Bauboom im Bordelais

02. Juni 2013



Wer hat das spektakulärste Château in Bordeaux? Cos d`Estournel, Cheval Blanc, Pichon Baron, Pavie,...? Es ist immer das gerade eben erst fertiggestellte. Denn nur kurze Zeit später erfolgt die Einweihung des nächsten, noch größeren und aufwändigeren Gebäudes. Die Architektur der Châteaus ist heute ein echter Wettbewerbsfaktor geworden und das wird mittlerweile auch offen zugegeben. Immer berühmtere Architekten müssen immer prunkvollere Vorschläge erarbeiten. Im gesamten Gebiet Bordeaux ist ein beispielloser Bauboom ausgebrochen, fast auf jedem Château stehen Baukräne, einige Häuser sind daher derzeit sogar gesperrt.

Es wirkt schon etwas skurril, die vielen Prunkbauten inmitten einer eher tristen Landschaft zu sehen. Châteaus werden heute nicht mehr mit Türmchen und Wasserspielen vor dem Balkon gebaut, sondern aus Stahl, Glas und Holz. Es entstehen Räume der Kunst, in denen auch die wenigen Barrique-Fässer untergebracht werden dürfen. Den Anfang machte 2008 Cos d`Estournel mit einem Prachtbau von Jean-Michel Wilmotte, der eher an ein 6-Sterne Hotel erinnert als an ein Weingut. Der Barrique-Keller wird über eine kleine Empore betreten und führt in einen komplett in Schwarz gehaltenen riesigen Kellerraum über eine Brücke aus Glas. Beim ersten Anblick dieses Spektakels ist tatsächlich schon einmal eine Besucher ohnmächtig geworden.


Der neue Barrique-Keller von Château Mouton Rothschild, eine enorme Konstruktion, ist fast fertig und wird zur Vinexpo im Juni 2013 eingeweiht.

Es folgten Le Pin und Fast-Nachbar Cheval Blanc in Pomerol / St. Emilion, das bis dahin von diesem Bauvirus noch nicht infiziert war. Während Le Pin wirklich einen Neubau benötigte und sehr puristisch gebaut hat, wurde das in jeder Hinsicht spektakuläre Gebäude auf Cheval Blanc verächtlich als internationales Flugterminal von St.-Emilion bezeichnet. Dennoch: das lichtdurchflutete Betongebäude von Pritzker-Preisträger Christian de Portzamparc ist wirklich sehr schön und in sich stimmig geworden. Von der begehbaren Dachterrasse hat man einen schönen Blick auf das Nachbargut La Dominique. Architekt Jean Nouvel, der übrigens auch bei Cheval Blanc mitgewirkt hat, gestaltet hier in Zusammenarbeit mit dem berühmten britischen Künstler Anish Kapoor ein Zentrum für den Önotourismus aus roten reflektierenden Spiegeln, das auch einen eigenen Shop umfasst - eine Novität im Bordelais, wo man nur sehr selten die Weine des Hauses auch kaufen kann. Ach ja - Wein wird hier auch hergestellt.

Fertig ist übrigens der neue "Vat Room" von La Conseillante auf der anderen Strassenseite. Das innen runde Gebäude ist so neu, dass man gleich die Primeurs Verkostung der Appellation Pomerol dort veranstaltet hat. Bis kommendes Jahr dürfte auch der neue riesige Keller von Château Montrose fertig sein, hier sind noch letzte Arbeiten notwendig. Ein guter Kandidat für die Verkostung der UGC der Appellationen St.-Estephe, Pauillac und St. Julien. Fertig ist dann wohl auch das neue Lagergebäude von Château Latour, das für die mehrjährige einlagerung der Weine notwendig wurde. Latour hat ja das Primeurs System verlassen und reift die Weine im eigenen Keller. Ob man da wohl einmal hinein darf?


Blick vom Dach des Château Cheval Blanc auf die Baustelle von La Dominique.

Der direkte Nachbar von Latour, Château Pichon Longueville Comtesse de Lalande, wird derzeit komplett umgebaut. Seit vor wenigen Jahren das Champagnerhaus Roederer die "Lalande" übernommen hat, bleibt hier kein Stein auf dem anderen. Das war vielleicht auch nötig, denn die Weine wurden in den letzten Jahren ihrem Rang nicht mehr ganz gerecht. Wer heute nicht jede Kleinstparzelle getrennt vinifizert und dann selektiert, hat keine Chance mehr im Qualitäts-Wettbewerb. Auf Cheval Blanc gibt es dafür über 70 Beton-Cuves, jedes exakt in der Größe des Plots, das dafür vorgesehen ist. So läuft das heute! Bei der Lalande ist im April 2013 das Gebäude erst im Rohbau erkennbar, aber der beschauliche, kleine Pool auf der Terrasse ist nicht mehr vorhanden. Die frühere Besitzerin, Madame de Lencquesaing, hat das Château übrigens seit dem Verkauf nicht mehr betreten. Dafür dürfen die Gäste heute auch schon einmal in das Château und in Punkto Freundlichkeit gegenüber Besuchern ist man im Reigen der großen Namen immer noch führend.


Die Baustelle von Pichon Lalande aufgenommen aus den Weinbergen von Château Latour.

Die nächste Großbaustelle führt wieder über die Gironde nach St.-Emilion. Gerade erst zum Grand Cru Classé A aufgestiegen und damit im Olymp der Appellation angekommen ist Château Angélus. Auch hier blieb kein Stein auf dem anderen, das Gebäude wurde einfach aufgestockt. Auf dem Dach befindet sich nun nicht nur eine Glocke, sondern gleich ein ganzer Glockenturm. Man kann es auch übertreiben. Ein Thema übrigens, das man ebenfalls mit Gérard Perse vom nur wenige Kilometer entfernten Château Pavie diskutieren könnte. Auch Pavie wurde zum Grand Cru Classé A promoviert und baut einen neuen, offensichtlich riesigen Keller. Dafür haben beide Weingüter in der Kampagne für den 2012er Jahrgang als einzige im Bordelais die Preise saftig angehoben. 180.- € pro Flasche ex Negociant möchte man haben - nur bezahlen will das offensichtlich niemand.


Die Glocke ist das Wahrzeichen von Château Angélus. Nach der Aufstockung und dem Umbau thront nun ein ganzer Glokenturm über dem Gebäude. Ob man da noch die drei berühmten Glocken der drei Kirchen im Umkreis zum Angelusläuten hört?

Beenden wir die kleine Reise mit einem Besuch eines Projektes, das sich aber noch nicht im Bau befindet. Château Margaux hat keinen geringeren als Sir Norman Foster mit dem Bau eines neuen Kellers beauftragt. In Deutschland wurde der Stararchitekt berühmt für den Neubau der Kuppel im Berliner Reichstag. Ziel ist die Zusammenführung der Vinifizierung von Weiß- und Rotweinen. Logisch auch, dass man erheblichen Platz für den Aufbau einer Weinbibliothek schaffen möchte. Warum sollte man auch die ganzen Spekulationsgewinne dem Handel und den Sammlern überlassen? Da kann man den eigenen Wein doch gleich selbst einlagern und Jahre später mit riesigen Gewinnen abverkaufen. Immerhin ist die Bausubstanz von Château Margaux so berühmt, dass an den Außenansichten nichts verändert werden darf und der Neubau ganz behutsam eingepasst werden muss.


Auf Château Margaux gibt es ebenfalls große Neubaupläne, bislang sieht man aber nur ein Modell aus Holz.



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