2010 Subskription in der Wirtschaftswoche

16. Juli 2011



Adieu, mon amour!

So lautet der Titel des Artikels über die Bordeaux-Subskription 2010 in der Wirtschaftswoche vom 18.07.2011 in der Rubrik "Geld & Börse". Ausgerechnet in einem Heft, das sich intensiv mit dem Verfall des Euro beschäftigt, widmet die angesehene Wirtschaftswoche den teuren Bordeaux-Weinen einen ausführlichen Artikel (Flucht in Sachwerte). Aufhänger ist das mit zwei Michelin-Sternen dekorierte Kölner Restaurant von Vincent Moissonnier, der mit dem Hinweis "Adieu, mon amour!" die seiner Ansicht nach völlig überteuerten Bordeaux-Weine von der Weinkarte gestrichen hat.

Zur Chronologie der Kampagne 2010

Zu Wort kommt u.a. Valentin Brodbecker, Autor des Buches "Wein als Investment. Er stellt fest, dass "...die Premiers Crus ... auch Investitionsobjekte" sind. So war z.B. Château Le Pin trotz eines Preises von 1.300 Euro binnen 30 Minuten ausverkauft. "Bordeaux ist Business und weniger Terroir" wird Romana Echensperger zitiert. Selbst wenn einige Kunden abspringen und die geforderten hohen Preise nicht mehr bezahlen möchten, stünden genug andere parat, bereit, praktisch jeden Preis für die raren und gesuchten Flaschen zu bezahlen. Die Preise des Premium-Segments werden daher auch in Zukunft wohl kaum wieder zurückgehen. Die Wirtschaftswoche erklärt das Primeur-System und welche Weine als Blue Chips gelten. Der Einfluß der Bewertungen von Parker spielt hierbei eine große Rolle, Weine mit 99 oder gar 100 Punkten gelten demnach als "risikolose Investition".

Doch das System der immer höheren Preise bei immer kleineren Zuteilungen funktioniert nur, wenn nicht laufend Spitzenjahrgänge angepriesen werden, zu leicht wird die elitäre Kundschaft kaufmüde. Und dennoch: die Qualität der Weine steigt wegen der fortgeschrittenen Techniken im Weinberg und Keller fortwährend an - eine intrinsische Gefahr für die Châteaus. Über das Anbieten von kleineren Tranchen können die Produzenten die Märkte aber sehr differenziert steuern. Während noch 2005 (ebenfalls ein Spitzenjahrgang) die Châteaus die gesamte Ernte auf einen Schlag verkauften und die Händler ein Riesengeschäft machten, ist man heute schlauer. Der Markt wird zunächst mit niedrigeren Preisen und kleinsten Mengen angetestet. Läuft der Wein gut, werden Zuteilungen und Preise auf Marktniveau gehoben. Somit verbleibt der volle Profit beim Hersteller. Das Risiko des Wertverlustes trägt der Endkäufer. Er muß die Weine lange einlagern, um in den Genuß von Wertsteigerungen zu kommen - und das ist nicht billig, denn eine perfekte Lagerung ist unbedingt erforderlich. Entsprechende Profiläger gibt es mittlerweile in vielen Ländern.

Wie weit werden diese Steigerungen noch weiter gehen? Der vor allem im Mittelfeld zähe Verlauf der Kampagne zeigt, dass der Markt nicht endlose Preissteigerungen absorbiert. Eine Blase, die womöglich kurzfristig platzen könnte, sieht man jedoch nicht. Wie gesagt: es stehen genügend neue und ausreichend reiche Kunden bereit. Und schließlich würde ja auch viel Wein getrunken. Mit jeder geöffneten Flasche steigt der Wert der noch vorhandenen Prestige-Weine. Auch bei Vincent Moissonnier wird weiter Bordeaux getrunken - der Keller ist noch prall gefüllt mit älteren Flaschen...

Wenn schon Blätter wie die Wirtschaftswoche über das Thema berichten, dürfte der Höhepunkt der Preisentwicklung überschritten sein!

Wirtschaftswoche, Handelsblatt GmbH, Ausgabe Nr. 29, 18.07.2011


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