GRAND CRU - Burgund

The Great Wines of Burgundy Through the Perspective of Its Finest Vineyards



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Remington Norman
Gebundene Ausgabe, 240 Seiten (2011)
Verlag Sterling Publishing (NY), ISBN: B006IP3YGS

Autor(en):
Remington Norman lives in England and South Africa. He was a Master of Wine until 2003 and is a member of the Academie Internationale du Vin. His book The Great Domaines of Burgundy received the gold medal of the German Gastronomic Society and also the André Simon Prize for the best wine book of its year. His second book, Rhone Renaissance, also won the André Simon Award, Le Prix du Champagne Lanson, and the Glenfiddich Prize. (Verlagsangaben)

Covertext:
With Grand Cru - a natural follow-up to "The Great Domaines of Burgundy" and just as essential - Remington Norman delves "vertically" into the core of the concept of terroir, as defined and developed in Burgundy ... where the determination to link wine to its birthplace, to identify it by its origin, has been pushed further and in a more detailed and refine way than anywhere else in the world. - Aubert de Villaine
Unser Eindruck:
Es sind eigentlich nur drei Faktoren, die die Qualität eines Weines bestimmen: die Lage, der Wetterverlauf (Jahrgang) und der Produzent / Winzer, der beide Faktoren optimal zu nutzen weiß. Und nirgendwo auf der Welt sind diese Einflüsse zusammen genommen so bedeutsam wie im Burgund. Hier entstehen in der Spitze die besten Weine der Welt, unvergessliche Tropfen, um die sich die Weinfans rund um den Globus reissen. Denn die Mengen sind hier extrem klein im Vergleich zu anderen Anbaugebieten wie Bordeaux oder Kalifornien. Gerade einmal 1% der Rebfläche des Burgunds machen die Toplagen, die Grands Crus aus. Das bedingt dann exorbitante Preise für die wenigen Flaschen aus großen Jahren.

Remington Norman hat zu zwei dieser drei Faktoren jeweils ein Standardwerk in Bezug auf das Burgund geschrieben: "The Great Domaines of Burgundy, A Guide to the Finest Wine Producers of the Cote d`Or" ist 2010 schon in der dritten Auflage erschienen und portraitiert die größten Produzenten. 2011 erschien nun das vorliegende Buch, das sich mit dem Terroir, konkret den 33 bedeutendsten Einzellagen der Côte beschäftigt. Dass der Autor Aubert de Villaine, Co-Besitzer der legendären Domaine de la Romnée Conti, zu einem Vorwort überreden konnte, zeigt die hohe Wertschätzung, die dem Autor bereits das erste Buch eingebracht hat. Und wieder ist ihm ein Klassiker der Weinliteratur gelungen.

Das Herz des Burgunds, die Cóte d`Or nördlich und südlich von Beaune, ist ein nur rund 1 km schmaler Streifen, der sich südlich von Dijon rund 50 km in Richtung Lyon erstreckt. Im Norden dieses Streifens wachsen die größten Rotweine, im Süden die größten Weißweine auf dieser Erde. Die Weinregion liegt so weit nördlich in Europa, dass das Klima eigentlich nicht optimal für den Weinbau geeignet ist und die Vollausreifung der Trauben jedes Jahr erneut in Frage steht. Bietet das Klima aber insbesondere im Spätsommer viel Sonne und Trockenheit, dann wachsen hier grandiose Weine heran. Doch selbst in dieser kleinen Anbaufläche gibt es noch erhebliche Unterschiede beim Boden und auch beim Mikroklima, beides fasst man unter dem französischen Begriff "terroir" zusammen. Seit rund 2000 Jahren ist der Mensch nun dabei, diese Unterschiede herauszuarbeiten und zu kultivieren. Im Burgund hat man daher schon lange ein Klassifikationssystem mit verschiedenen Qualitätsstufen etabliert. An dessen Spitze stehen die sog. "Grand Cru Lagen", gefolgt von den "Premier Cru Lagen", den einfachen Lagen und den "Dorfweinen". Ganze 1% halten die Grands Crus Lagen an der Gesamtfläche, jede Parzelle hat ihre eigene Geschichte und ihre eigene Charakteristik.

Remington Norman zeichnet in seinem Buch diese Unterschiede für die 33 Grands Cru und zusätzlich 5 Premiers Crus Lagen auf, wobei die Auswahl der Premiers Crus Lagen hoch interessant ist, sind sie doch nach Meinung des Autors Lagen mit Grand Cru Qualität. Diese Lagenportraits befinden sich im Teil 2 und umfassen 82 Seiten, also rund ein Drittel des Buches. Jede Lagenbeschreibung enthält eine kurze Einführung, einen Statistikteil, eine Liste der Besitzer, historische Hinweise, einen Überblick über die Topografie und Geologie sowie eine Beschreibung der Gemeinsamkeiten der Weine. In dieser Zusammenstellung der einzelnen Lagen ist das Buch tatsächlich einmalig und für jeden echten Burgunder-Fan eine wahre Fundgrube. Ausführlich diskutiert der Autor die Grundlagen der Klassifikation und gibt ein sehr deutliches Plädoyer für das Grand Cru Konzept ab, das auf der Erfahrung von Jahrhunderten beruht und sehr pragmatisch ist. Er stellt zudem fest, dass man über einige Zuordnungen trefflich streiten kann, die Einteilung heute aber grundsätzlich überall akzeptiert ist. Kritisch sind allenfalls die Grands Crus Großlagen Échézeaux, Clos de Vougeot und Corton, hier erfüllt nicht jeder Quadratmeter die Kritierien für einen Grand Cru. Spannend sind die kleinen Geschichten am Rande, z.B. dass die Bürger in Nuits-St-Georges auf eine Grand Cru Lage quasi als "nicht notwendig" verzichtet haben, schließlich sei ihre Gemeinde berühmt genug. In Gevrey wurde der Premier Cru Aux Combottes nicht zum Grand Cru erhoben, wohl weil die gesamte Fläche Winzern im Nachbarort Morey gehörte. Auch dem Clos St Jacques in Gevrey wurde die Grand Cru Ehre verweigert, abgeblich weil der Besitzer zwar ortsansässig, aber am Dorfleben nicht interessiert war.

Sehr lesenswert ist auch das Kapitel über das Burgund und sein Verhältnis zu den Medien. Der regelmäßige Versuch, die Magie der großen Burgunderweine in Worte und Punkte zu fassen kann nicht gelingen. Zudem führt das über Jahrhunderte gewachsene Selbstbewußtsein der Winzer zu einer inneren Unabhängigeit, die auf das Ego der rote Teppiche gewohnten Presse treffen. Die Kleinteiligkeit der Region und Komplexität aus Lagen, Jahrgängen und Produzenten gibt eine oberflächliche Betrachtung der Lächerlichkeit preis. Dennoch gibt es einige hoch respektierte Kritiker, die die Region über lange Jahre im Detail kennen und denen man auch bereitwillig Keller und Fässer öffnet und deren Urteil sehr geschätzt ist.

Ein sehr umfangreiches Buch mit zahllosen Infromationen über die besten Lagen des Burgunds aber auch mit grundsätzlichem Blick auf Pinot Noir und Chardonnay. In dieser Tiefe und Zusammenstellung sicher ein Standardwerk und eines der besten Bücher über diese Weinregion, die wie nur sehr wenige in der Welt für allerhöchste Qualität steht - und das seit Jahrhunderten.

Unsere Bewertung: