The Wines of Burgundy





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Clive Coates
Gebundene Ausgabe, 1008 Seiten (2008)
Verlag University of California Press, ISBN: 0520250508

Autor(en):
Clive Coates MW (Master of Wine) is one of the world`s leading wine authorities. His lifetime of distinguished activity in the field has been recognised by the French government, which awarded him the Chevalier de L`Ordre du Mérite.

Covertext:
"A master class in Burgundy, given by one of the world`s foremost authorities. Coates, who clearly adores the region, knows Burgundy intimately. His evaluations of its wine producers are delightfully opinionated." Jacqueline Friedrich, author of The Wines of France
Unser Eindruck:
10 Jahre nach dem Erscheinen des ersten Standardwerks von Clive Coates über das Burgund mit dem Titel "Côte d`Or" kam im Jahr 2008 die Komplettüberarbeitung unter dem Titel "The Wines of Burgundy" heraus. Dem Vergleich zum Original muß er sich also stellen, egal wie gut und unverzichtbar die Revision ist. Ein Buch mit dieser Informationsfülle zu erstellen ist in jedem Fall eine Herkulesaufgabe und ein Lebenswerk. Hinzu kommt, dass das Burgund zwar praktisch nur eine rote (Pinot Noir) und eine weiße (Chardonnay) Rebsorte pflegt, wegen der vielen unterschiedlichen Böden und Climats sowie Produzenten sehr komplex ist. Nicht genug, in kaum einem anderen Anbaugebiet ist die Jahrgangsqualität so wichtig wie hier. Um all diesen Gegebenheiten gerecht zu werden sind auch 1000 Seiten letztlich zu wenig.

Das in English geschriebene Buch ist nicht als Lesebuch konzipiert, sondern als Nachschlagewerk in zwei großen Teilen und einer Einführung: Teil 1 umfasst auf knapp 300 Seiten die Beschreibungen der Appellationen, Weinberge und Produzenten. Teil 2, mit 500 Seiten sehr umfangreich, enthält die Verkostungsnotizen aus den Jahren 1959 bis 2003 und zudem eine Einführung in die Jahrgänge 2004 bis 2006. Jeder Jahrgang wird einzeln skizziert und klassifiziert. Alle Weinverkostungsnotizen sind nach dem Jahr 2000 entstanden, alte Verkostungsnotizen wurden also nicht übernommen. Clive Coates bewertet nach der klassischen britischen 20 Punkte Methode. Wirklich wertvoll in diesem Abschnitt sind die Jahrgangsbeschreibungen, für das Burgund wird es in der Literatur da schon ziemlich dünn. Nach Teil 2 schließt sich ein Tabellenwerk aus sieben Anhängen an. Hier werden die Bewertungen der Jahrgänge und Domänen nochmals zusammengefasst. Der Index am Ende des Buches ist sehr ausführlich.

In der Buchmitte befindet sich zudem ein sehr hilfreiches und ausgezeichnetes Kartenmaterial von insgesamt 42 Lagenkarten. Clive Coates greift dabei natürlich auf das berühmte Material von Landvermesser und Direktor auf Clos de Tart Sylvain Pitiot zurück, erweitert dies aber um zahlreiche weitere Karten. Noch nirgendwo gesehen haben wir die Detailkarte des Clos de Vougeot mit den Details der einzelnen Besitzungen.

Der vielleicht nützlichste Teil des Buches bleibt aber der erste Teil. Clive Coates strafft die ausführlichen Beschreibungen von rund 60 Domänen, ergänzt aber die Unterregionen Chablis und Côtes Chalonnaise. Vielleicht ist dies der schmerzlichste Verlust, aber ein Update dieser Informationsfülle hätte den Autor möglicherweise überfordert. Dennoch: Clive Coates arbeitet sich Dorf für Dorf, Climat für Climat und Domäne für Domäne durch das Burgund. In dieser Zusammenstellung ist das Buch einzigartig, insbesondere die Vorstellung der einzelnen Crus mit den Anteilen der Besitzer. Hier kann der Burgund-Liebhaber schier verzweifeln: wie viele Besitzer gibt es denn nun vom Musigny oder Bonnes Mares? Leider findet sich nur für den Clos de Vougoet die Lagenkarte der Besitzer. Aber gerade hier ist es sehr interessant, in welchem Abschnitt sich die Lagen befinden. Weiter oben am Hang oder unten Richtung Dorf, wo die Böden deutlich unterschiedlich sind.

Das Buch ist derart gespickt mit erstklassiger Information, dass der Leser schier erschlagen ist. Kein einziges Foto nimmt Platz für Information und noch einmal Information. Das Buch ist nicht nur ein Klassiker der modernen Weinliteratur, es ist ein Muß für jeden ernsthaften Burgunder-Fan. Und dennoch spürt der Leser, dass Clive Coates nicht nur objektiver Protokollant, sondern in diese Region, seine Weine und Domänen regelrecht verliebt ist. Die Komplexität und Kleinteiligkeit des Burgunds ist sicher auch ein Schlüssel seiner Faszination. Von keinem großen Wein gibt es mehr als 500 Fässer, kein Wunder, dass trotz astronomischer Preise keine Flaschen auf dem Markt auftauchen.

Wer dem Geheimnis Burgund näher kommen möchte muss dieses Buch haben.

Unsere Bewertung: