RIEDEL - The wine glass company

13. Dezember 2013 English




Mitten in Kufstein, Tirol, befinden sich seit den 1950er Jahren Stammwerk und Hauptverwaltung der Glashütte RIEDEL.

Die Gründung der böhmischen Glasproduzenten Riedel geht zurück bis in das Jahr 1756. Bis auf den heutigen Tag hat das Unternehmen trotz einer sehr wechselhaften Geschichte die Tradition dieses Handwerks auf die nunmehr 11. Generation übertragen. Den wohl markantesten Einschnitt in die Unternehmensgeschichte markierten die komplette Enteignung des Unternehmens nach dem Kriegsende 1945 und die Inhaftierung des damaligen Firmenchefs Walter Riedel, der erst 1955 aus Russland zurückkehrte. Auch sein Sohn Claus Riedel war Kriegsgefangener, konnte jedoch in Österreich entkommen und wurde von der befreundeten Glasmacherfamilie Swarovski aufgenommen. Mitte der 1950er Jahre aber ergriff die Familie Riedel, wieder unterstützt durch die Swarovskis, die Chance, die damals bankrotte Tiroler Glashütte in Kufstein zu unternehmen. Unter Claus Riedel erfolgte dann die Neuausrichtung des Unternehmens auf feinste, optimal geformte Weingläser in kleinen Serien, die den wirtschaftlichen Durchbruch bedeutete. Georg Riedel setzte diese Neuausrichtung durch eine gezielte Sortimentserweiterung und konsequente Internationalisierung fort. Sein Sohn Maximilian Riedel führt seit Juli 2013 die Geschäfte des Hauses. Riedel beschäftigt heute in vier Werken 1.200 Mitarbeiter und macht mit den Marken Riedel, Spiegelau und Nachtmann in etwa 250 Mio. Euro Gesamtumsatz.


Aus den Elektroöfen schöpfen die Glasmacher den zähflüssigen Rohstoff aus einem Gemisch von Metalloxiden.

Trotz aller Expansion in die volumenstarken Märkte der maschinell hergestellten Gläser, 2004 wurde die deutsche Firma F.X Nachtmann übernommen, bleibt Kufstein das Zentrum der Marke. Das Unternehmen beschäftigt hier rund 180 Mitarbeiter, die neben der Verwaltung des Unternehmens einzig mundgeblasene Spitzengläser der Top-Serie "Sommeliers" und Dekanter fertigen. Maximilian Riedel bemerkt dazu stolz, dass in jedem Weinglas dieser Serie der Atem mindestens eines Glasbläsers steckt. Für die Herstellung der filigranen und leicht zerbrechlichen, dafür federleichten, formschönen und perfekt in der Hand liegenden Gläser benötigt man jahrelange Erfahrung und eine starke Konstitution. Die Arbeit bei großer Hitze erfordert die volle Konzentration auf jede Bewegung und ist zudem nicht ganz ungefährlich. Immerhin sind die in Form gebrachten Glasteile noch über 600 Grad heiß und müssen mit äußerster Vorsicht bewegt werden. Dass solche hoch qualifizierten Fachkräfte knapp würden, sah bereits Maximilians Großvater Claus richtig vorher. Verschärft wird dieser Trend dadurch, dass der Beruf des Glasbläsers in Österreich heute nicht mehr ausgebildet wird. So rekrutiert RIEDEL die Glasbläser heute vornehmlich aus Osteuropa, wo dieses Handwerk noch Tradition hat. Nach der Öffnung der Grenzen ist dies heute kein größeres Problem mehr. So fällt beim Rundgang durch die Produktion auch auf, dass die Belegschaft relativ jung ist.


Erfahrende Glasmacher fertigen von Hand die filigranen Weingläser der Sommeliers Serie.

Stellt die Herstellung der Weingläser schon eine schwierige Pflicht dar, so ist die Fertigung der immer komplexer werdenden Dekanterformen die Kür für die besten Glasbläser. Neben der funktionellen Seite zur Belüftung des Weins sind die Dekanter aber auch echte Kunstwerke aus Glas. Ihre Formen sind teilweise so gestaltet, dass man ihre Funktionsweise erst erlernen muss. Manche Dekanter wirken zudem als Portionierer, d.h. dass beim Ausgießen des Weins nur ein Teil beim Drehen des Dekanters in das Glas fließt, der Rest bleibt im Dekanter zurück. Viele Designideen von Maximilian Riedel stellen seine Glasbläser vor schier unlösbare Aufgaben. Diese Haltung aber lässt der junge Chef nicht gelten und fordert, dass alles umsetzbar sein muss. Bis heute scheint dies auch einigermaßen gelungen zu sein. Dafür arbeiten kleine Team von bis zu fünf Glasbläsern zusammen, um die Kreationen Schritt für Schritt aufzubauen. Ein enormer Aufwand, der trotz der hohen Preise für solche Dekanter nicht bezahlt wird. Und das, obwohl z.B. der neue Doppelmagnum-Dekanter in den USA rund 2.000 US-Dollar kostet - und immer auf Monate ausverkauft ist.


Stolz kontrolliert der Schöpfer dieses Kunstwerks aus Glas noch einmal die perfekte Ausführung. Ein solch komplexes Gebilde aus Glas können nur ganz wenige Experten herstellen.

Überhaupt sind die USA einer der wichtigsten Märkte für RIEDEL, auch ein Verdienst von Maximilian. Vor der Übernahme der Gesamtverantwortung verbrachte er ganze 14 Jahre in New York und baute dort die Marke zu einem Inbegriff der Weinkultur auf. Rund ein Drittel der Produktion der handwerklichen Glasprodukte aus Kufstein gehen in die USA. Neu ist der Boom in China, von dem man sich im Hause RIEDEL große Wachstumsraten verspricht, auch wenn jüngst die chinesische Regierung einen eher Alkohol ablehnenden Kurs eingeschlagen hat. Einen neuen Trend insbesondere in den USA erkennt Maximilian Riedel in der rasch zunehmenden Popularität deutscher und österreichischer Rieslinge. Eine entsprechende Glaskreation ist in Vorbereitung und soll mit einem großen Event dem Markt vorgestellt werden. Dabei verrät er, dass er auch Spätburgunder aus der Pfalz sehr liebt. Die Antwort, welche denn besonders mag, bleibt er aber aus Vorsicht schuldig.

So erfolgreich RIEDEL mit seinen über 30 spezifischen Sommeliers-Gläsern für Weine und hochprozentige Alkoholika international auch ist, bleibt Frankreich ein schwieriger Markt. Geradezu feldzugartig haben schon Claus und Georg Riedel versucht, den Franzosen die Vorteile der großvolumigen Gläser für ihre berühmten Cabernets, Merlots und Pinot Noirs zu vermitteln - weitgehend erfolglos. Selbst bei den Primeurs-Verkostungen der Premiers Crus verwendet man kleine Probengläser - gerade hier aber zählt ja bekanntlich jeder Punkt der Weinjournalisten. Der Grund mag wohl auch darin liegen, dass man in so große Gläser einfach mehr eingießen muss und der Wein eben sehr teuer ist.


Der obere Rand dieses Dekanters, Typ "TYROL", wird noch einmal nachbearbeitet bevor er auf das Abkühlband gestellt wird.

Ganze 80 Euro kostet heute ein großes Bordeaux- oder Burgunderglas. Wer solche Gläser öfters benutzt, weiß um die Zerbrechlichkeit vor allem beim Spülen der Gläser (übrigens sollte man keines oder nur ganz wenig Spülmittel verwenden). Maximilian Riedel wendet sich vehement gegen diese Einstellung und betont, dass seine Produkte "nicht kompliziert" seien. Mit der Firma Miele sei man schon länger eine Kooperation eingegangen und Miele garantiere, dass sogar in ihren Spülmaschinen die Riedel Gläser problemlos gespült werden können ohne Schaden zu nehmen. Wir glauben es gerne - und spülen weiter gaaanz vorsichtig von Hand ...

Bilden die handgearbeiteten Kunstwerke aus Kufstein den Kern der Marke RIEDEL, so liegt die Zukunft des Unternehmens in den maschinell hergestellten Gläsern. Maximilian Riedel holt je ein Burgunder- und ein Bordeauxglas aus maschineller Produktion und aus der Sommeliers Serie. Optisch sind die beiden Modelle nicht zu unterscheiden, wäre da nicht ein deutlich lesbarer Stempel mit der Aufschrift "Restaurant". Nimmt man das Glas in die Hand, spürt man aber sofort den Unterschied: das maschinell hergestellte Glas ist deutlich schwerer und macht einen robusten Eindruck, während das Sommeliers Glas eine faszinierende Leichtigkeit und Eleganz ausstrahlt. Mit einem Preis von unter 10 Euro und seiner erheblich verbesserten Bruchstabilität soll die Restaurant Serie einen bislang noch wenig erschlossenen aber großen Markt öffnen. So lassen sich maschinell ganz andere Stückzahlen herstellen, denn pro Tag schaffen die Kufsteiner Glasbläser nur etwa 1.600 Sommeliers Gläser.

Mit Maximilian Riedel scheint wieder einmal ein Generationswechsel im Hause Riedel geglückt zu sein. Der junge und für seine Produkte sichtlich begeisterte Maximilian Riedel wird all seine Dynamik benötigen, um in einer schnelllebigen Zeit die Marke gegen aufstrebende Konkurrenten zu verteidigen. Angreifer auf den Marktführer gibt es sogar aus dem eigenen Land. Das Lifestyle-Thema Wein reitet den globalen Megatrend "Essen und Trinken" und lebt von einem Umfeld stetigen Wirtschaftswachstums in der Welt. Das muss nicht immer so bleiben. Da ist es klug, die Manufaktur für Gäste zu öffnen. In Kufstein kann man sich jederzeit die Arbeit der Glasbläser in Ruhe über eine erhöhe Galerie ansehen. Mit der Faszination dieser Handwerkskunst aufgeladen gehen die Gäste dann in den Riedel-Shop nebenan, aus dem ein echter Weinliebhaber nicht ohne das eine oder andere Glas herauskommt.

12/2013


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Dom Pérignon Rosé Œnotheque gibt es erst seit rund drei Jahren und bis heute wurden nur drei kommerzielle Jahrgänge vorgestellt: 1990, 1992 und 1993. Ältere Jahrgänge werden als einzelne Flaschen und nur auf Auktionen angeboten. Auch die über den handverlesenen Handel vertriebenen Flaschen der 1990er Jahre sind extrem rar - und teuer. Nach fast 20 Jahren auf der Hefe bieten diese Ausnahme-Champagner ganz neue Geschmackserlebnisse, die sich durch Intensität und Komplexität von allen anderen Produkten unterscheiden. Dabei unterstreichen sie die Philosophie des Hauses Dom Pérignon in perfekter Weise: Balance, Frische und Präsenz, gepaart mit Intensität, Fülle und Tiefe.

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Selten sind sich alle Kritiker so einig: der Barbaresco 2010 von Angelo Gaja gehört zu den besten Weinen, die dieser legendäre Winzer produziert hat. Wären da nicht die Lagen-Barbaresci, die in diesem Ausnahmejahrgang bis 98 Punkte bekommen haben, der klassische Barbaresco aus 14 Einzellagen komponiert, hätte die 94 Punkte wohl leicht noch überschritten. Ein Meisterwerk aus explodierender Fruchtaromatik, Dichte und Intensität, verpackt in seidenweichen Tanninen mit perfekter Balance. Dieser Barbaresco aus dem Traumjahrgang im Piemont hat das Potenzial, sogar den berühmten 1989er zu überflügeln. Das Lagerpotenzial dieses großen Weines bemisst sich in mehreren Dekaden.

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