Vini d`Italia tour 2016 München

12. Februar 2016



Am 25. Januar war es nach einigen Jahren der Abstinenz wieder soweit: der Gambero Rosso kehrte zurück ins Münchner BMW Museum zur Präsentation der höchst prämierten Weine des Jahres, den "tre bicchieri" Weinen. Ja, keine 100 Punkte oder fünf Sterne, sondern lediglich drei symbolisierte Gläser benötigt dieser Verlag, um Weinfreunde in aller Welt und natürlich auch die prämierten Weingüter in Italien in Verzückung zu versetzen. Es war zudem ein genialer Schachzug, jedes Jahr nicht nur die neueste Ausgabe dieses Weinführers, sondern auch gleich noch die Weine dem italien-affinen Publikum in München vorzustellen. Mit nur vier Autostunden bis nach Verona gilt München ja insgeheim auch als nördlichste Stadt Italiens, der Gardasee quasi als Naherholungsgebiet der Münchner. Frühere Veranstaltungen im BMW-Museum waren legendär und konnten mit den Menschenmassen aus Ausstellern und Besuchern kaum noch umgehen. Dann kam es zum Bruch zwischen dem Gambero Rosso und dem Verlag der deutschen Ausgabe, dem Münchner Hallwag Verlag. Der Gambero Rosso war über die Jahre auf einen Umfang von über 1.000 Seiten angewachsen, dem Aufwand für den Verlag mit Übersetzung und Buchproduktion stand nur noch ein Verkaufszeitraum von etwa acht Monaten bis zur nächsten Ausgabe gegenüber. Zu wenig, um profitabel zu sein. Mit der Trennung endete auch die Weinpräsentation in München.


Gut besucht war die Rückkehr der Vini d`Italia Präsentation in München. Obwohl bei Weitem noch nicht auf dem Niveau von früher ist ein erfolgreicher neuer Anfang gemacht.

Ganz langsam versuchte der Gambero Rosso in Deutschland wieder Fuß zu fassen. Es gab kleinere Alternativveranstaltungen in München und man wich aus nach Düsseldorf, hängte sich an die ProWein. Zudem nahmen immer weniger renommierte Weingüter an den Verkostungen teil, mit dem Ruhm der großen Weine schwand die Notwendigkeit des intensiven Marketings für die Top-Produzenten in Deutschland. Doch den deutschen Markt und hier auch speziell München kann man in Italien nicht so einfach ignorieren, Deutschland nimmt ganze 20% des italienischen Weinexports auf und ist damit die Nummer 1 aller Länder. Hinzu kommen die zahllosen deutschen Weintouristen in Italien, die vor Ort Wein einkaufen und mitnehmen. Über 1 Mrd. Euro ist der deutsche Markt für italienische Weine heute groß.

Das BMW Museum ist ein perfekter Rahmen für eine solche Großveranstaltung, was auch von den Ausstellern bestätigt wurde. Zum Revival waren 99 Produzenten repräsentiert, oft durch die Winzer selbst, oft durch die deutschen Importeure vertreten. Relativ schnell zeigte sich, dass das Fehlen von direkten Vertretern der Weingüter negativ wirkt, schon bei eher einfachen Nachfragen mussten diese meist passen. Die vorgestellten Produzenten und Weine waren hochwertig, aber die allererste Garde Italiens fehlte fast ganz. So waren die berühmten Güter der Toskana ebenso wenig repräsentiert wie die renommierten Produzenten aus dem Piemont. Das verwundert kaum, denn selbst vor Ort sind diese Weine nicht zu kaufen. In der zweiten Reihe aber gab es ein sehr gutes, hochklassiges und breites Angebot.


Einen spannenden und sehr guten Wein präsentierte das Castello di Fonterutoli.

Castello di Fonterutoli (Toskana), Mix36 2011
Im Herzen des Chianti Classio produziert das Castello di Fonterutoli seit vielen Generationen typische Sangiovese Weine. Der Mix36 ist eine neue Kreation, die die Experimentierfreudigkeit des Hauses demonstriert: in einer einzigen Lage wurden 36 Sangiovese Klone angebaut, 18 davon gehören der Familie Mazzei. Gante 5.000 Flaschen gibt es im Moment von diesem Experimentalwein, der sich großartig präsentiert. Quasi aus dem Stand erringt dieser Wein die "Drei Gläser" des Gambero Rosso.

Fuligni (Toskana), Brunello di Montalcino 2010
Am Stand fast direkt daneben zeigt der Produzent Fuligni seinen Brunello aus dem Fabeljahrgang 2010. Die hellbraun / orange Farbe täuscht: ein Wein mit großer Konzentration, Eleganz und Frucht. Der Riserva dieses Jahrgangs wird auf der ProWein 2016 erstmals vorgestellt und soll wohl eine sehr hohe Parker-Bewertung bekommen haben. Das Weingut liegt übrigens relativ weit oben in Montalcino, ein Hauptgrund für die Finesse der Weine dieses Hauses. Der Abgang dieses Brunello könnte länger sein.

Poliziano (Toskana), Vino Nobile Asinone 2012
Nicht weit von Montalcino entfernt liegt Montepulciano, berühmt für seine Vino Nobile. Spitzenproduzent dieser Region ist zweifellos Poliziano, ein Blick auf das Luftbild dieses Weinguts zeigt, dass man hier wohl nicht viel falsch gemacht hat, denn es wurde massiv investiert. Der Spitzenwein Asinone des Jahrgangs 2012 zeigt sich in der Farbe undurchdringlich tiefschwarz. Am Gaumen super fruchtig und von großer Statur. Nicht nur dieser Wein muss unbedingt noch ein paar Jahre lagern.

Petra (Toskana), Petra Rosso 2012
Auch die Küstenregion der Toskana war stark in München vertreten. Das riesige und top-moderne Weingut Petra präsentierte den Rosso 2012 mit neuen Etiketten. Ein schöner, kräftiger Maremma-Wein, den wir allerdings vor Ort deutlich höher eingeschätzt hatten.

Castello di Bolgheri (Toskana), Castello di Bolgheri 2012
Das Castello di Bolgheri schenkte seine aktuellen Weine aus, vor allem den 2012er Castello di Bolgheri. Und dieser Wein war in München genauso überzeugend wie im Weingut vor einigen Monaten. Stéphanie Heintz vertrat das Weingut selbst, wie immer begeistert und mit mindestens so viel Energie ausgestattet wie die vorgestellten Weine, die jedes Jahr weiter zulegen und schon heute zur Spitze in Bolgheri zählen.

Podere Sapaio (Toskana), Bolgheri Rosso 2012
Ebenfalls selbst präsentierte Massimo Piccin den Tre Bicchieri Wein seines Weinguts Podere Sapaio aus Bolgheri. Und dieser Wein kann sich mehr als sehen lassen, ein typischer Bolgheri mit massiver Frucht und wärmender Kraft. Die Leistungsdichte in Bolgheri und der Maremma wird immer größer - schön für die Konsumenten, die eine große Auswahl von Weinen vorfinden. Von 20 bis 200 Euro gibt es hier großartige Weine.

Serafini & Vidotto (Venetien), Rosso dell`Abazia 2012
Es waren nur wenige Schritte hinüber zu den Tischen mit den großartigen Weinen aus Venetien. Ein Solitär aus der Region Treviso ist Serafini & Vidotto. Von den bislang 18 gekelterten Jahrgängen erhielt nur der 2009er die "Drei Gläser" nicht! Der Blend aus 35% Cabernet Franc, 60 % Cabernet Sauvignon und 5% Merlot ist ein Hammer. Sein massiver Körper wird von einer feinen Balance im Zaum gehalten, der Wein wirkt unglaublich zugänglich. Gehört zu unseren persönlichen Top 3 dieser Verkostung.

Bertani (Venetien), Amarone 2007
Der zweite Wein aus der Top 3 Liste stammt auch aus Venetien, allerdings ein ganzes Stück von Treviso entfernt. Es ist der klassische Amarone aus dem Traditionshaus Bertani. Nach fast 10 Jahren der Lagerung kommt dieser Wein perfekt gereift mit geschliffenen Tanninen und einer wunderbaren Balance auf den Markt. Das ist kein Marmeladen-Amarone, sondern ein Wein mit Finesse, Frucht und Schliff.

Allegrini (Venetien), Amarone 2011
Der Wein des Abends aber war für uns der Amarone 2011 aus dem Hause Allegrini in Fumane. Der Wein vertrömt schon beim Einschenken ein unwiderstehliches Bukett von reifen Früchten. Am Gaumen tanzt er förmlich vor Finesse und Eleganz. Hier ist alles an seinem Platz. Der lange und feine Abgang rundet das Gesamterlebnis überzeugend ab. Jahr für Jahr produziert man hier Spitzenamarone, die Beispiel gebend für die Weine einer ganzen Region sind. Nicht nur in den USA sind die Verbraucher begeistert. Allegrini wurde zudem in 2016 als "Weingut des Jahres" vorgestellt.

Der Vini d`Italia ist zurück im BMW-Museum und das Revival ist gelungen. Kein Lob ohne Wunsch für die Zukunft: bitte noch mehr Spitzenbetriebe aus dem Piemont überzeugen, sich hier zu präsentieren. Und so langsam auch die Gajas, Sassicaias und Conternos wieder an die Isar holen.

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Ein ungewöhnlich reicher und fruchtiger Rosé mit einem intensiven Bukett nach Erdbeeren, Pfirsichen und Steinobst. Im Mund dann noch Vanille und Karamell. Herrlich süß und lang im Abgang, der durch eine markante Säure frisch und mineralisch salzig wirkt. Ein sehr feiner Champagner mit großem Lagerpotential.

399,00 €

0,750 l (532,00 €/l)

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Das Wetter in Bolgheri war zu Beginn des Sommers typisch heiß und trocken, kühlte später aber ab. Gelegentlicher Regen war für die Reben günstig, aber der Lichteinfall verzögerte das Ausreifen. Durch die konstanten Winde vom Meer war eine eher späte Ernte aber kein Problem, ein Luxus in dieser Region im Vergleich z.B. mit Bordeaux. Im Fass noch ein feiner, zurückhaltend-eleganter Wein , doch bereits ein Jahr der Flaschenreife hat genügt, um diese schlafende Schönheit zu wecken. Großartige Frucht und Statur mit perfekten Tanninen und feinster Säure.

229,00 €

0,750 l (305,33 €/l)

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Als kühler Jahrgang mit ansonsten praktisch perfekten Wetterbedingungen zeigen sich die Champagner aus 2004 sehr säurebetont. Der SWC bleibt mit seinem hohen Pinot Noir Anteil aber ein voller, reicher und mit kräftiger Frucht ausgestatteter Champagner und verbindet dies mit einer besonders frischen Säurenote. Ein sehr feiner, langer und balancierter Champagner mit deutlich mineralischer Note. Release September 2015.

239,00 €

0,750 l (318,67 €/l)