Reflexionen zum Weinjahr 2019

09. November 2019



Die unvergeßliche Feier zum 25. Bestehen der DOC Bolgheri Ende August 2019 auf der berühmten Zypressenallee war der Höhepunkt eines Jahres, das einen Wendepunkt für den italienischen Wein markierte. Zeit für eine Einordnung der wichtigen Themen eines weiteren spannenden Wein-Jahres 2019.

  • Der endgültige Durchbruch der DOC Bolgheri

    Was für eine Dramaturgie! Ende November 2018 wählt der Wine Spectator den Sassicaia 2015 zum Wine of the Year. Der im Frühsommer 2018 vermarktete Wein war bereits so gut wie ausverkauft und "verschwand" sofort aus den Regalen der Vinotheken und Online-Shops. In der ersten Januar-Woche begann die Abfüllung des Sassicaia 2016 und nur wenige Tage danach der Paukenschlag: Monica Larner für den Wine Advocate von Robert Parker vergibt eine 100 Punkte Bewertung für diesen Wein. Ein historischer Moment: der 1. Wein Italiens, der die 100 Punkte zum zweiten Mal erreichte - nach 30 Jahren!

    War der Jahrgang 2015 noch für eine längere Zeit zu kaufen, galt dies für den 2016er nicht. Die Tenuta San Guido entschied sich, den Wein nur ganz leicht im Preis für die Importeure anzuheben, dafür aber die Mengen massiv begrenzt und zeitlich gestreckt in den Markt zu bringen. Unfassbar, aber wahr: der Sassicaia hat binnen acht Wochen das Preisband zwischen 200 und 300 Euro pro Flasche einfach übersprungen.

    Aber nicht nur die Sassicaia Jahrgänge 15 und 16 wurden extrem hoch bewertet. Masseto folgte mit zwei Mal 100 "Parker-Punkten", weitere Weine mit 99 Punkten und 98 Punkten. Nicht Bolgheri, aber noch in der Toskana ist der Solaia 2015, der ebenfalls 100 Punkte bekam. Wir lieben diese "Punkte-Fokussierung" und deren Inflation nicht, aber was hier passierte ist definitiv als historisch einzuordnen.

    Bolgheri ist die jüngste der Spitzen-Appellationen Italiens und feierte im August 2019 mit einem grandiosen Fest sein erst 25 jähriges Bestehen. Mit Sondergenehmigung der UNESCO wurde die Zypressenallee vom Meer nach Bolgheri gesperrt und eine mehrere hundert Meter lange Tafel für 700 geladene Gäste aufgebaut. Nur wenig mehr als 1200 ha Rebfläche genügten der DOC Bolgheri, um endlich zu den weltweit führenden Appellationen aufzuschließen. Kurz nach der Feier wurde bekanntgegeben, dass der langjährige DOC-Präsident Zilieri die Führung der DOC an Albiera Antinori abgegeben hat. Die Weichen für die Zukunft sind wahrlich gestellt.

  • Robert Parker zieht sich endgültig zurück

    Den langen und wohl vorbereiteten, schrittweisen Abschied von der Weinkritik vollzog Robert Parker in 2019 nun endgültig. Die Wirkung seiner Publikation The Wine Advocate hat aber bislang kaum abgenommen und stellt immer noch die Referenz in der Weinwelt dar. Die berühmten "Parker-Punkte" bestimmen weiter die Marktpreise und das Renommee der Weine und ihrer Produzenten.

    Dennoch bedeutet der Rückzug der Qualitätsreferenz der letzten Jahrzehnte eine Zäsur. Einen einzigen Nachfolger wird es nicht mehr geben, die Weinkritik dürfte sich aufspalten auf viele "Nachfolger". Trotz aller Debatten über den Einfluss Parkers auf den Stil vieler Weine bleibt sein Verdienst für eine breite Qualitätssteigerung der internationalen Weine unbestritten.

  • Internationale Weinmessen im Wandel

    Der globale Kampf um die Bedeutung der wichtigsten Marktplätze für den Weinhandel läßt traditionelle Strukturen wanken. Ob Primeurwoche in Bordeaux, VinExpo, ProWein, VinItaly oder andere gewohnte Ankerpunkte der professionellen Weinwelt, die Konkurrenz insbesondere der asiatischen Veranstaltungen zwingt zum Umdenken. Hong Kong und Shanghai laufen Verona, Bordeaux, Paris, London und Düsseldorf den Rang ab, verschieben die Bedeutung.

    Trotz aller Digitalisierung bleiben die persönlichen Treffen von Produzenten, Presse und Handel ein sehr wichtiges Element. Die bedeutenden Châteaus in Bordeaux haben das erkannt und bitten die Gäste in ihre Häuser zu aufwendigen Präsentationen und Galadiners. Hier kontrollieren und optimieren sie die Bedingungen für die Verkostungen. Den UGCB-Verkostungen bleiben sie immer öfter fern und entwerten diese traditionelle Struktur.

  • Die teuersten Weine kann man auch für viel Geld nicht kaufen

    Das Phänomen ist nicht neu, verschärft sich aber immer weiter. Eine zunehmende Spekulation in der Kette vom Hersteller über den Broker und Importeur bis zum Einzelhandel führt dazu, dass die gesuchtesten Weine faktisch nicht mehr zu kaufen sind. Geld spielt dabei keine echte Rolle, es gibt kein Angebot. Wer immer in der Lieferkette Flaschen ergattert, er gibt sie nicht mehr weiter und wartet auf weiteren Wertzuwachs. Spektakulär zu beobachten war dies bei den hohen Punktebewertungen einiger italienischer Spitzenweine, die in 2019 auf den Markt gekommen sind - theoretisch zumindest.

  • Der Zollstreit erreicht den Weinmarkt

    Seit dem 18. Oktober 2019 hat der Zollstreit zwischen Europa und den USA auch den Weinmarkt erreicht. Weine aus Deutschland, Frankreich, Spanien und Großbritannien werden beim Export in die USA mit zusätzlichen Zöllen von 25% belegt. Interessanterweise ist Italien ausgenommen, ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Ob diese Regelung bis zur kommenden Primeurs-Kampagne für die Bordeaux-Weine weiter gelten wird? Der asiatische Markt wird diese Mengen sicher spielend aufnehmen. Für viele deutsche Weißweine dürfte das nicht so einfach sein.





Tenuta San Guido
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Kaum vorstellbar, aber wahr: nach dem herausragenden Jahrgang 2013 legt der 2015er sogar noch einen Tick zu. Eine verführerische, reife und süße Kirschfrucht entwickelt sich am Gaumen mit Kraft und cremiger Textur aus Samt und Seide. Eine wunderbare Frucht-Säure Balance trägt den vielschichtigen und körperreichen Wein mühelos in ein langes und schon fast dramatisches Finale. Ein super-hedonistischer, großer Sassicaia, der nicht nur mit seiner unwiderstehlichen mediterranen Aromatik verführt. Der Sassicaia 2015 wurde vom Wine Spectator zum Wein des Jahres 2018 gewählt.

339,00 €

0,750 l (452,00 €/l)


Champagne Krug
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Der Krug Champagne Clos du Mesnil 2000 belegt wieder einmal eindrucksvoll die Regel, dass die großen Terroirs gerade in schwierigeren Jahren brillieren. Dabei war 2000 in der Champagne kein schlechtes Jahr, aber eben auch kein großes. Der winzige, vollständig mit einer Mauer umfriedete Weinberg mitten in der Ortschaft Le-Mesnil-sur-Oger liegt geschützt und wurde von den Wetterkapriolen im Herbst nicht betroffen. Der 2000er ist ein fruchtbetonter, kraftvoller Champagner mit enormer Finesse und unglaublicher Länge. Es sind die wenigen wirklich großen Lagen, die alle diese Gegensätze scheinbar mühelos zusammenführen.

1.199,00 €

0,750 l (1.598,67 €/l)


Château Mouton Rothschild
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"Premier je suis, second je fut, Mouton ne Change" - dieser berühmte Satz auf dem Etikett des 1973er Mouton Rothschild feiert auf bescheidene Weise die Erhebung in den Stand des fünften Premiers Crus des Médoc. Es war die einzige Korrektur der seit 1855 bestehenden Klassifikation - und wird es auch vermutlich für sehr lange Zeit bleiben. Den Wein selbst braucht man nicht zu feiern, dafür waren die 1970er Jahre zu schwach und 1973 lag dabei noch am unteren Ende. Dafür ist die Flasche auch noch aus einem zweiten Grund ein höchst begehrtes Sammlerstück: das Künstleretikett stammt von keinem Geringeren als Pablo Picasso. Wir bieten diese heute seltene Flasche mit perfektem Etikett an!

389,00 €

0,750 l (518,67 €/l)