Der Weinkeller von Burkhard Bovensiepen ALPINA


Nur das Beste und das Edelste aus zwei völlig unterschiedlichen Welten bekommt man bei der Firma ALPINA aus Buchloe bei München. Bekannt vor allem als Hersteller exklusiver Fahrzeuge auf BMW-Basis ist ALPINA nebenbei auch einer der größten Weinhändler für Spitzenweine in Deutschland. Und die Marke ALPINA steht bei beiden Geschäftszweigen vor allem für einen Namen: Burkard Bovensiepen, Jahrgang 1936, Vollblut-Unternehmer mit großer Bodenhaftung, Technik-Freak und Genießer.

Buchloe zu finden ist einfach, es liegt direkt an der A96. Die Firma Alpina - nur einige Steinwürfe von der Autobahn entfernt - zu finden ist schon etwas schwerer. Und hinter der funktionellen Fassade einer Industrielagerhalle eines der größten Weinlager für Spitzenweine in Deutschland zu vermuten ist überhaupt nicht möglich. Nur ein dünner Schriftzug gibt einen Hinweis auf das "Nebengeschäft", den Weinimport. Kunden und (noch) Nicht-Kunden haben aber kein Problem, zu ALPINA zu finden. In beiden Branchen - Wein und Autos - hat ALPINA einen Klang, der so satt ist wie der Klang der Hochleistungsmotoren der exklusiven Autos. Rund 170 Mitarbeiter produzieren so über 1.000 Fahrzeuge pro Jahr, die in die ganze Welt geliefert werden.


Burkard Bovensiepen (rechts) und sein Geschäftsführer Wein, Markus Geigle (links) importieren Spitzenweine vornehmlich aus Italien, Frankreich und Kalifornien. Das Angebot geht aber trotzdem weit darüber hinaus.

Das Weingeschäft kam erst später, in den 1970er Jahren dazu. 1978 bestellte sich Burkard Bovensiepen in Italien in einem Restaurant den teuersten Wein der sehr übersichtlichen Weinkarte. Es war ein Vino di Tavola, ein nicht klassifizierter Wein also, mit dem Namen "Tignanello" des Jahrgangs 1975. Burkard Bovensiepen war von diesem Wein derart begeistert, dass er hätte vor ihn "niederknien" können. Diesen Wein wollte er unbedingt nach Deutschland importieren. Der damalige Importeur des Hauses Antinori aber war das alteingesessene Bremer Handelshaus Reidemeister & Ulrichs. Allerdings hatte man in diesem Hause wenig Interesse an einem nicht DOC deklarierten Wein. Und dennoch musste Burkard Bovensiepen drei Mal zum Exportleiter Santoni fahren, bis er die Vertretung für den Tignanello angeboten bekam. Allerdings erbat man im Hause Antinori noch einen Gefallen. Es gäbe da einen neuen, ebenfalls nicht DOC deklarierten Wein, es wäre schön, wenn ALPINA den mit aufnähme und in Deutschland vermarkten würde: der Name war "Sassicaia". Es dauerte einige Jahre, bis nach prominenten Vergleichsverkostungen man bei Reidemeister den Fehler bemerkte und massiv nachverhandelte, nahm Reidemeister von Antinori doch auch damals schon riesige Mengen an Wein ab. Man einigte sich darauf, die Weine bei Reidemeister mit einer kleinen Marge durchzuhandeln. Der Erfolg von ALPINA mit dem Vertrieb dieser phantastischen italienischen Tafelweine war aber nicht mehr aufzuhalten. Nur wenige Jahre später wechselte Marchese Incisa della Rocchetta, der Besitzer des Sassicaia, wieder komplett zu ALPINA und bis heute ist das Haus der Exklusivimporteuer für Sassicaia in Deutschland - Glück gehört eben auch dazu!


Das Ruhelager umfasst mehrere 100.000 Flaschen allerfeinster Spitzenweine. Wer möchte hier nicht einmal eingeschlossen werden?

Von Anfang an war Burkard Bovensiepen klar, dass es keinen Sinn machte, in Deutschland als ein weiterer Weinhändler aufzutreten, zu dicht war das Netz der rund 50.000 Wettbewerber schon damals. Außerdem mussten die Weine zum großen Renommee des Hauses und seinen edlen Autos passen. Die Geschäftsidee lief demnach schon zu Beginn auf das Weininvestment hinaus. Dabei werden die neu abgefüllten Flaschen nicht sofort verkauft, sondern erst einmal zum Reifen eingelagert. Mit den wirklich großen Weinen ist das nicht nur problemlos, die Weine werden zudem besser - und teurer. Diesem extrem kapitalintensiven Geschäftsmodell ist man bis heute weitgehend treu geblieben. Über die Jahrzehnte hat man somit eine Sammlung von Vertikalen der größten Weine der Welt aufgebaut, die ihresgleichen sucht. Über 1 Mio. Flaschen beträgt der Bestand heute, aufgeteilt auf mehrere perfekt klimatisierte Läger. Hier ruht nicht nur ein kleines Vermögen, sondern ein in jeder Hinsicht großes Vermögen. Die als chaotisch angeordnetes Hochregallager angelegte Halle teilt sich in eine Bewegungslager und ein Ruhelager. Aus dem Ruhelager wird nur selten ausgeliefert, hier lagern die noch mit Folie umwickelten Paletten über viele Jahre, ohne bewegt zu werden. Paletten über Paletten türmen sich die besten Weine Italiens, Frankreichs und anderer Länder. Die Kunden von ALPINA sind heute im Wesentlichen ehrgeizige Weinhändler und die Gastronomie, aber auch viele Privatkunden. Der Exportanteil nimmt zudem ständig zu, insbesondere bei den immer beliebter werdenden Großflaschen. 2010 war bislang mit Abstand das wirtschaftlich erfolgreichste Jahr im Weingeschäft, das mit einem Team von rund einem Dutzend Mitarbeitern abgewickelt wird. Leiter des Weingeschäftes ist seit vielen Jahren Markus Geigle, eigentlich ein Wirtschaftsingenieur, aber schon immer mit einer Neigung zum Wein. Seine Diplomarbeit fertigte er in Zusammenarbeit mit Adi Werner vom Arlberg Hospiz an.


Der Weinkeller bildet den stilvollen Rahmen für die größten Schätze des Hauses und Platz genug für Events aller Art.

Nicht alles, was Burkard Bovensiepen anfasste, gelang. So täuschte er sich bezüglich des Investitionspotenzials der deutschen Spitzenrieslinge, vorzugsweise von der Mosel, Saar und Ruwer. Seit Jahrzehnten pflegt er sehr freundschaftliche Beziehungen zu den Weingütern Rebholz und dem Karthäuserhof in Trier. Hier hätte er sich beinahe einmal mit 50% beteiligt, um dem Gut aus einer prekären finanziellen Situation auszuhelfen. Soweit kam es dann aber schließlich nicht. Immer noch bedauert er, dass die deutschen Topweine viel zu früh getrunken würden. Das Einlagern aber lohnt nur für den privaten Genuss, da die Weine im Wert nicht genügend steigen - eine Grundvoraussetzung zur Deckung der langjährigen erheblichen Kapitalkosten.

Viel erfolgreicher war man jedoch in Italien. Die Geschichte, wie Burkard Bovensiepen Romano Dal Forno überzeugte, seine Weine importieren zu dürfen, ist Legende. Lange konnte er dessen hochbegehrte Weine nicht bekommen. Statt dessen bat Romano Dal Forno, der sich mit den weltbesten Weinen messen wollte, Bovensiepen, ihm 20 der Allerbesten auszuwählen und zu liefern mit einem Preislimit von 1 Mio. Lire pro Flasche. Die Weine hat Burkard Bovensiepen dann auch selbst ausgeliefert, nicht ohne eine Extraflasche als Geschenk dazu zu legen. Die Flasche, eine 1978er Romanée-Conti, bewog die Frau von Romano Dal Forno dazu, wortlos das Kundenbuch zu holen, anderen Kunden je 6 Flaschen Wein wegzustreichen und Bovensiepen mit 120 Flaschen als neuen Kunden aufzunehmen.


Der Sassicaia (im Bild links OHKs mit 1986er, rechts die OHKs mit dem 1985er!!) ist der große Stolz des Hauses. ALPINA ist deutscher Exklusivimporteur für diesen großen Wein.

Das Prunkstück in Buchloe ist aber nicht das gewaltige Palettenlager, es ist der Weinkeller von ALPINA im Untergeschoss des Ausstellungsgebäudes. Eine kleine Treppe im Showroom führt über wenige Stufen hoch zu einem geräumigen Lastenaufzug!, der den Besucher direkt in den Weinkeller bringt. Schon in dem Bordeaux-Rot lackierten Aufzug wird man von einer angenehmen Kühle und dem wohligen Geruch von Wein empfangen. Unten öffnet sich dem Besucher ein spektakulärer, gemauerter Gewölbekeller. Es fällt schwer sich zu entscheiden, ob man die Aufmerksamkeit dem feinen Keller oder den hier lagernden Weinlegenden widmet. Die für die großen und erstaunlich hohen Räume verwendeten Mauersteine wurden in Italien extra auf Vorgabe angefertigt und vermauert. Die gesamte Gestaltung hat der Hausherr selbst übernommen. Kontrapunkt zu der eher barock wirkenden Innenausstattung sind im Vorraum die funktionellen und markant roten Stahlregale. Sie tragen stapelweise Holzkisten der größten Weine. Da fällt eine halbe Palette mit 2000er Mouton Imperialflaschen auf, mehrere Kisten mit Premier Cru Magnums. Und dann die großen Italiener. Darunter - auch ein Stolz des Hausherren - je eine halbe Palette mit 6er Holzkisten von Sassicaia 1986 und 1985!

Burkard Bovensiepen hat zwei Söhne, die erfolgreich im Automobilbereich des Unternehmens wirken. Haben sie auch eine Passion für Wein? Nicht direkt - sagt Bovensiepen mit einem Bedauern, das wohl größer, ist als sein Gesichtsausdruck verraten möchte. Dem Motto "Große Weine" ist nur noch "Große Gastfreundschaft" hinzuzufügen.

Kontakt:
ALPINA Burkard Bovensiepen GmbH + Co. KG
Alpenstraße 35 - 37
D-86807 Buchloe

Tel. +49 (8241) 5005-0
Fax +49 (8241) 5005-144