Reflexionen zum Weinjahr 2013

30. Dezember 2013 English



Nein, 2013 war für die Weinindustrie kein einfaches Jahr! In nur wenigen Regionen konnte ein guter oder sehr guter Jahrgang gekeltert werden, die Enttarnung systematisch und massenweise hergestellter Fälschungen von Spitzenweinen warfen ein schlechtes Licht auf die Branche und die Preise gaben über alle Segmente nach. Hinzu kommt der fortschreitende Wandel ausgelöst durch Globalisierung und die neuen elektronischen Medien, die die traditionellen Mechanismen der Branche revolutionieren. Es gab aber auch ein paar Gewinner. Ein Rückblick.

  • Der Jahrgang 2013

    Generalisierungen bezüglich der Weinqualität sind unmöglich. Dennoch kann man sagen, dass der Jahrgang 2013 vielleicht in Kalifornien gut bis sehr gut, speziell aber in Frankreich ein oft mehr als schwacher Jahrgang war. Insbesondere für die Region Bordeaux war es wohl der schwächste Jahrgang seit vielen Jahren. Die Jahrgänge 2011 bis 2013 erinnern an die schwachen Jahre 1991 bis 1994. Immerhin lässt das auf bessere kommende Jahre hoffen. Die Qualitätsschwäche wichtiger Weinregionen Frankreichs ist aber auch die Chance neu aufstrebender Weinregionen in Übersee.

  • Die Preisentwicklung

    Nach dem Hype der Jahrhundertjahrgänge 2009 und 2010 enteilten die Preise in luftige Höhen. Bezahlt haben diese Preise zumeist reiche Chinesen, deren Allokation drastisch erhöht wurde. In 2013 flaute dieser Trend merklich ab und die Preise von Top-Bordeauxweinen ermäßigten sich deutlich. Nun sitzen die Händler auf großen Beständen unverkäuflicher Weine. Große Bordeaux-Händler in Deutschland und auch in London mussten über herbe Verluste berichten.

  • Die Globalisierung

    Wie die Preisentwicklung gezeigt hat, ist der Weinmarkt heute vollständig globalisiert. Während sich in Lateinamerika neue Märkte auftun, flaut die Nachfrage in China aus verschiedenen Gründen ab. Der Wichtigste dürfte der Kampf des offiziellen China gegen den exzessiven Alkoholkonsum sein. In Verbindung mit dem Kampf gegen die Korruption im Land baut sich erheblicher Druck gegen die Verschwendung der teuren Flaschen auf. Zudem haben die Chinesen dazugelernt und kaufen heute selektiver. Der Aufstieg einer lokalen und ernst zu nehmenden Weinindustrie tut sein Übriges. Wie sehr die Weinindustrie heute global vernetzt ist zeigte auch die Diskussion um Importzölle auf Wein in China, die ganz Frankreich in Panik versetzte.

  • Die Sammlerszene

    Die Sammlerszene hat in 2013 ebenfalls ein sehr schwieriges Jahr hinter sich. Der prominente Prozess gegen den "Über-Fläscher" Rudy Kurniawan hat ein sehr negatives Bild auf die auf Auktionen gehandelten Premiumweine geworfen. Nachdem das ganze Ausmaß so langsam an das Licht der Öffentlichkeit gelangt, kann sich kein Sammler mehr ohne Bedenken mit Weinlegenden eindecken. Abzulesen ist der Trend auch dadurch, dass die Auktionspreise in der Breite nachgeben, während Auktionen von Flaschen direkt aus den Herstellerkellern zu absoluten Rekordpreisen gehandelt werden. Ältere Weine großer Burgunder, von Pétrus oder Cheval Blanc sind anders gar nicht mehr zu kaufen, zu hoch ist die Quote der falschen Flaschen.

  • Die Weinkäufer

    Auch in der Weinbranche gelten die gleichen Trends wie in jedem anderen Markt: der "Verlust der Mitte". Man bezeichnet damit das Phänomen, dass der Verbraucher entweder zu den teuren Topprodukten oder zur Massenware greift. Kann das Topprodukt nicht teuer genug sein, geht es bei der Massenware nur um billig. Das mittlere Marktsegment lohnt sich damit nicht mehr, wird hier doch die immer noch gute Qualität nicht mehr bezahlt. In den wichtigsten Weinregionen der Welt gibt es 10 bis 20 Weine, die jeder gerne haben möchte, die aber oft nur in kleinsten Mengen hergestellt werden. Die Preise dieser Weine explodieren förmlich. Gleichzeitig haben die Produzenten in der 2. Reihe schon Absatzprobleme.

  • Der Italien-Trend

    Mit unbezahlbaren Preisen für Top-Bordeauxweine und kaum verfügbaren Weinen aus dem Burgund und Kalifornien entdecken die Weinliebhaber zunehmend die italienischen Spitzenweine. Sie zeigen noch ein vernünftiges Preis-/Leistungsverhältnis, sind in relativ großen Mengen verfügbar und besitzen zumeist eine lange Haltbarkeit. Zudem gibt es eine große Auswahl auch an französischen Rebsorten, die in Italien zu großen Weinen heranreifen. Italien liegt im Trend, insbesondere in den USA, wo es viele Menschen italienischer Abstammung gibt, und wird es nach einer beispiellosen Serie von großartigen Jahrgängen auch bleiben. Zumindest aus deutscher Sicht gibt es noch einen gewichtigen Pluspunkt: die Deutschen lieben Italien und kennen aus vielen Urlaubsreisen auch teilweise die Winzer, die sich stets besucherfreundlich zeigen, selbst.

  • Die Wein-Kritiker

    Der Teilverkauf des Parker-Imperiums an asiatische Investoren aus der Weinbranche noch zum Ende des Jahres 2012 hat das Koordinatensystem der Weinkritik verändert. Antonio Galloni schied im Streit aus dem Parker-Team aus und ging seiner eigenen Wege, ähnlich wie kurz zuvor James Suckling, der den Wine Spectator verlassen hatte. Parker versucht nun durch stärkere eigene Präsenz, eigentlich wollte er sich ja zurückziehen, seine Autorität aufrecht zu halten. Die Protagonisten der Jahrzehnte langen Weinkritik verlassen aber dennoch langsam die Bühne und noch ist keine echte Nachfolge in Sicht. Wenn die Kritiker-Punkte für die Weine diese nicht mehr verkaufen, werden Marketing und Markenbildung wieder in den Vordergrund geraten. Ein enormer Vorteil für die finanzkräftigen Konzerne.

  • Die Technologie-Revolution

    Man könnte meinen, in der Weinbergs- und Kellerarbeit sei mit der modernen Vitikultur und dem Trend zum biologischen Anbau nun alles erfunden. Doch tatsächlich beginnt die Revolution nur von vorne durch den Einsatz modernster Technologie. GPS gestützte high tech Geräte wie Drohnen werden neue Sprunginnovationen auslösen. Noch wird darüber gelächelt, aber so eine Drohe kostet nur wenig mehr als 1.000 Euro, fliegt präzise vorprogrammierbar die gleiche Route immer wieder ab und gibt mit Spezialkameras notfalls im Stundentakt exakte Auskünfte über den Zustand der Reben und Trauben. Auch in der Kellertechnik wird zunehmend high tech eingesetzt, z.B. zur automatischen Traubenselektion oder zur Verwendung fälschungssicherer Weinflaschen.

  • Der Investitionsboom

    Die vielen phänomenalen Jahrgänge der letzten Dekade und die exorbitante Preisentwicklung haben in der Weinindustrie einen enormen Investitionsboom ausgelöst. Das Geld für spektakuläre Neubauten ist ohne Zweifel vorhanden. Zudem ärgern sich viele Topproduzenten, dass ihre Weine nach kurzer Zeit noch viel teurer gehandelt werden. Was also liegt näher, als riesige Läger zu bauen, den Wein zu den geringen Herstellkosten einzulagern und selbst später für ein Vielfaches zu verkaufen? Viele Häuser und Produzenten verfolgen diesen Weg, egal ob in Frankreich, im Piemont, der Toskana oder in Kalifornien. Wie viel so ein Keller wert sein kann weiß man in der Champagne schon lange.

  • Die neuen Internet-Medien

    Der Trend mit dem vermutlich stärksten Veränderungspotenzial ist die Revolution durch die neuen Medien. Sie verändert nicht nur die Vertriebskanäle, sondern transformiert auch gleich noch die Informationen über die Weine. War beides in der Vergangenheit in der Hand weniger, so hat sich hier ein Massenphänomen entwickelt. Die traditionellen Medien wie Bücher oder Zeitschriften wurden zuerst getroffen und versuchen sich über die Themen "Kochen" und "Lifestyle" zu retten. Buchstäblich jeden Wein kann man heute an jedem Flecken der Erde "googlen" und bekommt jede erdenkliche Information geliefert. Spezielle Wein-Suchmaschinen wie der "wine searcher" liefert gleich noch alle Preise der relevanten Anbieter dazu und der online-Händler liefert binnen weniger Stunden den gesuchten Tropfen nach Hause. Hemmungen kennen die online-Käufer nicht mehr, denn unseriöse Anbieter werden in den einschlägigen Foren binnen weniger Tage sofort entlarvt. Durch diese enorme Transparenz sinken die Margen der Händler auf Mini-Niveau. Eine Flasche Dom Pérignon für 3 oder 4 Euro Aufschlag auf den Großhandelspreis? Kein Problem, mit 14-Tage Rückgaberecht! Mit solchen Margen kann der Weinhändler an der Ecke, der seinen Laden und eventuell noch Personal bezahlen muss, nicht leben. Aber auch die online-Händler haben so ihre Probleme, denn wer kommt schon gegen Amazon an?

    Und dann gibt es noch die "Social Medias" wie Facebook, Instagramm, Twitter und wie sie alle heißen. Zig-Tausende Posts jeden Tag beleuchten jeden noch so kleinen Winkel der Branche, alles wird fotografiert und sofort veröffentlicht. Einzig die Informationsflut bremst das System selbst.

Vor zwei Jahren an dieser Stelle konnten wir vermerken, dass wir über 5 Jahre in den Zugriffszahlen um rund 100% pro Jahr gewachsen sind. Nun können wir ergänzen, dass sich dieser Trend in 2012 und 2013 fortgesetzt hat. Die Zugriffszahlen des Jahres 2009 schaffen wir heute in rund 3 Wochen! Spannende Zeiten, die in 2014 nur noch spannender werden können.

Verfolgen Sie auch in 2014 auf weinrouten die weiteren Entwicklungen, wir freuen uns darauf.

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