Vini d`Italia 2013

Weine Italiens



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Gambero Rosso Autorenteam
26. Ausgabe, broschiert, 920 Seiten (2013)
Verlag Gambero Rosso Editore, ISBN: 3944027159

Covertext:
Vini d`Italia, aus der Erfahrung von über 25 Jahren entstanden, ist die weltweit maßgebliche Publikation für italienische Weine, die auch in englischer, deutscher und chinesischer Übersetzung erscheint. Die Arbeit eines fantastischen Teams aus 60 Verkostern die das Land in allen Richtungen bereist haben um Ihnen einen bestmöglichen Überblick über die italienische Weinwelt zu liefern. 45.000 Weine wurden blind verkostet und die besten 20.000 aus der Produktion von 2.350 Kellereien rezensiert. Das Format ist handlicher geworden, aber die Informationen sind umfangreich wie gewohnt. [...]
Unser Eindruck:
Am 11. Juni 2013 stellte der Gambero Rosso seine 26. Ausgabe des Vini d`Italia in München vor. Ein wenig bescheidener ist man geworden nach der Trennung vom Hallwag Verlag, aber die Kampfesfreude ist den Machern vom Gambero Rosso anzusehen. Ja, die Anzahl der verkauften Bücher in Deutschland sei zurückgegangen und ja, die Zeiten der großartigen "Tre Biccheri Verkostungen" in München sind vorbei - vorerst. Das war ja immer eine riesige Weinparty mit buchstäblich Hunderten von Winzern und noch viel, viel mehr Gästen im BMW-Museum. Schade, dass man heute die Präsentation in die ProWein in Düsseldorf integriert hat. Düsseldorf ist nun mal ein Zentrum in Europa, verteidigt sich Luigi Salerno, CEO des italienischen Verlags. In Düsseldorf treffen sich die Händler und die Journalisten, da werden Abschlüsse gemacht. In München stand die Party im Vordergrund. Aber er sieht auch die Nähe von München zu Italien und die Begeisterung hier für die italienischen Weine. Sehr viele Weinfreunde aus Süddeutschland kennen manchen Winzer persönlich gut und haben auf den Reisen nach Süden immer eine Print-Ausgabe des Vini d`Italia dabei.

Überhaupt setzt man auf Print, obwohl es natürlich auch elektronische Versionen gibt. Man weiß im Haus Gambero Rosso auch, dass gerade die Deutschen gerne Bücher kaufen und das Gedruckte auch wirklich lesen. Und damit ist Deutschland auch ein ganz wichtiger Markt für diesen Klassiker der Weinliteratur. Der Blick geht aber konsequent über Europa hinaus. Eine Ausgabe auf Chinesisch ist bereits erschienen, eine japanische Ausgabe kommt jetzt heraus. Da waren die Japaner doch etwas sauer, dass in ihre Sprache erst nach dem Buch in Mandarin übersetzt wurde. Flankiert werden diese lokalen Ausgaben durch Weinreisen in die Länder. Fast 30 solche Events wie in München veranstaltet man, stellt Luigi Salerno stolz fest. Und die verfehlen ihre Wirkung nicht: im Ausland ist der Vini d`Italia inzwischen wichtiger als in der Heimat. Auch weil in Italien die Konkurrenz groß ist. Allein die Zeitschrift der Sommeliersvereinigung hat 40.000 Abonnenten.


Der Vini d`Italia erscheint wieder in gewohntem Umfang auf Deutsch, das Format ist aber viel kompakter und damit praktischer geworden.

Giuseppe Carrus, verantwortlich für die redaktionelle Koordination, ist denn auch mit nach München gereist. Er legt großen Wert auf die Feststellung, dass beim Vini d`Italia die Qualität des Weins im Vordergrund steht, egal wie er hergestellt wurde. Der Gambero Rosso ist hier zu einer Institution geworden, verkostet jährlich rund 40.000 Weine und nimmt etwa die Hälfte davon in den Führer auf. Die höchste Bewertung, die "Drei Gläser", sind ein klassisches Markenzeichen in Italien geworden, das der Handel sehr sorgsam registriert. Es ist ein Gütesiegel, das richtig verkauft. Und so stehen im Vini d`Italia auch die Weine im Vordergrund und nicht die Produzenten. Wer sich aber über mehrere Jahre die Bücher kauft und aufhebt kann dann quasi über einzelne Produzenten querlesen und bekommt doch ein sehr gutes Bild von dessen Entwicklung.

Die Trennung vom Hallwag-Verlag ist natürlich immer ein Thema, wenn man das auch nicht so prominent aussprechen möchte. Mit dieser Trennung wurde man zurückgeworfen im deutschen Buchmarkt. Aber man kämpft sich zurück. Die im vergangenen Jahr erschienene "Notausgabe" mit stark gekürztem Inhalt gegenüber dem italienischen Original wird heute als unglücklich angesehen und hat Reputation gekostet. In 2013 ist man aber zurück zu alter Stärke und präsentiert wieder einen Textteil zu den Weinen. 399 Weine haben sich die höchste Auszeichnung verdient und wir wollen hier gar nicht auf die wenigen Streitpunkte in der Branche eingehen und unterstellen einmal eine subjektive Objektivität, wie das beim Bewerten von Wein immer gegeben ist. Eine absolute Wahrheit gibt es nicht und was ist falsch daran, aufstrebende Regionen oder Produzenten mit Top-Bewertungen zu pushen. Das macht Parker schon seit vielen Jahren auch, z.B. mit der Rhône. Und am Ende ist der geschmackliche Eindruck von Mensch zu Mensch verschieden und das ist ja auch gut so!

Italien ist, anders als Frankreich, weniger terroirgeprägt, hier ist der Produzent oft wichtiger als die Weinbergslage (einmal vom Piemont abgesehen). Das führt dazu, dass Weinführer eine große Bedeutung haben, viel zu unübersichtlich ist das Meer von Produzenten. Mit der Trennung von James Suckling vom Wine Spectator und Antonio Galloni von Parker fallen zwei der wichtigsten Weinkritiker italienischer Weine aus der großen Medienpräsenz heraus. Dass beide mit kostenpflichtigen Internetauftritten alleine weitermachen ändern daran auch sehr wenig. Das ist sicher eine große Chance für den Gambero Rosso, die erarbeitete Stellung weiter auszubauen. So wird der Vini d`Italia auch in Zukunft die "Bibel des italienischen Weins" bleiben.

Unsere Bewertung: