Bordeaux Jahrgang 2013




Witterung und Vegetationsverlauf 2013


Der Wetterverlauf im Bordelais war im Weinjahr 2013 fast eine Katastrophe, zumindest so schwierig wie lange Jahre nicht mehr. Das Frühjahr war geprägt von kühlem und nassem Wetter, bereits zur En Primeurs Woche des Jahrgangs 2012 im April war die Natur sichtbar um Wochen zurück. Das kühle Wetter hielt über die ganze erste Jahreshälfte an, die Wachstumsverzögerungen hätten allenfalls durch eine extrem späte Ernte kompensiert werden können. Erst im Juli drehte das Wetter und es wurde heiß und trocken. Auch der August war relativ sonnig, allerdings ging ein verheerender Hagel über das Bordelais nieder, der in einer Fläche von mehr als 10.000 ha Rebfläche erhebliche Schäden verursachte. Die sowieso schon geringe Traubenmenge wurde so weiter reduziert.

Der September verlief wechselhaft, nährte jedoch immer noch die Hoffnung für einen goldenen Oktober, der eine sehr späte Ernte ermöglichen würde. Leider trat das Gegenteil ein: immer wieder Regen, teils auch starker Regen. Dazu war es relativ warm im Oktober, ideale, warm-feuchte Bedingungen für Botrytis, die sich fast explosionsartig ausbreitete. Es begann ein Wettlauf der Produzenten mit der Natur: entweder man erntete schnell unreife Trauben oder riskierte Fäulnis. An eine späte Lese war nicht mehr zu denken, allerhöchstens an zahlreiche Erntedurchgänge in den wenigen einigermaßen günstigen Zeitfenstern. Selten zuvor sah man die berühmten Grands Crus zeitgleich mit den kleineren Châteaus bei der Lese. Die geernteten Trauben mussten schließlich weiter rigoros ausselektiert werden, um wenigstens die gesunden und reifen Beeren verarbeiten zu können. Als Erntemenge konnte so oft nur rund ein Drittel der üblichen Menge eingefahren werden, berichtet wird von Produzenten mit nur 15 hl/ha Ausbeute.

Wie immer bei solch schwierigen Bedingungen für die spät ausreifenden roten Sorten, konnten die weißen Trauben durch die frühere Lese Ende September vor zu viel Schimmelbefall gerettet werden.

Gegen Mitte Oktober war die Ernte weitgehend beendet, geprägt von Enttäuschung trotz der großen Mühen und dem unermüdlichen Einsatz, die Ernte noch zu retten. Selbst am vom früh reifenden Merlot geprägten Rechten Ufer war das Ergebnis kaum besser. Am ehesten kamen noch die auf den Kieskuppen gelegenen Top-Terroirs der großen Châteaus mit ihren Cabernet Sauvignons zurecht. Froh, dass dieses Jahr vorüber war, hörte man längere Zeit nichts mehr über die Weinqualität aus dem Bordelais.

Die Primeurkampagne 2013


Wirklich bemerkenswert an dem Jahrgang 2013 ist, dass über den Jahreswechsel 2013/2014 eine ernsthaft geführte Debatte entbrannte, ob man die En Primeurs Kampagne nicht besser ganz ausfallen lassen sollte. Zu groß sei das Risiko, eine minderwertige Qualität in den Markt zu bringen. Das finanzielle Opfer, einen ganzen Jahrgang auszulassen aber erscheint zu groß, einige Bordelaiser Châteaus begannen sogleich mit Gegendarstellungen. Unter dem Hashtag #Stop2013BordeauxBashing kann man diese Diskussion in den Foren und Blogs verfolgen. Dann im Februar 2014 ein Paukenschlag: Château Le Pin entscheidet sich gegen die Teilnahme an der Primeur Woche und präsentiert keinen kommerziellen Wein 2013. Kurz zuvor hatte Château Malescasse die gleiche Entscheidung getroffen, einige andere folgten. Die Produzenten, die einen Grand Vin anbieten werden, müssen sich mit absoluten Minimengen abfinden. Château Lafite wird mit einer Quote von 30% zitiert. Die Primeur Woche startet am 31. März 2014. Kurz vor der Primeur Woche noch ein Paukenschlag: Pontet Canet setzt den Preis für den 2013er auf 60 € fest, unverändert gegenüber 2012. James Suckling hatte diesen Wein schon vorab als einen der besten des Jahrgangs bezeichnet.

Die Primeur Woche ist extrem schlecht besucht, die Kommentare sind durchgängig negativ. Maximal 10-15 Weine stechen heraus, je nach Verkoster aber unterschiedliche Weine. Vom Regen etwas verschont war das nördliche Médoc, die besseren Exemplare beginnen ab der Ortschaft Pauillac. Cos d`Estournel und Montrose gehören zu den besten Weinen, dazu Mouton Rothschild. Lafite enttäuscht diesmal und auch Latour liegt zu weit im Süden für einen Erfolg. Der Merlot insbesondere am rechten Ufer in Pomerol und St. Emilion ist fast ein kompletter Ausfall. Noch am besten gerieten die Süßweine aus Sauternes und Barsac mit Château d`Yquem als Wein des Jahres. Das Urteil fast aller Kommentatoren: diesen Jahrgang nicht kaufen und falls doch, dann für ein frühes Trinkvergnügen. Die bange Frage blieb: werden die Preise weit genug gesenkt, um Käuferinteresse zu wecken?

Die Antwort zeichnete sich rasch ab, auch die großen Châteaus kamen sehr früh mit den Preisen heraus. Viele Produzenten veränderten die 2012er Preise nicht, einige reduzierten um bis zu 20%. Lynch Bages zum Beispiel, das den Preis ex négoce von 60 € auf 50 € herabsetzte und relativ bald ausverkauft war. Ein seltenes Ereignis in diesem Jahr. Margaux, Mouton und Haut Brion senkten die Preise von 240 € in 2012 auf 215 €, die Nachfrage aber blieb auch auf diesem Niveau sehr schwach. Lafite nahm den Preis von 330 € auf 288 € zurück, sportlich angesichts der sehr schwachen Qualität. Ähnlich Cheval Blanc und Ausone, die um rund 10% auf 300 € zurückgingen. Vom Londoner Markt war zu hören, dass das Volumen der Primeurkäufe auf etwa ein Drittel des Niveaus von 2012 zurückging.

Diesen Jahrgang ohne einen Wein über 95 und sehr vielen unter 90 Punkten kann man abhaken. Länger daran zu kauen werden die Händler haben, mit noch viel 2011, 2012 und nun 2013 im Lager haben. Profitieren dürfen eventuell die Weinkritiker, denn, so Antonio Galloni, in schlechten Jahren ist deren Rat besonders gefragt!