Diner mit Aubert de Villaine

22. Mai 2011




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Schon seit vielen Jahren und Jahrzehnten pflegt man im Grand Resort Bad Ragaz nicht nur Haut Cuisine, sondern auch einen der großartigsten Weinkeller der Domaine de la Romanée-Conti ("DRC") aus dem Burgund. Dabei wurde schon lange nicht nur für den aktuellen Bedarf direkt vom Importeur, der Martel AG aus St. Gallen, eingekauft, sondern auch bewußt eingelagert. Auf diese Weise ist eine Sammlung von rund 400 Flaschen entstanden, die in der Tiefe und Breite wohl ihresgleichen sucht. Dieser Keller bildet die Grundlage für einige Events der Extraklasse rund um die Weine der DRC. So gab des schon Abende, an denen DRC-Weine im Offenausschank glasweise angeboten oder Menüs zu Großflaschen kreiert wurden - alles wohl einmalige Aktionen. Am 19. Mai 2011 fand dann der bisherige Höhepunkt dieser Veranstaltungsserie statt: ein Diner mit Verkostung aller acht Lagenweine der DRC aus den besten jeweiligen Jahrgängen, präsentiert von Aubert de Villaine persönlich. Organisiert wurde die Zusage von de Villaine von dem schweizer DRC-Importeur Jan Martel, den eine jahrzehnte lange und freundschaftliche Partnerschaft mit de Villaine verbindet.

Der Ort der Veranstaltung, die Äbtestube des Grand Hotels Bad Ragaz, bot für genau 37 Personen Platz, die sich drei Flaschen eines jeden Weins teilen mußten (nur La Tâche aus der Jéroboam, die dann auch nicht ganz leer war!). Verständlich, wenn man sich die angebotenen Jahrgänge und den Auktionswert der Weine vor Augen führt, immer angenommen, man bekommt diese Weine überhaupt. So betonte auch Jan Martel in seiner Einführung in den Abend, dass man zusammen gekommen sei, um zu geniessen, nicht um über den Wert der Weine zu spekulieren. Alle Flaschen waren über jeden Zweifel erhaben, wurden direkt vom Importeur bezogen und perfekt im Keller des Hotels gelagert. Zudem verkostete Aubert de Villaine jede Flasche vor der Veranstaltung persönlich, um fehlerhafte Weine auszuschliessen. Die Weine wurden nicht dekantiert, sodaß man die Entwicklung im Glas verfolgen konnte, die teilweise beachtlich war. Zu den Weinen kreierte der Chef de Cuisine der Äbtestube, der mit 17 Gault Millau Punkten bewertete Roland Schmid ein Menü der Extraklasse.


Große Burgunder in Reihe vom Echézeaux 2005 links bis zum Grands Echézeau 1964 rechts. Die Farbe kann wegen der Füllmenge täuschen.

Zu den Speisen wurden folgende Weine ausgeschenkt:
  • Vosne-Romanée 2006, Cuvée Duvault-Blochet, 1er Cru
    Die Cuvée der abklassifizierten und jungen Trauben der Domaine wird als Premier Cru geführt. Die Farbe ist zart hellrot, die Nase uninteressant. Der Wein wirkt insgesamt etwas flach und steigerte nur noch mehr die Vorfreude auf die "richtigen" DRCs.

  • Echézeaux 2005
    Schon beim Servieren des Glases verströmte dieser 2005er sein volles, herrliches Aroma mit starken floralen Noten über den ganzen Tisch. Der tiefrote Wein ist seidenweich und dennoch kraftvoll, der Abgang hat aber noch Potenzial. Dieser grandiose Stoff zeigt, wie unglaublich gut der 2005er Jahrgang ist. Sieht man einmal von dem Romanée-Conti ab, der Wein des Abends.

  • Romanée-St-Vivant 1999
    Der Romanée-St-Vivant ist der Cru mit den stärksten Qualitätsverbesserungen in den vergangenen Jahren und schiebt sich langsam zwischen Richebourg und La Tâche. Die Erwartungshaltung auf den großen 99er Jahrgang war also sehr hoch. Enttäuschend im Vergleich zum 2005er Echézeaux die Nase, die sich kaum entwickelt zeigte. Der Wein jedoch überzeugte mehr: kraftvoll mit guter Frucht und einem langen Finale läßt der noch jung wirkende Wein für die Zukunft das Beste hoffen. Kam heute aber noch nicht in die Nähe des 2005er Echézeaux.

  • Richebourg 2004
    Der Richebourg 2004 war im Vergleich zu den phänomenalen anderen Weinen relativ eine Enttäuschung: helle Farbe, eine dumpfe Nase und ein eigenartiger Fehlton im Abgang, der allerdings nach einigen Minuten im Glas verschwand. Diesem Wein fehlte die Delikatesse, für die der Richebourg berühmt ist. Im Gespräch mit anderen Personen zeigte sich aber auch, dass die Gläser durchaus unterschiedlich waren, je nachdem, ob das Glas aus der Mitte der Flasche oder vom Flaschenboden stammte.

  • La Tâche 2003
    Der La Tâche aus dem Hitzejahrgang 2003 wurde aus einer Jéroboam ausgeschenkt! Schon die tiefrote Farbe kündigt die Kraft dieses Weins an, die sich in dem sehr langen Abgang eindrucksvoll manifestiert. Aubert de Villaine sprach von einem "Monster", das in die Flasche gezwungen wurde und sich nach dem Öffnen doch gebändigt zeigt. Dieser La Tâche wird eine sehr lange Zukunft vor sich haben.

  • Romanée-Conti 1990
    Schon heute eine Legende und einer der größten DRC-Weine überhaupt. Das Bukett ist von einer Intensität und Vielschichtigkeit, die sprachlos macht und alle anderen Weine um Dimensionen hinter sich läßt. Dies gilt auch für die schiere Kraft und Fülle des Weins, der trotzdem süß und gleichzeitig unfaßbar elegant ist. Der endlose Abgang wiederholt das gesamte Aromenspektrum minutenlang. Körper, Struktur, Frucht und Süße, dazu das unvergleichliche Aroma, das förmlich aus dem Glas springt, lassen sich weder in Worte noch in Punkte fassen. Wie ein seidenweicher 500 PS Motor in einem Sportwagen, man kann nicht aufhören Gas zu geben und bleibt immer fassungslos, wie viel Kraft sich hier entwickelt.

  • Grands Echézeaux 1964
    47 Jahre hat dieser Wein im Keller gelegen und präsentiert sich mit einer Frische, Kraft und Präsenz, die man garnicht glauben kann. Durch die spezielle Fermentation der DRC entwickelt sich bei alten Weinen ein intensiver Minze-Geschmack, der den Wein trägt und charakterisiert, die Primärfruchtaromen aber in den Hintergrund drängt. Dieser Wein bietet ein grandioses Erlebnis und besticht durch seine Fülle. Im Abgang fühlt man eine fast ölige Konsistenz, die den Wein minutenlang in Erinnerung hält. Aubert de Villaine weist zu Recht darauf hin, dass selbst der 90er Romanée-Conti viel zu früh getrunken wurde.

  • Montrachet 2004
    Tiefdunkles Goldgelb und eine ölige, viskose Konsistenz zeigt der Montrachet 2004 im Glas. Auch im Bukett und im Geschmack enthält der Wein eine für Weißweine unbekannte Konzentration und Fülle, die man nicht mehr auflösen kann. Ein Wein für Kenner, der fast erschlägt und ein Wein zum Käse (nach Aubert de Villaine!).

  • Fine Bourgogne 1991
    Brandy, zum Aperitiv gereicht.

Das Team des Abends (von links): Roland Schmid (Chef de Cuisine, Äbtestube), Jan Martel (DRC Importeur Schweiz), Michael Boog (Sommelier, Äbtestube), Aubert de Villaine (DRC), Frank Reutlinger (Vizedirektor Grand Resort Bad Ragaz)

Auch für das Grand Resort war dieser Abend etwas ganz Besonderes, zu spüren an einer sympathischen Aufgeregtheit der Beteiligten. Jeder einzelne Teilnehmer wußte um die Bedeutung und Einmaligkeit der dargebotenen Weine, jeder eine gesuchte Rarität. Hinzu kam die Magie, einen der vielleicht besten Weine der Welt probieren zu dürfen, auch wenn es nur eine kleine Menge war. Aubert de Villaine verlieh diesem denkwürdigen Abend eine ganz besondere, persönliche Note und genoss es sichtlich, in Kreise von Weinfreaks und Kennern seine Weine vorzustellen, was er auch explizit betonte. Die Anwesenden waren offensichtlich praktisch alle im Gourmet-Bereich beschäftigt oder hatten indirekt damit zu tun. Minutenlang tauchten ihre Nasen tief in die feinen Gläser. So gegen 1.00 Uhr versuchte der Ehrengast die Veranstaltung zu verlassen, gab aber noch geduldig Autogramme auf die geprägten Menükarten und wechselte immer noch einige Worte mit dem jeweiligen Gast.


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Keine Sorge, er ist zwar extrem rar, aber es gibt ihn wirklich: den grandiosen Rosé aus dem legendären Jahrgang 1996. Die wunderbare Präsenz, der verführerische Geschmack vollreifer Pfirsiche und seine cremige Textur laminieren regelrecht die Zunge mit endlosem Abgang. Ein Champagner aus Samt und Seide und hochkarätiger Verführer, kein Angeber. Wir haben noch ein paar Flaschen, die wir Ihnen gerne anbieten.

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Dichtes, undurchdringliches Rubinrot und in der Nase feine schwarze Brombeeren und dezente Schokolade. Toll am Gaumen mit wunderbarer Balance aus Frucht und Säure. Sehr frisch, perfekte Säure und Harmonie. Ein eher leichter Wein mit Balance und Harmonie, den man aber nicht unterschätzen sollte.

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Ein in jeder Hinsicht herausragender Jahrgang für Castello di Bolgheri und sogar noch besser als der legendäre 2015er. Ein eindrucksvolles Bukett von schwarzen Brombeeren, Himbeeren und Johannisbeeren mischen sich mit Lakritz, Waldboden und etwas Schokolade. Unglaubliche Eleganz treffen am Gaumen auf einen mächtigen Wein mit perfekter Frucht und seidenweichen Tanninen. Spektakulärer, endloser Abgang mit saftiger Frucht und einer betörenden Säure. Ein herausragender Castello di Bolgheri.

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