Wenn Sie das nicht mehr lesen möchten, dann haben Sie Pech gehabt


Sie sind Weinliebhaber! Logisch, sonst wären Sie gar nicht auf weinrouten.de und würden diesen Artikel lesen. Ganz sicher bekommen Sie dann auch einige der zahllosen Newsletter zum Thema Wein automatisch in Ihre Mailbox geladen. Und? Gefällt Ihnen das? Lesen Sie die Informationen bzw. Werbebotschaften? Teilweise? Auch klar, denn es gibt darunter wirklich Interessantes zu finden. Aber der Eindruck täuscht wohl kaum, dass erstens die Anzahl der automatischen Mails dramatisch ansteigt und zweitens die Sprache nur noch vor Superlativen strotzt. Wem nutzt das? Den Shops, den Produzenten? Egal, auffallen um jeden Preis ist die Devise.

Ja, das Marketing hat es heute schwer. Einen sehr interessanten Artikel zu diesem Thema veröffentlichte die Zeitschrift Brand Eins im Januar 2015. Demnach beginnt der Verkaufsprozess mit der Aufmerksamkeit des potenziellen Kunden. Diese Aufmerksamkeit in einem tatsächlichen Kauf zu materialisieren ist Sinn und Zweck des "sales funnels", eine Art Trichter, durch den der Kunde auf dem Weg zur Kasse muss. Der Artikel vergleicht die Marketingarbeit im Zeitalter des Internet und von Social Media mit einem Flipperspiel, bei dem die Kugeln zwischen Sender und Empfänger nur noch erratisch und mit großer Geschwindigkeit bewegt werden. Also Massenaussendungen, zwei bis drei Mal pro Woche, so findet man an ganz anderer Stelle, sei das Mindeste. Und wenn einer damit anfängt und erfolgreich ist, müssen alle nachziehen - aus Verzweiflung und vielleicht gegen die eigene Überzeugung. Aber die Gesetze der Online Medien ändern sich rasch und sind unerbittlich. Gestern Twitter, heute Facebook, morgen Instagram, Pintrest oder gleich ein neues Medium, wo mache ich mit, wie bleibe ich im Gespräch?

Vollends und buchstäblich aus dem Rahmen fallen alle traditionellen Marketingansätze durch den Erfolg der Blogger. Heute sind wir fast alle Blogger, haben zu allem eine Meinung und posten, was die Rohre hergeben. Im einem Gespräch kürzlich mit Angelo Gaja fragten wir, wer einmal der Nachfolger von Robert Parker sein würde? Die Antwort kam schnell und war klar und deutlich: niemand, die Blogger. Auch mit dieser Meinung dürfte er Recht haben. In der Modebranche gibt es bereits Blogger, die jährlich viele Millionen (Euro, Dollar, egal) verdienen, sie sitzen in der ersten Reihe bei den Fashion Shows, direkt neben den Chefredakteurinnen der großen Modezeitschriften. Beim Thema Wein sind im Vergleich zur Mode Sender- und Empfängerzahlen schon bedeutend kleiner, dennoch gibt es zahllose Weinblogs. Interessant ist auch, dass die Kommunikationskanäle verschwimmen, Shops ihr Angebot durch Blogs ergänzen und redaktionelle Angebote wie weinrouten.de Produkte in Online Shops anbieten, klassisches Cross-Selling. Dabei laufen alle dem vermeintlichen Leser / Käufer hinterher.

Denn es gibt keinen Zweifel: noch nie waren die Konsumenten so gut und umfassend informiert wie heute. Und auch noch nie so kritisch. Sie greifen auf ein weit überregional transparentes Angebot zurück, so richtig global ist der Weinverkauf wegen der hohen regulatorischen Hürden ja noch nicht. Wir merken das immer wieder: unsere Kunden wissen genau, was sie mögen und suchen, sind fast beratungsresistent. Gut so, dann kann ihnen niemand was vormachen, wir auch nicht.

Schlussfolgerung: es wird keinen weiteren Newsletter von weinrouten.de geben! Wir warten weiter geduldig, bis unsere Leser uns finden und ohne an der Hand geführt zu werden durch unsere Angebot stöbern. Und da es mit den Jahren ganz von alleine immer mehr Leser und Kunden werden, kann diese Strategie so falsch nicht sein.