Brancaia

Casa Brancaia S.a.r.l.
Località Poppi
I-53017 Radda in Chianti (SI)

Tel: +39 (0577) 742 007
Fax +39 (0577) 742 010


info@brancaia.it
www.brancaia.it


Die Geschichte des Gutes Brancaia folgt dem klassischen Muster vieler Güter in der Toskana in den vergangen Jahren. Es gibt nur einen entscheidenden Unterschied: Brancaia hat sich fest in der kleinen Gruppe der Top-Betriebe etabliert.

Die Familie von Brigitte und Bruno Widmer aus Zürich sucht 1981 ein Ziel für die Ferien. Brigitte Widmer setzt sich durch und die Familie fährt mit den drei Kindern in die Toskana und besucht einen Bekannten: Ruedi Bettschart, Mitbesitzer des Diogenes Verlags, ebenfalls aus Zürich. Hr. Bettschart besitzt schon länger ein Haus in der Nähe von Castillina in Chianti. Sich in diese Gegend zu verlieben ist nicht schwer, die Widmers aber handeln rasch: ein Landhaus in der Nähe steht zum Verkauf und noch im Urlaub wird dieser Besitz erworben. 1981 aber war es den Verkäufern noch wichtig, nicht nur das Haus, sondern auch das zugehörige Land loszuwerden. Also kaufte man eben die 10 ha, größtenteils Rebflächen, mit - sozusagen notgedrungen. Rasch stellte die Familie Widmer fest, dass auch eine große Familie mit vielen Freunden diese Weinmengen weder trinken noch verschenken kann. Man begann also mit der Renovierung des Landhauses auch den Weinbau professionell aufzuziehen. Bereits der Jahrgang 1983 erzielte bei einer Chianti Classico Verkostung einen ersten Platz, ein Senkrechtstart.


Die Rebflächen in Radda liegen perfekt nach Südwesten ausgerichtet. Auf der rechten Seite im Bild reift Merlot für den Jahrgang 2011.

Eine substanzielle Vergrößerung gelang Brancaia durch den Erwerb von weiteren 16 ha Rebfläche zwischen Castillina und Radda im Jahre 1989. Das herrliche Anwesen umfasste auch entsprechende Gebäude, die für die Vinifizierung umgebaut und 1998 fertiggestellt wurden. Da die Gesetze für Neubauten sehr strikt sind und im Außenbereich der Gemeinden kaum neue Gebäude genehmigt werden, war dies eine wesentliche Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Weinguts, da die Vinifizierung der Weine bis dahin im befreundeten Castello di Fonterutoli erfolgte.

Das Weingut ist sehr funktionell ausgelegt und überrascht durch seine farbenfrohe und schnörkellose Gestaltung. Das Barrique-Faßlager im Keller beeindruckt durch seine Größe und sein Farbenspiel an Decke und Wänden. Man spürt die Handschrift von Barbara Widmer, die zunächst einige Semester Architektur studiert hat. In einer etwas ruhigeren Zeit startete sie eine Aktion, bei der alle Angestellten das ganze Gebäude innen in den Farben der Etiketten getrichen haben. Heute, so fügt sie an, hätten praktisch alle Mitarbeiter zuhause zumindest eine Wand in einer Brancaia-Farbe.


Barbara Widmer lebt mit ihren Kindern seit vielen Jahren auf Brancaia.

1998 dann die zunächst letzte Erweiterung der Rebflächen durch Erwerb des Gutes Brancaia in Maremma. Die hinzu gewonnen 20 ha schrauben die Produktion auf eine wirtschaftliche Größe von rund 450.000 Flaschen pro Jahr nach oben. In dieses Jahr fällt auch die Übernahme der Verantwortung für Brancaia durch Barabara Widmer, die mittlerweile in der Schweiz nach verschiedenen Stationen Oenologie studiert hatte. Seit vielen Jahren wohnt sie zudem auf dem Gut. Ihr - geschiedener - Mann betreibt weiterhin die Weinhandlung der Familie in Zürich und kümmert sich um den weltweiten Vertrieb für das Weingut. Das von der Familie 1981 erworbene Ferienhaus wurde zwischenzeitlich in einen Agritourismo-Betrieb mit vier Wohnungen umgebaut.

Brancaia wird, wie einige prominente Güter im Chianti ebenso, seit 1992 von dem mittlerweile berühmten Oenologen Carlo Ferrini beraten. Man hat dennoch den deutlichen Eindruck, dass heute vor allem Barabara Widmer die Richtung auf Brancaia vorgibt. Und diese ist klar auf Qualität ausgerichtet. Tradition bedeutet ihr wenig, sie möchte einfach sehr guten Wein machen. So sind ihre Weine auch klar auf Weicheit und Eleganz hin ausgebaut, erst in 20 Jahren trinkbare Tanninmonster sind nicht ihr Ding.

Da ist die Basislinie mit dem Brancaia Tre (gelbes Etikett), hergestellt aus Trauben von allen drei Weingütern und den Rebsorten Sangiovese mit etwas Merlot und Cabernet Sauvignon. Der Ausbau erfolgt über 12 Monate im Tonneaux. Es folgt in der Hierarchie der braun etikettierte Chianti Classico DOCG aus 85% Sangiovese und 15% Merlot. Spitzenprodukt ist der Brancaia Il Blu IGT mit dunkelblauem Etikett, aus einer Cuvée aus 50% Sangiovese, 45% Merlot und 5% Cabernet Sauvignon. Der Blu wird über 20 Monate in zu 2/3 neuen Barriques ausgebaut. Mit dem Jahrgang 2008 wird diesem Wein ein weiteres Jahr der Flaschenreife verordnet, weswegen der Jahrgang 2008 auch erst im Herbst 2011 auf den Markt kommt. Dieses substanzielle Investment dient auch der Absicherung der Top-Qualität, ist der Blu doch ein Dauergarant für die begehrte Auszeichnung "Tre Biccheri" des Gambero Rosso.


Die Produktpalette wirkt, wie alles bei Brancaia, geradlinig und klar strukturiert.

Der vierte Wein stammt ausschließlich aus der Maremma und heißt Ilatraia. Unter seinem anthrazitdunklen Etikett findet sich ab dem Jahrgang 2009 eine Cuvée aus 40% Cabernet Sauvignon, 40% Petit Verdot und 20% Cabernet Franc. Der Ausbau im Barrique dauert hier 18 Monate. Erwähnt sei noch der Start einer Versuchsphase mit einem Weißwein "Bianco" auf Sauvignon-Basis.

Auf Brancaia beeindruckt die Konsequenz, mit der hier gearbeitet wird. Barbara Widmer meint es ernst mit dem Weinbau auf Top-Niveau, es ist nicht nur ein Hobby. Auch investiert wird, wo notwendig und der Qualität dienlich - Protzbauten sind ihr fremd. Man hat den Eindruck, die jahrelange Arbeit auf Brancaia hat ihr viel Kraft abverlangt und doch mindestens so viel Kraft und Freude zurück gegeben, sie wirkt ernst und konzentriert. Ihre Weine haben sich mittlerweile exzellent etabliert, sind mit vielen Preisen und hohen Noten ausgezeichnet worden. Dennoch muß man erst einmal jedes Jahr fast ein halbe Million Flaschen verkaufen, heute ist das in den rasch folgenden Krisen garnicht so einfach. Gäste auf Brancaia zu empfangen sind ein sehr wichtiges Marketing-Tool und Barbara Widmer gibt sich hier allergrößte Mühe. Wer erst einmal den langen Weg auf der Schotterstrasse gefunden hat, darf nicht enttäuscht werden - und wird es auch nicht. Man muß ja nicht am Sonntag an ihrem Wohnhaus klingeln...

Ob irgend jemand in der Familie seit 1981 den Kauf je bedauert habe, wollen wir noch wissen. Sie überlegt nicht. "Nein, nie".