Antonio Galloni geht seine eigenen Wege

14. Februar 2013



Antonio Galloni ist erst 42 Jahre alt, hat aber schon einen beeindruckenden Lebenslauf vorzuweisen. In eine Familie mit einem Geschäft für italienische Weine hineingeboren kam er früh mit der italienischen Lebenskultur in Kontakt und entwickelte rasch eine Passion für Wein, die in seinem Leben immer wieder wichtige Weichen stellte. Bereits als Teenager studierte er intensiv die einschlägige Weinliteratur. Als junger Mann wurde er im Jahr 2000 für die Firma Putnam Investments in Boston beruflich für drei Jahre nach Italien versetzt. Hier kam er in intensiven Kontakt mit den Weinen des Piemont und des Burgund sowie den Produzenten dieser Weine. Zurück in den USA mündeten diese Kenntnisse 2004 in einen eigenen Newsletter "Piedmont Report", der es binnen Kurzem auf bis zu 1.000 Abonennten brachte. 2006 unterbreitete ihm Robert Parker das Angebot, für den Wine Advocate zu arbeiten - und zwar als freier Mitarbeiter.

Antonio Galloni war zunächst für die Weine Italiens zuständig, später noch für die Champagne und das Burgund. Der Ritterschlag erfolgte aber erst kürzlich mit der neuen Verantwortung für Kalifornien, die er von Parker selbst übernahm - in Vorbereitung von dessen schrittweisen Rückzug. Kalifornien ist traditionell für die rund 50.000 amerikanischen Abonennten die wichtigste Weinregion und Parker die Institution, der die Weinfreunde folgen. Nun also übernahm A. Galloni diese wichtige Funktion, Parker blieb zuständig lediglich für Bordeaux und die Rhône, sowie Sonderthemen. Im Dezember 2012 überraschte Parker mit der Meldung, dass der Wine Advocate mehrheitlich an asisatische Investoren verkauft wurde, Lisa Perrotti-Brown MW, Parker`s Korrespondentin in Asien übernahm die Chefredaktion. Als Kaufpreis wurden damals 15 Mio. US$ vermutet.

Die neuen Investoren kündigten sofort einige Änderungen an. Darunter war auch die Meldung, dass die Mitarbeiter des Teams künftig fest angestellt sein sollen und das Team in Asien erheblich verstärkt wird. Dieses Vorhaben widersprach der Übereinkunft Parkers mit A. Galloni, nach der Galloni praktisch selbständig blieb. Antonio Galloni war wohl schnell klar, dass er nicht in die neuen Strukturen wechseln, sondern wieder alleine agieren wolle. Unglücklicherweise gab er diese Botschaft nicht zuerst an Parker, sondern in der Presse bekannt. Dies war verbunden mit der Mitteilung, künftig sein eigenes Internet-Portal www.antoniogalloni.com als Medium ausbauen zu wollen. Der Weggang von Galloni wurde quasi mit sofortiger Wirkung vollzogen, die für Europäer eigenartig anmutenden Kündigungsgesetze in den USA lassen dies zu (2 Wochen Kündigungsfrist). Der Zeitpunkt fällt zusammen mit dem Release der lange erwarteten Ausgabe #205 des TWA, in der die Flaschenbewertungen Parkers des Bordeaux-Jahrgangs 2010 abgedruckt werden. Zudem war für diese Ausgabe ein wichtiger Bericht Antonio Galloni`s über die Weine des Sonoma-Tals angekündigt. Jetzt muss Parker kleilaut zugeben, dass Galloni diesen Bericht noch nicht abgeliefert hat.


Die Weine der Region um die Ortschaft Barolo hatten immer einen besonderen Stellenwert für Antonio Galloni

Der kostenpflichtige Dienst Robert Parkers ist nicht ganz billig. Einige Abonennten machten aus ihrem Ärger in den Foren Parkers keinen Hehl, fast schon ein Faux Pas in den Hallen des Meisters - Kritik ist hier nämlich wenig gefragt. Parker und Lisa Perrotti-Brown versuchen hektisch und wenig überzeugend zu vermitteln, dass der Weggang Gallonis samt seiner Aufzeichnungen nicht so tragisch sei. Ist es aber doch: Antonio Galloni war neben Parker mit Abstand der wichtigste Verkoster und ebenfalls eine Institution. Im Piemont ist er hoch respektiert, sein Urteil und das von James Suckling, früher beim Wine Spectator und heute ebenfalls auf eigenen Füßen, sind die Maßstäbe für die Preissetzung von Barolo und Barbaresco. Beide Kritiker hatten großen Anteil an dem enormen Exporterfolg italienischer Weine in den USA der vergangenen Jahre. Im Piemont gibt es Spitzenweingüter, die über 50% ihrer Ernte in die USA exportieren. Zum Vergleich: der Vini d`Italia kürt jedes Jahr über 400 3-Gläser-Weine, bei Parker gab es aber bislang nur 4 Mal 100 Punkte für italienische Weine - und nur ein einziges Mal war es Antonio Galloni, der diese Marke vergab! Selbst über 96 Punkte sind selten, bei aller Begeisterung für diese Weine.

Der Weggang von Antonio Galloni ist ohne Zweifel ein schwerer Schlag für Parker. Wie viel ist der Wine Advocate noch wert ohne ihn und mit ins Weingeschäft integrierten neuen Besitzern? Die Medien-Konkurrenz heizt den Gerüchtekessel heftig ein. Parker sieht sich in der Defensive und erklärt immer wieder, dass er selbst an Bord bleibt und die Kontrolle nicht abgibt. Offensichtlich überlegt er auch, Kalifornien wieder selbst zu bewerten. Zudem versichern er und Lisa Perrotti-Brown, dass man einen adäquaten Ersatz für A. Galloni präsentieren wird.

Das über viele Jahre zementierte Koordinatensystem in der Weinwelt ist ins Wanken geraten, Parkers Dominanz scheint aufgehoben. Ein Forumsmitglied schreibt resignierend: erst der Rücktritt des Papstes, dann der Atombombenversuch in Korea und nun Galloni, die Welt scheine unterzugehen. Naja, so schlimm wird es sicher nicht, aber spannend ist es schon ...

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Den Jahrgang 2013 kennzeichnet seine besonders feine, elegante und aromatische Note. Ein schmeichelnder Jahrgang, der sich nicht anstrengen muss, um sofort zu gefallen. Angelo Gajas Produktpalette aus 2013 sticht mal wieder heraus, seine gesamte Weinpalette erzielte höchste Bewertungen. Der Barbaresco 2013 findet genau die richtige Balance aus Frucht, Kräuteraromen und einer würzigen Note von schwarzem Pfeffer. Ein Schmeichler eben, kein Prahler. Ultra-fein und so Gaja.

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Mit vielen Vorschusslorbeeren wurde der Jahrgang 2011 überschüttet - und der Sassicaia hat diese Erwartungen noch übertroffen. Nach dem extrem fruchtbetonten 2009er, dem feinen und unglaublich eleganten 2010er nun der dritte Spitzenjahrgang in Folge. Der 2011er vermittelt schon heute ein fast unwirkliches Mundgefühl, da ist nur Samt und Seide in Vollendung. Wie ist es möglich, einen solchen Cabernet Sauvignon herzustellen? Da gibt es keine Ecken und Kanten, alles löst sich in Harmonie auf. Das feine Aroma und die betörende Frucht breiten sich Schicht um Schicht bis zu einem langen Finale aus. Ein in jeder Hinsicht faszinierender Wein und einer der historisch besten Jahrgänge dieser Ikone Italiens.

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Kaum vorstellbar, aber wahr: nach dem herausragenden Jahrgang 2013 legt der 2015er sogar noch einen Tick zu. Eine verführerische, reife und süße Kirschfrucht entwickelt sich am Gaumen mit Kraft und cremiger Textur aus Samt und Seide. Eine wunderbare Frucht-Säure Balance trägt den vielschichtigen und körperreichen Wein mühelos in ein langes und schon fast dramatisches Finale. Ein super-hedonistischer, großer Sassicaia, der nicht nur mit seiner unwiderstehlichen mediterranen Aromatik verführt. Der Sassicaia 2015 wurde vom Wine Spectator zum Wein des Jahres 2018 gewählt.

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