Bordeaux Jahrgang 1961




Witterung und Vegetationsverlauf 1961


Noch in den 1960er Jahren war der Witterungsverlauf entscheidend für die Qualität der Weine, die heute gebräuchliche intensive Weinbergs- und Kellerarbeit war noch unbekannt. Ein scharfer Frost am 29. Mai zerstörte 75 % der jungen Triebe und dezimierte die Ernte. Diese natürliche Selektion und Mengenbeschränkung bildete die Grundlage für die unglaubliche Konzentration und aromatische Fülle der 61er Weine. Der regenreiche Winter endete schon im Februar mit mildem Wetter. Die Reben blühten bereits Anfang Mai und boten damit dem herein brechenden Frost eine große Angriffsfläche. Das Wetter blieb bis Juli eher kühl und nass.

Die Wende kam rechtzeitig im August, als es trocken und warm wurde. Die perfekten Wetterbedingungen hielten bis über die Lese Ende September an und lieferten eine Miniernte mit kleinem, dickschaligem und perfekt ausgereiftem Traubenmaterial. Die Frostschäden betrafen den Merlot noch stärker als den Cabernet Sauvignon. In vielen Cuvées finden sich daher ungewöhnlich hohe Cabernet-Anteile. Zusammen mit den sehr tanninreichen Mosten bildete dies eine weitere Grundlage für die enorme Lagerfähigkeit der Weine.


Der 1961er Leoville Las Cases.

Schon sehr früh war klar, dass der 61er Jahrgang etwas ganz Besonderes war. Die hochkonzentrierten und extraktreichen Trauben lieferten tief gefärbte, reife und reiche Weine. Insbesondere im Médoc wurden wahrhaft große Weine produziert. Die Liste der Weinlegenden aus diesem Jahrgang ist lang und illuster. Die vielleicht größten Weine sind Latour 61, Palmer 61, Haut Brion 61, Pétrus 61, Lafleur 61 und Mouton 61, alle vielgesuchte und nicht mehr zu bezahlende Legenden. Manche Châteaus hatten so großen Erfolg, dass sie jahrzehntelang nicht in der Lage waren, ihn zu wiederholen. Beispiele sind Latour à Pomerol oder Palmer. Zusammen mit l`Évangile und Trotanoy tragen alle diese Weine Auszeichnungen von 98, 99 oder gar 100 Parker-Punkten (100: Haut Brion, Latour, Latour à Pomerol, Pétrus). Der größte unter diesen großen Weinen aber bleibt der Latour 1961, ein Wein, erst in der Mitte seines Trinkfensters. Doch Vorsicht beim Kauf solcher Weine: teure Legenden werden gerne gefälscht. Wegen der kleinen Ernte sind bis heute sicherlich nur noch wenige echte Flaschen aufzutreiben. Dies gilt insbesondere für Großformate!

Zu erwähnen ist noch, dass - wie so oft - ein großer Jahrgang im Bordelais auch in anderen Weinregionen Frankreichs ein großer Jahrgang war. Beispielhaft genannt seien die Champagne und das Burgund.

Die "Primeurkampagne" 1961


1961 war ein Jahr des Übergangs. Trotz einiger guter Jahrgänge in den 1950er Jahren wurde der Wein damals noch weitgehend im Faß an die Händler verkauft. Und die Preise waren so schlecht, dass die Produzenten die Ernte "sur souche", also am Stock vorab verkaufen mussten, um die laufenden Kosten bis zur Ernte bestreiten zu können. Auf diese Weise bildete sich das heute bekannte Primeur-System. Bereits im Februar 1961 verkauften viele Châteaus in etwa ein Drittel einer normalen Ernte vorab. Der Frost mit dem starken Ernteverlust bedeutete, dass oftmals der gesamte Ertrag dieses großen Jahrgangs an die Händler abgegeben werden musste. Und das zu den Preisen, die der eher schwache Jahrgang 1960 einbrachte. Nur wenige Châteaus (u.a. Palmer) waren cash-stark genug, um bis zur Ernte durchhalten zu können. Und nur diese profitierten schließlich von der phantastischen Qualität der Weine. Das Primeursystem aber war in den Grundzügen geboren.