Glenelly Estate- South Africa meets Bordeaux

05. November 2015 English



Bei Glenelly Estate laufen die beiden starken Weinbautraditionen Südafrikas und Frankreichs zusammen. Beginnen wir die Reise in die Zukunft des Weinbaus Südafrikas mit einem Blick in die Vergangenheit, also mit der Gründerin von Glenelly, May-Eliane de Lencquesaing. Sie als die "Grande Dame" des Bordelaiser Weinbaus zu bezeichnen ist sicher keine Übertreibung. Sie wurde 1925 geboren, als Tochter von Edouard Miailhe, der aus einer der bedeutendsten Weinhändlerfamilien am Place Bordeaux stammt. Die Firma nutze 1925 die Gelegenheit und erwarb das zweitklassifizierte Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande in Paulliac als einen weiteren Baustein der umfangreichen Besitzungen. 1978 kam es dann zu einer oft erzählten Geschichte. Nach dem Zusammenbruch der Firma riefen die Anwälte, die die Firma mittlerweile verwalteten, die drei Kinder von Edouard Miailhe zusammen, um die verbliebenen Besitzungen neu zu ordnen. Sie notierten diese auf je einem Zettel und zogen selbst die Lose. May-Eliane bekam Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande zugesprochen und war darüber zunächst tief schockiert, da sie ein erfülltes Leben im Norden Frankreichs führte. Dennoch widmete sie sich mit größtem Engagement dieser Aufgabe und führte "Lalande" konsequent und schnell in die Riege der besten Châteaus der Welt.

Sie arbeitete sich intensiv in den Weinbau ein, zog als erste Besitzerin selbst in das Château und investierte in Weinberge, Keller und Gebäude. Als weltoffene Frau machte sie sich auch auf in die Absatzmärkte ihres Weines und kümmerte sich persönlich um die wichtige Szene der Weinsammler in den USA. Die Qualität und der Absatz entwickelten sich im Gleichmaß. Schon vier Jahre nach der Übernahme half ihr mit dem Jahrhundert-Jahrgang 1982 auch das Glück der Tüchtigen: 100 Punkte von Robert Parker, dessen Stern ebenfalls mit diesem Jahrgang aufging. Es folgte eine lange Reihe von großen Lalande-Jahrgängen und nicht nur weinrouten betrachtet die Weine von Lalande als oft die feinsten des Bordelais mit einer unfassbaren Eleganz, verführerischen Aromatik und perfekten Fruchtintensität.


May-Eliane de Lencquesaing auf ihrem Weingut in Stellenbosch. In einem Alter, in dem alle anderen Menschen seit Jahren im Ruhestand sind packt sie noch einmal ein neues Projekt an.

Leider fand sich unter den vier Kindern von May-Eliane de Lencquesaing keines, das an einer Fortsetzung der Arbeit für Pichon Lalande interessiert war. Immerhin im Alter von 81 Jahren fand sich für die rastlose Besitzerin mit dem Verkauf an das Champagnerhaus Roederer dann doch eine Lösung. Vielleicht half ihr dabei auch die Tatsache, dass sie wenige Jahre vorher in Stellenbosch, Südafrika, eine Farm erwerben konnte um dieses zu einem Weingut auszubauen. Und damit beginnt sich ihre Geschichte mit der von Südafrika zu verbinden.

Die Ursprünge von Glenelly gehen in das 17. Jahrhundert zurück. 1911 erwarb Jack Garlick das über 120 ha große Land und die Obstfarm blieb ganze 92 Jahre im Familienbesitz. Nach umfangreichen Studien zum Boden und Terroir war May-Eliane de Lencquesaing von der hervorragenden Eignung von Glenelly für den Weinbau überzeugt und erwarb das Land in Stellenbosch. Hauptgründe waren der perfekte Wasserabzug des Bodens und die optimale Südausrichtung des Hanggeländes mit sehr viel Sonne. 2004 wurden dann 60 ha mit Weinreben bepflanzt. Der Rebsortenspiegel umfasst, ganz in französischer Tradition, 43% Cabernet Sauvignon, 19% Syrah, 13% Merlot, 8% Petit Verdot, 8% Cabernet Franc und 9% Chardonnay. 2006 folgte dann der Bau der Kellerei nach den neuesten Erkenntnissen der Weinbautechnik mit einer Vinifizierung ohne mechanische Pumpvorgänge. Seit 2007 werden auch erstmals eigene Trauben für die auf Glenelly hergestellten Weine verwendet, der Zukauf von Trauben sukzessive zurückgefahren. Die Inbetriebnahme des für die Region äußerst ungewöhnlichen, postmodernen Wirtschaftsgebäudes fällt in das Jahr 2009. Anlässlich ihres 85. Geburtstags wird Glenelly dann 2010 von May-Eliane de Lencquesaing feierlich eröffnet, für ein Start Up ist es eben niemals zu spät.


Die wichtigsten Weine von Glenelly mit ausschließlich französischen Rebsorten - wie könnte es anders sein.

Südafrika hat eine weit zurück reichende Weinhistorie. Bereits 1655 ließ der erste niederländische Gouverneur Jan Van Riebeeck Weinreben am Kap pflanzen und auch die Ursprünge der Glenelly Farm gehen bis 1682 zurück. Einen Aufschwung nahm der Weinhandel, als die Kap-Region 1807 unter Britische Administration fiel. Burenkriege und Apartheid beendeten diese Blüte und erst Mitte der 1990er Jahre eröffnete die politische Wende wieder neue Perspektiven für die Weinindustrie Südafrikas. Dabei sind die geografischen und klimatischen Bedingungen in der Kap-Region für den Weinanbau fast ideal. Das Klima ist mediterran, jedoch kühler, fast europäisch. Die Rebhänge werden geschützt von hohen Bergketten, die Winter sind regenreich, die Sommer trocken. Die geologisch sehr alten Böden begünstigen eine enorme Vielfalt an Rebsorten, die hier sehr gute Bedingungen finden. Zentrum des südafrikanischen Weinbaus ist die Universitätsstadt Stellenbosch, nur etwa 50 km von Kapstadt entfernt. Typisch für Stellenbosch war in der Vergangenheit der Anbau von Chenin Blanc aber das Bordeaux ähnliche Klima sorgt für stetig steigende Anteile an Rotweinsorten wie Cabernet Sauvignon, Merlot oder Syrah.

Die sehr günstigen Bedingungen am Kap führten zu einem massiven Investitionsschub in neue Weingüter insbesondere durch ausländische Investoren. Am Rande des Simonsbergs, ganz in der Nähe des berühmten Weinguts Rustenberg und noch fast am Ortsrand von Stellenbosch fand May-Eliane de Lencquesaing die Glenelly Farm und sprang 2003 auf den Zug der Investoren in die aufstrebende Weinregion auf. Einen südafrikanischen Wein mit einem markanten französischen Touch zu machen, ist ihr erklärtes Ziel. Sie versteht darunter Weine mit Eleganz, Balance und feinsten Tanninen. Ganz sicher ist Glenelly noch in der Experimentierphase, dennoch produziert man heute mehrere reinsortige Weine und zwei Cuvées, die die besten Qualitäten von Glenelly markieren. Neben den Rotweinen baut Glenelly auch Chardonnay an, der in zwei Qualitäten mit und ohne Barriqueausbau angeboten wird.


Der Top-Chardonnay wirkt sehr kalifornisch mit ausladender Frucht und einem markanten Holzgeschmack.

Die Weine von Glenelly:
  • Grand Vin Chardonnay 2013
    Ein tiefgoldener Chardonnay von fast öliger Konsistenz. Intensive Frucht, Holunder und Steinobst vereint in einem Kraftpaket kalifornischer Ausprägung. Der sehr intensive Holzgeschmack kündet von einem langen Barriqueausbau. Saftiger und langer Abgang.

  • Syrah 2010
    Kräftige, tiefviolette Farbe und intensive, schöne Nase nach frischen Früchten. Am Gaumen würzig mit deutlicher Note nach schwarzem Pfeffer. Entgegen des vielversprechenden Buketts fehlt am Gaumen etwas die Frucht, der Wein wirkt flach und eindimensional mit kurzem Abgang. Noch sehr jung und schwer zu beurteilen.

  • Merlot 2012
    Auch der Merlot aus dem Jahr 2012 wirkt eher schmal, auch hier fehlt die Frucht. Man merkt doch, dass die besten Trauben in die Top-Cuvées gehen. Das wird in ein paar Jahren sicher ganz anders aussehen.

  • Cabernet Sauvignon 2012
    Spannend hingegen der Cabernet Sauvignon mit intensivem Kräuteraroma. Ein feiner, voller Wein mit mittlerem Körper und schönem Abgang. Sehr vielversprechend. Es fehlt noch ein Tick Fruchtsüße, nach dem Abgang bleibt ein trockenes Mundgefühl, was auf nicht optimale Reife der Tannine schließen lässt.

  • Grand Vin Vintage 2009
    Die Cuvée aus 42% Shiraz, 40% Cabernet Sauvignon, 14% Merlot und 4% Petit Verdot stellt eine ganz eigene Interpretation einer französisch / südafrikanischen Cuvée dar. Sehr kraftvoll, ein Powerwein mit intensiver Frucht und einer rauen, pfeffrigen Note. Noch etwas ungestüm und trocken im Abgang, aber man darf nicht vergessen, dass die Rebstöcke kaum fünf Jahre alt sind. Großartiges Potenzial.

  • Lady May 2011
    Die Kür und die Spezialcuvée der Hausherrin, die auch ihren Namen trägt. Ungemein verführerisch, mit klarem Abstand der beste Wein mit seidenweichen Tanninen und intensiven Fruchtaromen. Mit 85% Cabernet Sauvignon, 10% Petit Verdot und 5% Merlot ein ganz klassischer Bordeaux-Blend und eine Selektion der besten Trauben. Die Vinifikation folgt aktuellen Trends mit langer Maischezeit, natürlichen Hefen und 24 Monaten im Barrique. In der Charakteristik eher kalifornisch schwer, ansonsten kommt dieser Wein einer Pichon Lalande doch ganz schön nahe. Sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis und eine klare Empfehlung. Die ersten Weinkritiker gehen bei diesem Wein schon an die 90 Punkte - völlig zu Recht.

Der Schmerz über den Verlust von Pichon Lalande sitzt übrigens in der Familie wohl immer noch tief. Auf dem Château vermerkt man, dass Madame de Lencquesaing Pichon Lalande nach dem Verkauf nicht mehr besucht hat und Pauillac meidet. Und auch ihr Enkel Nicolas, der heute für Glenelly arbeitet, vermeidet dieses Thema. Einen so herrlichen Besitz abzugeben ist schon eine große Entscheidung und vielleicht hätte sie auf die Enkelgeneration warten sollen. Ob sich in Südafrika wieder eine derart starke Familientradition aufbaut wird sich erst in der nächsten oder vielleicht übernächsten Generation zeigen. Das Potenzial der Weine ist sicher vorhanden, aber um an Pichon Lalande heran zu kommen bedarf es mehr als eines Klimawandels.



Glenelly Estate
Email: wine@glenelly.co.za
Lelie Street
Ida`s Valley
Stellenbosch 7600, South Africa
Importeur in Deutschland: Schlumberger


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