 60/40 Pinot Noir und Chardonnay und wird ganze 8 Jahre auf der Hefe ausgebaut. Der hohe Pinot-Anteil macht ihn kraftvoll, der Chardonnay elegant. Dennoch zeigte sich dieser Vintage 2004 weniger fruchtbetont und in der Nase verhaltener als der White Foil. Dafür ist er straffer, eleganter und von einer starken Mineralität geprägt. Ein Champagner mit hohem Lagerpotential. Ganz im Gegensatz zu dem anschließend gereichten Rosé Vintage 2006, der durch Zugabe von 15% Rotwein aus den Montagne de Reims hergestellt wird. Die Hefelagerung beträgt beim Rosé 7 Jahre. Bei diesem Produkt steht die Fruchtsüße im Vordergrund, ein Champagner der einfach nur Spaß machen soll.

Unglaublich gut präsentierte sich der Vintage 2004 Blanc de Blanc. Obwohl zu 100% aus Chardonnay gekeltert verfügt dieser großartige Champagner über die ausgeprägte Süße reifer Früchte, die wunderbar mit der Säure und mineralischen Komponente des auf Kreide wachsenden Chardonnay harmoniert. Ein sehr feiner, eleganter Champagner mit Kraft, Komplexität und verführerischen floralen Noten. Das spontane Urteil praktisch aller Teilnehmer: der bislang beste Champagner.


Die Highlights der Probe: die drei letzten SWC Jahrgänge 1999, 2000 und 2002.

Höhepunkt der Verkostung war jedoch die Vorstellung der Cuvée Sir Winston Churchill, deren Zusammensetzung traditionsgemäß als ein großes Geheimnis gehütet wird. Man weiß nur, dass alle Trauben aus Grand Cru Lagen stammen, drakonisch selektiert werden und der Pinot Noir Anteil über die 70% gehen dürfte. Die Hefelagerung liegt mit 11 Jahren in Dimensionen, die man vom Haus Krug erwarten würde, der Krug Vintage 2002 ist noch nicht auf dem Markt. Der Grund liegt insbesondere in der verlangsamten Reifung bei Pol Roger, das Haus verfügt über die tiefsten und damit kühlsten Keller in Épernay.

Zunächst wurde der 2000er eingeschenkt, ein ganz großer Champagner, für den eher mittelmäßigen Jahrgang eine große Überraschung. Der SWC begeistert durch seine intensive fruchtige Nase und seinen ausgeprägten Geschmack nach süßer Zitrone, Grapefruit und Orange. Er ist extrem kräftig und intensiv, vollmundig und betont frisch. Im Glas zeigt er bereits durch seine honiggelbe Farbe, welche Power in ihm steckt. Der Abgang ist immens lang. Nur 30.000 Flaschen dieses Luxuschampagners stellt Pol Roger in etwa in den Jahren her, die für den SWC für würdig empfunden werden. In der Querverkostung kann man auch ein Gefühl dafür entwickeln, wie meilenweit die Prestigecuvée von den Standardqualitäten auch der Vintage-Champagner entfernt ist. Das ist eine andere Liga.


Der absolute Star der Verkostung war aber nicht der 2002er, sondern die Jeroboam von 1999, von der nur 100 Flaschen produziert wurden.

Dann endlich der 2002er SWC! Die Erwartungen an diesen Jahrhundertjahrgang waren enorm. Sie wurden zwar bestätigt, Pech war nur, dass man den direkten Vergleich mit dem 2000er hatte und da waren die Unterschiede nur noch marginal. 2002 ist etwas schlanker, mineralischer und präziser. Die Frucht weniger vordergründig. Es war auch zu beobachten, dass der 2002er im Glas die deutlich bessere Entwicklung durchmachte. Er legte permanent zu, während der 2000er mit der Zeit langsam an Aromendruck verlor. Das spricht für das große Potential dieses Ausnahmechampagners, das sicher erst nach einigen weiteren Jahren der Flaschenreifung voll ausgeschöpft sein wird.

Gegen Ende der Verkostung legte CWD noch einmal nach und präsentierte den 1999er SWC aus der ultra-raren Jeroboam, in der Champagne sind das 3 Liter oder so viel wie zwei Magnumflaschen. Nur zwei Mal in der Geschichte des Hauses Pol Roger wurde die Cuvée SWC in Jeroboams abgefüllt: 1988 und eben 1999, dem 150. Geburtstag des Hauses. Und es waren exakt 100 einzeln nummerierte Flaschen, von denen nur ganze sechs den Weg nach Deutschland gefunden haben. Der 1999er zeigt, wie positiv eine weitere Flaschenreifung dem großen Champagner tut - und das, obwohl die Reifung in Großflaschen verlangsamt abläuft. Neben dem für den SWC klassischen Geschmacksnoten verströmt er ein deutliches Röstaroma, nussig und immer wieder als Brioche-/Toastaroma beschrieben. Es sind die Noten der abgestorbenen Hefe, die bei der lagen Lagerung ganz langsam in einem autolytischen Prozess zersetzt werden. Je länger der Champagner auch nach dem Degorgieren reift, umso deutlicher treten diese Noten hervor.


War schon die große Flasche ein außergewöhnliches Erlebnis, dann setzte der Inhalt noch eins oben drauf.

Eine großartige Probe mit hohem Erkenntnisgewinn, denn nur in der direkten Querverkostung erschließt sich die Logik der Produktpalette eines Wein- oder Champagnerhauses. Seine spezifische Stilistik dominiert die Jahrgangsschwankungen. Faszinierend ist auch, wie das Haus Pol Roger schon in der Basisqualität seine typische Aromensprache abbildet. Unter Champagner Liebhabern genießt Pol Roger zudem einen hervorragenden Ruf mit seinem großen Anteil an Handarbeit (bis heute wird von Hand gerüttelt), seiner strengen Selektion und der extrem langen Hefelagerung. Der Sir Winston Churchill genießt seinen Ruf ebenso zu Recht, er schwebt in der Produktpalette in anderen Sphären. Jung und frisch getrunken vermittelt er bereits ein einmaliges Trinkerlebnis, je länger er aber bei perfekten Bedingungen gelagert wurde, um so großartiger, um so beeindruckender wird er sich zeigen. Der Preisunterschied zu den Standardqualitäten ist beachtlich, angesichts der extrem geringen Menge aber als echtes Luxusprodukt nicht unangemessen.


Champagne Krug
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Ja, man kann alles übertreiben und bei dieser Flasche trifft das auch irgendwie zu. Der 82er Krug aus der Collection Serie und auch noch in der Magnum ist so legendär, so selten und so teuer, dass es kaum noch Steigerungen gibt. Ob diese Flasche jemals ausgetrunken wird?
Der Jahrgang 1982 gehört auch in der Champagne zu den legendären, ganz großen Jahrgängen. Ein sehr heißes Jahr bis über die Ernteperiode mit gerade ausreichendem Regen sorgte für die bis dato größte Erntemenge und praktisch perfekt ausgereifte Trauben bei allen drei Rebsorten. Reife, Säure und Extrakte am Limit, auch nach mehr als 30 Jahren ist dieser Jahrgang immer noch der Maßstab.

3.699,00 €

1,500 l (2.466,00 €/l)


Tenuta San Guido
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Wir haben uns in diesen wunderbaren Wein schon bei der ersten Fassprobe im Sommer 2014 verliebt. Und jedes Jahr legte er weiter zu. Er verströmt eine betörende Aromatik vor allem nach Schokolade, bezaubert mit feinster, süßer Frucht und begeistert mit einem seidenweichen, eindrucksvollen Abgang. Ein Meisterwerk aus Bolgheri, das Bordeaux nicht einfach kopiert, sondern mit seiner faszinierenden mediterranen Aromatik den Sassicaia unverwechselbar macht.

849,00 €

1,500 l (566,00 €/l)


Elio Grasso
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Der Barolo Casa Maté 2011 ist ein großer Wein. Schon in der Nase öffnen sich die vielschichtigen floralen Noten, wie so oft bei den besten Barolos, Rosenduft. Diese gefühlte Leichtigkeit im Spiel mit der schieren Fruchtkonzentration und Intensität bleibt das Markenzeichen dieses beeindruckenden Weins. So sieht ein moderner Spitzenbarolo heute aus und Gianluca Grasso liefert Jahr für Jahr die Messlatte für alle anderen ab.

89,00 €

0,750 l (118,67 €/l)