Champagner

Die dramatische Geschichte des edelsten aller Getränke



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Don Kladstrup, Petie Kladstrup
1. Dt. Ausgabe, gebunden, 319 Seiten (2007)
Verlag Klett-Cotta, Stuttgart, ISBN: 360894446X

Autor(en):
Don und Petie Kladstrup sind amerikanische Korrespondenten und leben in Frankreich. Als Autoren des Bestsellers "Wein und Krieg" haben sie sich einen Namen gemacht.

Covertext:
Die Champagne, angeblich eine ganz unspektakuläre Landschaft, ist in Wirklichkeit eine der geschichtsträchtigsten Regionen Europas. Seit dem 5. bis ins 20. Jahrhundert wurde sie immer wieder überfallen, überrannt, besetzt, geplündert und dem Erdboden gleichgemacht, als Schlachtfeld im Ersten und zuletzt von Hitler im Zweiten Weltkrieg.

Don & Petie Kladstrup inszenieren ein Drama, in dem es um Intrigen und Macht, Leidenschaften und Liebe geht, zu dem Geheimdiplomatie und historische Momente ebenso gehören wie schöne Frauen, die der Champagner angeblich noch schöner macht. Es ist ein Abenteuerroman und Mantel- und Degenstück, das in Kaschemmen wie in Königshäusern spielt. Ein Krimi, der für Augenblicke das Tragische streift, untermalt von delikaten Zwischen- und erotischen Untertönen, die in den Aufstieg und Triumph des Champagners ebenso verflochten sind wie seine unendlichen Geschmacksnuancen.
Unser Eindruck:
Mag der Titel "Champagner" noch für ein Weinbuch sprechen, stellt der Untertitel "Die dramatische Geschichte des edelsten aller Getränke" klar, dass es sich um ein Geschichtsbuch handelt. Und ein ausgezeichnetes dazu. Man merkt, dass die Autoren gute Journalisten sind, die Sprache ist anschaulich, leicht lesbar und wirkt fesselnd. In einigen Kapiteln fällt es direkt schwer, das Buch wegzulegen. Ein dramatischer Aspekt der Weltgeschichte, spannend erzählt, das heißt aber auch: es ist ein bedrückendes, betroffen machendes Buch. Muss man doch lesen, wie die Region Champagne über Jahrhunderte immer wieder im Zentrum blutigster Kämpfe war. Und immer wieder muss man feststellen, dass deutsche Soldaten eine besonders schlimme Rolle gespielt haben, was einen deutschen Leser noch mehr betroffen macht.

Doch der weite geschichtliche Bogen beginnt im Jahre 451 mit Attila, der in der Champagne in einer der blutigsten Schlachten der Weltgeschichte mit 200.000 Toten geschlagen wurde. Die Bedeutung der Region für die europäische Geschichte beginnt kurz danach, als Chlodwig die Römer vertrieb und sich im heutigen Reims nach gewonnener Schlacht gegen die Germanen taufen ließ. Der bei den anschließenden Feierlichkeiten getrunkene Wein aus der Region begründete den Ruf als Wein zu besonderen Anlässen. Gleichzeitig begründet diese Geschichte die Bedeutung von Reims als Krönungsort für die französischen Könige und die Symbolkraft als das Herz Frankreichs vor den Toren von Paris.

Die eigentliche Geschichte der Champagne und auch die "Geschichten" dieses Buches beginnen mit zwei Schlüsselpersonen, die fast zeitgleich geboren wurden und auch verstorben sind: König Ludwig der XIV. und Dom Pérignon. Und schon befindet man sich mitten drin in der so spannenden geschichtlichen Entwicklung. Im Alter von 30 Jahren wurde Dom Pérignon als Verwalter in die fast vollständig zerstörte Abtei Saint-Pierre von Hautvillers gesandt. Dom Pérignon, auch Kellermeister der Abtei, erkannte den außerordentlichen Wert der Weinberge von Hautvillers und begann sofort mit dem Wiederaufbau der Rebflächen. Obwohl Dom Pérignon meist als Vater und Erfinder des Champagners bezeichnet wird, skizzieren die Kladstrups ein anderes Bild: Dom Pérignon versuchte zeitlebens, das Perlen des Weines zu verhindern und war in dieser Hinsicht - erfreulicherweise - nicht erfolgreich. Sein wahres Genie lag in der Komposition der assemblage der Weine, gefördert durch einen fast "absoluten" Geschmack, der es ihm erlaubte sogar einzelne Lagen zu unterscheiden. Zudem war er der erste, der die Flaschen mit Korkstopfen verschloss. Damals waren Trauben und auch der Wein übrigens rot gefärbt.

Die vielen Details dieses exzellent recherchierten Buches zu erwähnen ist nicht Aufgabe einer Rezension und würde diesen Rahmen auch sprengen. Sie zeigen jedoch immer wieder die Einfühlsamkeit und Nähe der Autoren insbesondere zu den Menschen dieses gesegneten und auch geschundenen Flecken Erde. Entlang der Weltgeschichte der vergangenen drei Jahrhunderte erlebt man die Entwicklung vieler berühmter Champagner-Häuser und versteht heutige Strukturen. Als eines der ersten Produkte wurde Champagner in einer Welle der Globalisierung in alle Welt exportiert. Und immer war man durch den hohen Exportanteil auch Profiteur und Verlierer der weltgeschichtlichen Entwicklungen, z.B. im amerikanischen Bürgerkrieg, dem Fall des Zarenreiches oder der Phase der Prohibition in den USA. Und immer wieder wussten die Winzer mit unglaublichem Mut und ebenso unnachahmlicher Kreativität die Probleme zu kontrollieren oder sogar Schaden (Raub von Champagner) für sich zu nutzen (durch eine starke spätere Nachfrage der "Räuber").

Wer Champagner liebt und gerne trinkt, sollte dieses Buch unbedingt gelesen haben. Es öffnet eine neue, extrem wichtige Perspektive, die für das Verständnis dieses einmaligen Naturproduktes wichtig ist. Es ist auch, obwohl von amerikanischen Autoren geschrieben, ein bedeutendes Element für das Verständnis des deutsch französischen Verhältnisses und gibt damit gute Hinweise für die Wichtigkeit einer Versöhnung ohne Vergessen.

Unsere Bewertung: